Der Rest vom Fest

Warum das Sankt Pauli Museum in Lüneburg gastiert

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Katy Krause
Die Exponate des heimatlosen Sankt Pauli Museums waren zuletzt im Museum Schwedenspeicher zu sehen

Die Exponate des heimatlosen Sankt Pauli Museums waren zuletzt im Museum Schwedenspeicher zu sehen

Foto: Jonas Walzberg / picture alliance/dpa

Heimatloses Museum über den Hamburger Kiez bekommt in einer anderen Hansestadt ein vorläufiges Zuhause. Das wird gezeigt.

Lüneburg.  In den vergangenen Wochen war die Ausstellung in Stade zu sehen, nun zieht sie weiter nach Lüneburg, dabei gehört sie eigentlich nur an einen Ort: auf den Hamburger Kiez. Doch genau dort ist kein Platz mehr für das Sankt Pauli Museum.

Sieben Mal musste das private Museum den Standort im Bereich der Reeperbahn wechseln. Zu hohe Mieten, Umbauarbeiten und am Ende noch Corona führten zur Aufgabe des Museums in Hamburg Ende 2020. Doch die Idee dahinter lebt weiter.

Ausstellung des Sankt Pauli Museums umfasst zahlreiche Exponate

Was macht das Leben auf dem Hamburger Kiez, der sündigen Meile, wirklich aus? Wer lebt und arbeiten hier und wie hat sich der Stadtteil St. Pauli in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Die Ausstellung des ehemaligen Sankt Pauli Museums umfasst zahlreiche Exponate zur Geschichte des Stadtteils. Von Fotografien, Dokumenten bis hin zu Kostümen. Wer mehr erfahren möchte, der kann vom 10. Juli die Hansestadt Lüneburg ansteuern. Denn dort gastiert die Ausstellung bis zum 9. Oktober.

Unter dem Titel „Der Rest vom Fest, nicht das Ende vom Lied“ sind in den kommenden Wochen im Museum Lüneburg die Exponate aus der Sammlung des Fotografen Günter Zint zu sehen – „eine bunte Mischung mit Skurrilem und Kuriosem, eine lebendige Geschichte des „sündigen Stadtteils“ mit all seinen Facetten, Licht- und Schattenseiten“, wie es Heike Düselder als Museumsleiterin beschreibt.

Um einen kleinen Vorgeschmack zu bekommen: Besucher der Ausstellung können beispielsweise in das Adressbuch des Eros-Centers, einem Laufhaus an der Reeperbahn, blicken. Allerdings dürften sich keine aktuellen Kontakte darin finden. Es stammt aus den 1980er Jahren. Wer einmal sehen möchte, wie in den 1950ern im berühmten Musikclub Star-Club an der Großen Freiheit abgerechnet wurde, wird auch nicht enttäuscht. So konnte eine alte Rechenmaschine aus dem Club, in dem unter anderem die Beatles, Jimi Hendrix oder Jerry Lee Lewis auftraten, gerettet werden.

Schnapsfläschchen der Hamburger Prostituierte Domenica zu sehen

Daneben sind Kostüme von Sylvin Rubinstein, einem Tänzer und Travestiekünstler, aus St. Pauli sowie Schnapsfläschchen der bekannten Hamburger Prostituierte Domenica, die sich in den 1980er Jahren für die Legalisierung der Prostitution als Beruf einsetzte. Sie arbeitete lange im Großbordell Palais d’Amour und der Herbertstraße, später betrieb sie ein eigenes Studio. Von Herbertstraße, die weibliche Besucher nicht betreten dürften oder sollten, ist zudem ein Münzzeitzähler aus den 70er Jahren erhalten geblieben und wird ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein.

Zur Eröffnungsfeier am Sonntag, 10. Juli, um 11.30 Uhr wird Heidekönig Ben I. mit Adjutant Isabelle, die Queen Mum und als besonderer Ehrengast der Sammler Günter Zint persönlich erwartet. Vielleicht kann und wird er an diesem Tag auch etwas zu den Zukunftsplänen sagen. Denn ursprünglich sollte das Museum unter neuer Trägerschaft einer Stiftung wieder in Hamburg eröffnet werden. Die Stiftung ist schon einmal gegründet.

Die Ausstellung:

  • Vom 10. Juli bis 9. Oktober wird die Ausstellung „Der Rest vom Fest“ in Zusammenarbeit mit dem Sankt Pauli Museum in Lüneburg zu sehen sein.
  • Der Eintritt ins Museum, Willy-Brandt-Straße 1, kostet acht Euro, ermäßigt vier. Unter 18 Jahre ist er frei.
  • Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Donnerstag 11 bis 20 Uhr, am Wochenende 10 bis 18 Uhr.