Serie zur Kommunalwahl

Dieser Kandidat für Neu Wulmstorf ist ein sehr unabhängiger

| Lesedauer: 5 Minuten
Axel Tiedemann
Martin Stave kandidiert in Neu Wulmstorf für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). Mit dem Platz 4 auf der Liste hat er gute Chancen, bald im Rathaus mitmischen zu können.

Martin Stave kandidiert in Neu Wulmstorf für die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG). Mit dem Platz 4 auf der Liste hat er gute Chancen, bald im Rathaus mitmischen zu können.

Foto: Axel Tiedemann/

Industriemechaniker und Vater Martin Stave kandidiert erstmalig für Gemeinderat und hat mit Listenplatz 4 gute Chancen

Neu Wulmstorf. Warum er jetzt in der Kommunalpolitik mitmachen will, gab es da einen konkreten Anstoß – oder ist es einfach nur das Ergebnis vieler kleiner Erlebnisse hier in seinem Wohnort Neu Wulmstorf? Martin Stave muss nicht lange überlegen bei dieser Frage. „Ich hab‘ wohl zu viel gemeckert, und das bei den falschen Leuten“, sagt er lächelnd und signalisiert damit, dass das mit den „falschen Leuten“ ironisch gemeint ist.

Genau genommen war es nur einer: nämlich Jan Lüdemann, der Fraktionschef der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) im Neu Wulmstorfer Gemeinderat. Sie ist nach SPD und CDU derzeit drittstärkste Kraft. Und weil der 31-jährige Vater einer erst vier Monate alten Tochter über die Feuerwehr mit Lüdemann befreundet ist, bei vielen Gesprächen seinen Ärger über manche Entwicklung in der Gemeinde hin und wieder auch ziemlich offen kundtat, kam dann eben die Aufforderung, sich selbst einmal ehrenamtlich in der Kommunalpolitik zu engagieren.

UWG ist keine Partei, sondern ein Verein

Die UWG erschien Stave schließlich nach einiger Überlegung für einen solchen Schritt gerade richtig. Sie ist keine Partei, sondern ein Verein, es gibt keinen Fraktionszwang – das gefällt Stave. Jedes Fraktionsmitglied ist nach interner Diskussion frei bei der Abstimmung. „Wenn andere Parteien etwas Vernünftiges vorschlagen, kann man auch zustimmen“, sagt Stave, der sich ansonsten mit vielen Themen auch bei den Grünen wiederfinden könnte, wie er sagt: „Aber die sind mir oft zu ideologisch.“

Nun also UWG, die bei den Kommunalwahlen im Landkreis Harburg diesmal mit den Freien Wählern eine Kooperation eingehen will. Solche von Parteien unabhängigen Wählerverbindungen sind offensichtlich mittlerweile auch im Norden im Aufwind, wie ein Blick auf viele Kandidatenlisten im Landkreis im Vergleich mit früheren Wahlvorschlägen zeigt. In Süddeutschland hingegen sind Freie Wähler schon länger fest verankert, in Bayern sind sie mittlerweile bereits an der Landesregierung beteiligt.

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Doch politische Karrieren bis hoch zur Bundesebene dürften als Neu Wulmstorfer UWG-Mitglied noch schwierig sein. Aber darum geht es Stave auch gar nicht: „Es geht nicht um Höheres, es geht um den Ort“, sagt Stave, der in der Neu Wulmstorfer Bahnhofstraße aufgewachsen ist und hier in einem Doppelhaus mit Frau und Kind direkt neben seinen Eltern wohnt. Praktisch für den Wahlkampf: Im Moment hat er noch Elternzeit. Aber auch wenn er wieder zurück im Job als Industriemechaniker bei den Hamburger Stahlwerken ist, wird die Zeit für die neue Aufgabe reichen. Stave arbeitet im Schichtdienst, früh, spät und nachts, mit vielen Ausgleichstagen. „Da kann man flexibel sein“, sagt er.

Diese Flexibilität will er nun nicht nur für die junge Familie, sondern auch für die Politik im Ort einsetzen –- mit ganz speziellen Themen, die er sich für Neu Wulmstorf vorgenommen hat. Ganz vorne auf seiner persönlichen To-do-Liste als Politik-Newcomer steht beispielsweise die oft kritisierte Ärzteversorgung in der schnell wachsenden Gemeinde. Ein Problem, das überall im Süderelberaum beklagt wird. „Einen Termin bei einem Kinderarzt zu kriegen, ist hier absolut schwierig“, weiß er aus eigener Erfahrung.

Wichtiges Thema für ihn ist Entwicklung des Ortskerns

Zweites wichtiges Thema für Stave ist die Entwicklung des Neu Wulmstorfer Ortskerns. Mehr Angebote für die Bewohner aller Altersgruppen müssen hier entstehen, sagt er und denkt dabei an ein „vernünftiges Konzept“, das der Rat dazu aufstellen müsste. Neu Wulmstorf sei ein schöner Ort zum Wohnen, aber da müsse noch mehr sein: „Man wohnt hier, für vieles andere aber fährt man weg“, sagt er.

Mit 31 Jahren ist Stave zudem recht jung für die örtliche Politik und dort dann ein Vertreter der Generation Digital Natives, also der Generation, die mit dem Internet groß geworden ist. Ein „digitaler Eingeborener“ eben. Ganz klar soll daher auch das Thema Digitalisierung künftig viel Raum bei ihm einnehmen, sagt Stave, der mit dem Listenplatz 4 gute Chancen hat, seine Punkte im neuen Gemeinderat auch umsetzen zu können. Als Beispiel nennt Stave dazu ein „gläsernes Rathaus“, das er erreichen möchte. Entscheidungen sollen nicht hinter verschlossenen Türen fallen, Rat und Ausschüsse müssten künftig online zu verfolgen sein, fordert er.

Für Bürger sollte es leichter sein, Anträgen online zu erledigen

Zudem müsse es besser als heute für den Bürger möglich sein, Anliegen und Anträge bei der Gemeindeverwaltung online zu erledigen.

Er hat sich also viel vorgenommen für die nächste Zeit – und das alles neben dem Beruf und der Familie. Doch Stave ist zuversichtlich und sagt: „Das klappt schon.“