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Kommunalwahl: Ein Eingeborener kandidiert für vier Mandate

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Rolf Zamponi
LKR-Kandidat Eckhard Matthies neben einem Wahlplakat, auf dem er für seine Positionen wirbt.

LKR-Kandidat Eckhard Matthies neben einem Wahlplakat, auf dem er für seine Positionen wirbt.

Foto: Rolf Zamponi

Erst seit Anfang 2021 ist Eckhard Matthies LKR-Mitglied. Bei den Kommunalwahlen kandidiert er für Handeloh, Tostedt, den Kreistag

Handeloh/Höckel. Es ist nicht seine erste Partei, aber bei der zweiten wagt sich Eckhard Matthies jetzt an die Öffentlichkeit. Für die CDU hatte sich der studierte Elektrotechniker von 2000 an im Hintergrund engagiert, Informationsmaterial erstellt und die Verteilung organisiert. Nach dem Wechsel zu den Liberal Konservativen Reformern (LKR) zum Jahresbeginn will er nun am 12. September ein Mandat erringen.

Matthies kandidiert bei seinem ersten Schritt in die Politik gleich vier Mal: Für den Gemeinderat Handeloh, für den Samtgemeinderat Tostedt, den Kreistag und nicht zuletzt zwei Wochen später für den Bundestag. Seine Chancen auf Ebene der Gemeinde und Samtgemeinde schätzt er als gut ein. „Die Kommunalwahl ist eine Kopfwahl und meinen Kopf kennen viele Leute“, ist der 64-Jährige überzeugt.

Die notwendigen Unterschriften wurden ohne Probleme eingesammelt

Matthies ist ein „Eingeborener“, wie er sagt. Er wohnt schon sein ganzes Leben lang in Höckel, einem Ortsteil von Handeloh. Seine Eltern führten einen Bauernhof im selben Ort. 17 Jahre lang war Matthies im Vorstand des Schützenvereins, davon vier Jahre als Präsident. Ein Jahr lang regierte er als Schützenkönig. Zwar haben bei seiner Bewerbung um die notwendigen Unterschriften für die Kandidatur einige Nachbarn und Bekannte gezögert, als sie sahen, dass der sich für die LKR einsetzt.

Denn die Partei, die auf die Initiative des ehemaligen AfD-Bundessprecher Bernd Lucke zurückgeht, hat zuletzt immer mehr Zulauf von ehemaligen AfD-Politkern bekommen, denen die eigene Partei zu radikal wurde. Die notwendigen Unterschriften sammelte Matthies vor Ort dennoch unschwer ein. „Es geht hier um Sachentscheidungen, nicht um Weltanschauung.“

Der ehemalige Bürgermeister Hans-Christian Schröder brachte Matthies in die Politik

Zur Politik, zuerst zur CDU und schließlich im Frühjahr 2021 zur LKR, kam Matthies vor allem durch Hans-Christian Schröder, der von 1998 bis 2011 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Handeloh war. Nach einem schweren Autounfall hatte Schröder 2011 sein Amt niedergelegt und wurde 2016 von der CDU nicht wieder aufgestellt. Es folgte der Austritt, für den sich auch Matthies entschied.

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Schröder suchte eine neue politische Heimat bei der FDP, trat aber vor wenigen Monaten in die LKR ein. Diesen Schritt ging Matthies, dessen Engagement von seiner Frau unterstützt wird, wieder mit. Beide Kandidaten beklagen die „Selbstbedienungsmentalität“ der etablierten Parteien und die bei ihnen fehlende Sensibilität für die „Nöte und Sorgen der Menschen“.

Straßen sanieren und ein Konzept für den Schutz vor Waldbränden vorlegen

Vor Ort will sich Matthies, der bei der Post Fernmeldehandwerker lernte, später an der Fachhochschule der Post in Berlin studierte und von 1995 an im Vertrieb der Telekom arbeitete, vor allem für die Sanierung von Wegen und Straßen einsetzen. Es geht ihm nach den Erfahrungen mit der Hochwasser-Katastrohe in Süddeutschland zudem um einen besseren Schutz bei Starkregen, wenn Wasser vom 107 Meter hohen Flidderberg abfließt. Außerdem sorgt er sich um die Gefahr von Waldbränden wie 1974, als die Bundeswehr mit Panzern Schneisen ziehen musste, um das Feuer einzudämmen.

„Wir haben im Gebiet von Handeloh viele Fichten, die sich bei Trockenheit rasch entzünden können. Es gibt aber durch neue Häuser in Baugebieten derzeit zu wenig Fluchtwege für die Menschen“, warnt Matthies. Es sei Zeit, sich hier um Lösungen und ein tragendes Konzept zu bemühen.

„Handeloh droht seine Autarkie zu verlieren“

Als weiteren Schwerpunkt sieht der Techniker, der seit 2011 im Ruhestand ist, im Service der Gemeinde Handeloh für ihre Bürger. „Es wurden zu viele Dienstleistungen zur Samtgemeinde nach Tostedt verlagert. Das ist aber bei einer wachsenden Gemeinde mit knapp 3000 Einwohnern nicht angemessen“, argumentiert Matthies. „Die Gemeinde droht ihre Autarkie zu verlieren.“

Auf Kreisebene vertritt Matthies den Ausbau von Glasfasernetzen und hat den Grundwasserpegel in der Heide im Blick. Die LKR setzt sich dabei dafür ein, Elbwasser aufzubereiten und es danach im Boden versickern zu lassen.

Auf der Suche nach einer neuen stabilen Mehrheit

Im Handeloher Gemeinderat wollen Schröder, der dort derzeit einen Sitz hat, und Matthies nach einer für sie erfolgreichen Wahl um eine neue, stabile Mehrheit ringen. „Wir sind eine bürgerliche, wertkonservative Partei und keine Rechtspopulisten“, versichert Matthies. Es gehe um Sachentscheidungen, nicht um Weltanschauungen und vor allem darum, dass künftig rasch gehandelt werden könne. „Jedenfalls schneller als bislang.“