Buxtehude. Sie liegt verträumt auf einem Gutshof, das Bier ist ein Traum. Und doch sind die Tage der Landbrauerei Hacker gezählt. Die Gründe.

  • Die Deutschen trinken immer weniger Bier: Trotzdem haben sich in den vergangenen Jahren viele kleine Brauereien gegründet
  • So auch die kleine Landbrauerei Hacker, die es seit 2018 auf einem Gutshof bei Buxtehude gibt
  • Doch nun musste Braumeister Marco Hacker eine schwere Entscheidung treffen

Wieder wird ein kleines Unternehmen Opfer der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: Die Landbrauerei Hacker auf Gut Immenbeck gibt auf – Bierfans aus der Region sind geschockt und müssen sich demnächst von der beliebten Institution verabschieden. „Kurz gesagt: Es lohnt sich nicht mehr“, begründet Braumeister Marco Hacker den schweren Entschluss, die Produktion seines „Immenbecker“-Bieres Ende Februar einzustellen.

Kosten und Einkaufspreise seien im vergangenen Jahr „durch die Bank zwischen 30 und 60 Prozent angestiegen“. „Und auf einem Markt, auf dem man immer öfter einen Kasten Bier unter 10 Euro bekommt, können wir diesen Anstieg nicht mehr weitergeben“, so Hacker. Zudem sei nach den Corona-Jahren das Polster entsprechend dünner gewesen. „Da mussten wir eben jetzt die Reißleine ziehen“, sagt der Braumeister.

Landbrauerei Hacker gibt auf: Bis wann es das Bier aus dem Kuhstall noch gibt

Nach der Einstellung der Produktion werde der Brauereiladen auf dem Gutshof im Buxtehuder Ortsteil Immenbeck noch geöffnet bleiben, „solange es noch etwas zu verkaufen gibt“. Der Veranstaltungssaal im alten Kuhstall schließe Mitte Juni. Alle gebuchten Veranstaltungen würden durchgeführt. „Wir werden versuchen, Interessenten für die Brauerei zu finden. Falls dies nicht gelingt, werden wir mittelfristig die Ausrüstung der Brauerei veräußern“, sagt Hacker.

Lecker, Lecker, „Immenbecker“: Auf Gut Immenbeck werden nur noch sehr kurzfristig vier verschiedene Biersorten hergestellt.
Lecker, Lecker, „Immenbecker“: Auf Gut Immenbeck werden nur noch sehr kurzfristig vier verschiedene Biersorten hergestellt. © Sabine Lepél | Sabine Lepél

Für die Bierfreunde in und um Buxtehude ist der Verlust der Landbrauerei Hacker eine traurige Nachricht. Marco Hacker braut im ehemaligen Kuhstall auf dem malerischen Gut der Familie Bartmer in Immenbeck seit 2019 sein Bier aus lokalen Rohstoffen. Gerste und Malz kommen direkt vom Gutshof – das ist ein Alleinstellungsmerkmal der Immenbecker Brauerei. „Als eine der wenigen Brauereien in Deutschland verwenden wir eigenproduziertes Malz aus Braugerste, die auf dem Gutshof Immenbeck schon seit 1846 in sechster Generation angebaut wird“, sagt Hacker.

Brauerei verwendet eigenproduziertes Malz aus Braugerste vom Gutshof

Gutsbesitzer und Agrar-Ingenieur Moritz Bartmer ist einer der größten Produzenten von Braugerste in Niedersachsen und hat ein Verfahren entwickelt, mit dem er aus seiner Gerste jenseits industrieller Großanlagen selbst Malz auf lokaler Ebene herstellen kann. Marco Hacker macht daraus Biere, die nicht hitzebehandelt und nicht filtriert sind. „So behalten sie ihren ursprünglichen Geschmack bei“, sagt der Braumeister. Zur Auswahl stehen vier ständig produzierte Biere, die durch saisonale Biersorten ergänzt werden.

