Abschluss der Wahlserie

Kommunalwahl: Der Bürgermeister wollte sie für die Politik

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Rolf Zamponi
Britta von Buchholtz (WGA) hat es als Politikneuling auf Listenplatz 1 geschafft.

Britta von Buchholtz (WGA) hat es als Politikneuling auf Listenplatz 1 geschafft.

Foto: Rolf Zamponi

Britta von Buchholtz ist Ansprechpartnerin für Eltern in der Krippe. Jetzt will sie das für politische Themen sein

Hanstedt/Asendorf. Der Bürgermeister hat sie überzeugt. Rainer Mencke wollte sie für die Wählergemeinschaft Asendorf-Dierkshausen (WGA) und für die Kommunalwahl als Kandidatin anwerben. Das war im vergangenen Jahr. „Ich habe mir Bedenkzeit ausgebeten“, sagt Britta von Buchholtz. Im Januar sagte sie für ihren ersten Schritt in die Politik zu.

Die 39-Jährige kandidiert für die Wählergemeinschaft, die sie einstimmig nominierte. Am 12. September tritt sie bei den Kommunalwahlen nun für den Gemeinderat in Asendorf an. Auf der Liste steht sie auf Platz 1 und ist damit so gut wie sicher in dem Gremium. „Solche Menschen brauchen wir. Britta ist für uns ein Gewinn“, erklärt Mencke seine Fürsprache.

Als Politikneuling künftig entscheidendes Wort mitreden können

Die Erzieherin mit einer Heilpädagogischen Zusatzausbildung wird als Politikneuling in der Gemeinde künftig ein entscheidendes Wort mitreden. Denn die WGA hat derzeit im Rat eine Mehrheit von 64 Prozent. Das entspricht sieben von elf Sitzen. Aber schon jetzt gilt die stellvertretende Leiterin der DRK-Krippe im Ort als eine Ansprechpartnerin für Eltern, deren Kinder sie betreut und ist auch sonst im Ort bekannt und aktiv. „Die Mütter und Väter fragen etwa nach dem Fortgang der Verkehrsberuhigung, weil sie sich um ihre Kinder sorgen“, berichtet von Buchholtz. Übrigens: Ihren Namensbestandteil Baronin, der auf der Liste der Wahlvorschläge aufgeführt ist, lässt sie im Alltag bewusst unerwähnt und möchte darüber auch nicht weiter reden.

Über ihren Werdegang spricht sie aber schon: So ist sie in Ohlendorf aufgewachsen, hat in Hittfeld die Schule abgeschossen und ihre Ausbildung in Lüneburg absolviert. Seit 2002 arbeitet sie in Asendorf, nur wenige hudert Meter von ihrer Wohnung entfernt. Nach zehn Jahren Kita wechselte sie in die umgebaute Krippe, wo sie nun an zweiter Stelle steht. „Der Ort gibt mir viel, jetzt will ich mit meiner Kandidatur etwas zurückgeben“, sagt sie.

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Bürgermeister Mencke hatte sie angesprochen, weil er ihre „stetige, seriöse Arbeit“ im Kindergarten schätzt und um ihre „ausgleichende Persönlichkeit und ihre vielen Kontakte“ im Ort weiß. „Wir brauchen zudem eine Verjüngung im Gemeinderat. Die Generation, die die Zukunft gestaltet, muss auch mitreden“, sagt der Ingenieur für Wasserwirtschaft, der bei der Gemeinde Seevetal für die Oberflächenentwässerung zuständig ist. Außerdem bringe sie sich für Ideen für den Ort ein. Dazu gehörte etwa eine Trecker-Lichterfahrt kurz vor Weihnachten 2020 während der Corona-Krise. Damals zogen die schweren Maschinen eine hinter der anderen durch den Ort. „Es war ein Lichtblick in dieser Zeit, die Menschen standen an der Straße und hatten Kerzen angezündet“, erinnert sich von Buchholtz und zeigt einen Film auf dem Handy. „Wir haben das in drei Wochen organisiert, vom Ort für den Ort.“

Ihre Ziele: Bau einer neuen Kita und Umbau der Feuerwache

Ihre Ziele für die Kommunalpolitik hat die Erzieherin schon festgelegt. Dazu gehören den Bau einer neuen Kita und der Umbau der Wache für die Feuerwehr. Die Umkleideräume müssen für Frauen und Männer getrennt, der Sanitärbereich saniert werden, sagt sie. Auch der Spielplatz in Dierkshausen, das zu Asendorf gehört, soll ihrer Auffassung nach neu gestaltet werden.

Hintergrund ist, dass Asendorf mit seinen derzeit etwa 1800 Einwohnern die Infrastruktur ausbauen muss. „Die Menschen suchen in Folge der Corona-Pandemie Wohnraum in der Region um Hamburg“, stellt von Buchholtz fest. Auch Asendorf wächst. So ist das Neubaugebiet „Grüner Weg“ inzwischen erschlossen. Es stehen fast alle der geplanten 30 neuen Einfamilienhäuser. Fünf Reihenhäuser und 20 Wohnungen im Geschossbau sind zudem im Rohbau fertiggestellt.

Ein Parteieintritt kommt für sie aber nicht in Frage

Warum sie nicht schon eher in die Politik eingeschert ist? „Ich habe vorher einfach nicht daran gedacht“, sagt von Buchholtz. „Jetzt war der Augenblick.“ Für ihre Arbeit denkt sie nicht über den Gemeinderat hinaus. Ein Parteieintritt kommt nicht in Frage. Auch die Wählergemeinschaft soll unabhängig bleiben. Ihr frisch angetrauter Ehemann Stefan, der als Maschinenführer im Kieswerk in Eddelsen arbeitet, unterstützt ihre Kandidatur.

„Nach der Wahl muss ich sehen, was wir bewirken können und wie viel Zeit das in Anspruch nimmt“, sagt sie. Klar ist: Neben dem Basteln von Geburtstagsgeschenken, dem Nähen und der Gartenarbeit dürfte die Politik künftig zu ihrem Hobby Nummer eins werden. „Ich will für den Ort etwas tun“, sagt Britta von Buchholtz. Für sie ist das in jedem Fall eine spannende Aufgabe.

Die Wahlserie und die Ergebnisse:

  • Die Regionalausgabe Harburg des Hamburger Abendblatts hat
    in den vergangenen Wochen in einer Wahlserie Menschen vorgestellt, die sich in Zukunft in der Kommunalpolitik engagieren wollen und sich zur Wahl stellen. Sie alle hatten eines gemeinsam: Sie treten zum ersten Mal an. Wie die Politikneulinge abgeschnitten haben, berichten wir nach der Wahl, wenn die Ergebnisse feststehen.
  • Am Sonntag, 12. September, werden während der Kommunalwahl in Niedersachsen die Vertreter gewählt, die fünf Jahre lang darüber beraten und entscheiden, wie sich der Landkreis, die Stadt oder Gemeinde entwickeln wird. Zur Wahl sind allein im Landkreis Harburg 210.000 Stimmberechtigte aufgerufen.
  • Das Abendblatt berichtet online auf www.abendblatt.de und natürlich in den Printausgaben.