Marco und Vanessa Hacker vor dem ehemaligen Kuhstall, in dem sich ihre  Brauerei und das Geschäft befinden.
Marco und Vanessa Hacker vor dem ehemaligen Kuhstall, in dem sich ihre Brauerei und das Geschäft befinden. © Sabine Lepél | Sabine Lepél

Doch schon die Startphase mit Corona, Ukraine-Krieg, Energiekrise und Inflation war alles andere als einfach für die ambitionierte Landbrauerei. Inzwischen verkauft Hacker sein Bier – etwa 40.000 Liter pro Jahr – nicht nur in der eigenen Brauerei, sondern auch in Hofläden und Restaurants. Seine Frau Vanessa arbeitet ebenfalls in dem Unternehmen, in dem der Brauprozess vor den Augen der Kunden stattfindet.

Der Braumeister aus Bayern blickt auf eine lange, internationale Karriere

Das Ehepaar bietet spezielle Brautage und Brauerei-Führungen an. Marco Hacker leitet zudem Braukurse an der Volkshochschule Buxtehude. Ein weiteres Standbein ist die Vermietung der schönen Räumlichkeiten, die Platz für Feierlichkeiten und Veranstaltungen mit bis zu 70 Personen bieten.

Damit ist nun Schluss. Schweren Herzens geben die Hackers ihren Traum von der Selbstständigkeit auf. Konkrete Zukunftspläne haben sie noch nicht. „Wir werden uns auf dem Arbeitsmarkt umschauen, im In- und Ausland“, sagt Marco Hacker. Ihre Flexibilität haben er und seine aus Costa Rica stammende Frau bereits vor der Gründung der eigenen Brauerei bewiesen.

„Wir werden uns auf dem Arbeitsmarkt umschauen, im In- und Ausland“

Der Bayer hat eine lange, internationale Karriere mit Stationen in Klein- und Großbrauereien in Norwegen, Finnland, England, Schweden und Frankreich vorzuweisen. Zuletzt war er bei Carlsberg in Hamburg angestellt und kam auf diese Weise nach Norddeutschland. „Ich bin Braumeister mit Leib und Seele“, sagt Hacker.

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Er dürfte nicht der einzige sein, der seinen Traum von der eigenen Brauerei nicht aufrecht erhalten kann. Energiepreise und Inflation setzen auch anderen Brauereien zu. Zudem ist der Bierkonsum in Deutschland in den vergangenen beiden Jahrzehnten laut Statistik des Deutschen Brauerei-Bundes (DBB) stetig gesunken. Während der Coronakrise war außerdem der Markt für Fassbier völlig eingebrochen.

Boom vorbei: In Deutschland geht es vielen weiteren Brauereien schlechter

Dafür stiegen die Kosten für die Energie immens. „Die Arbeit in den Brauereien ist sehr energieintensiv“, sagt Hacker. Bei der Bierherstellung würden große Mengen Flüssigkeit erst erhitzt und dann heruntergekühlt, das Lagern koste eine Menge Energie. Aber auch die Rohstoffe sowie die notwendigen Einkäufe von Kronkorken, Etiketten oder Neuglas seien erheblich teurer geworden.

Wildwuchs-Braumeister Fiete Matthies hat Verständnis für die schwierige Lage – gerade beim Blick auf Kleinbrauereien.
Wildwuchs-Braumeister Fiete Matthies hat Verständnis für die schwierige Lage – gerade beim Blick auf Kleinbrauereien. © Wildwuchs | LEA ARING

Das bestätigt auch Fiete Matthies, Braumeister und Inhaber der Wilhelmsburger Biobrauerei Wildwuchs. Er bedauert das Schicksal der Landbrauerei Hacker: „Schade, dass es eine Kleinbrauerei trifft“, so Matthies. Man müsse den gesamtwirtschaftlichen Kontext betrachten: „Alles ist teurer geworden, natürlich auch die Rohstoffe, Flaschen und die Energie für uns als Brauerei. Leider kann man die Preissteigerungen nicht Eins-zu-eins an die Kunden weitergeben.“

Seit der Corona-Krise geht es mit der Craft-Beer-Branche bergab

Über viele Jahre war die Zahl der Brauereien gestiegen, überall schossen kleine Handwerksbrauereien aus dem Boden, „Craft Beer“ erlebte einen großen Boom. Seit der Corona-Krise ist dieser Trend nach Angaben des DBB wieder rückläufig. Für die 1500 überwiegend handwerklichen und mittelständischen Brauereien in Deutschland sei die aktuelle Lage sehr herausfordernd: Im Moment erhalte der Verband nahezu jede Woche eine neue Meldung von einer Brauerei, die schließen muss.