Kommunalwahlserie

Warum der 19-Jährige Julian Leroux in den Gemeinderat möchte

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Hanna Kastendieck
CDU-Kandidat Julian Leroux will Themen aufgreifen, die seine Generation bewegen, zum Beispiel eine Verbesserung des ÖPNV.

CDU-Kandidat Julian Leroux will Themen aufgreifen, die seine Generation bewegen, zum Beispiel eine Verbesserung des ÖPNV.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Sottorfer setzte sich als Schülersprecher für 1200 Gymnasiasten ein. Jetzt will er sich politisch für seine Generation stark machen

Sottorf. Wenn Julian Leroux künftig um die Mittagszeit an die Uni fahren will, darf er keinesfalls den Bus verpassen. Denn dieser fährt nur alle zwei Stunden. Ist der Bus weg, fällt der ganze Tagesplan in sich zusammen. Dabei wohnt der 19-Jährige nicht irgendwo in der Pampa, nicht dutzende Kilometer von der Großstadt entfernt, sondern in Sottorf, einem Ort in der Metropolregion Hamburg. Dort, wo die Bevölkerungszahlen steigen und immer mehr junge Familien ein Zuhause finden. Familien, deren Kinder auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Julian Leroux hat sich oft über die Busanbindung geärgert. Und darüber, dass er nichts tun kann, um die Situation zu verbessern. Damit soll jetzt Schluss sein. Leroux will das Thema selbst in die Hand nehmen. Auch deshalb hat er beschlossen, in die Politik zu gehen. Am 12. September tritt der frisch gebackene Abiturient als jüngster Kandidat für die CDU in der Gemeinde Rosengarten an.

Digitalisierung und ÖPNV sind für ihn wichtige Themen

Die Verbesserung des ÖPNV – mit besseren Busanbindungen, digitalisierten Anzeigetafeln und Fahrradständern an den Haltestellen – ist nur eines von vielen Themen, das Julian Leroux künftig auf Gemeinde- und Kreisebene anpacken will.

Er will sich zudem dafür einsetzen, dass Dorfgemeinschaften wieder stärker werden, die Menschen sich mit ihrer Ortschaft identifizieren und mitgestalten. „Leider wird das Engagement immer weniger“, sagt er. „Freiwillige Feuerwehren, Schützenvereine, Dorfjugend – überall mangelt es an Nachwuchs.“ Um das zu ändern und die Menschen wieder für ihre Heimat zu begeistern, will sich Julian Leroux dafür stark machen, dass mehr Aktionen für den Dorfzusammenhalt organisiert werden. Er will Plätze schaffen, an denen die Dorfbewohner zusammenkommen zum Klönen, Spielen, Picknicken.

Politikneuling kritisiert Webseite der Gemeinde als "grausam"

Als junges CDU-Mitglied möchte der Politikneuling, der im Herbst sein BWL-Studium starten wird und davon träumt, ein eigenes Unternehmen zu gründen, vor allem Themen in die Politik tragen, die seine Generation bewegen. Dazu gehört die Digitalisierung. „Wir haben in der Region immer noch viele Orte, an denen es Funklöcher gibt. Das geht für eine Gemeinde im 21. Jahrhundert gar nicht“, sagt er. dann sei da noch die Webseite der Gemeinde. „Grausam“ sei diese, unübersichtlich und nutzerunfreundlich. Dabei sollen bis 2023 alle Verwaltungsdienstleistungen digital angeboten werden. „Ich frage mich ernsthaft, wie das gehen soll?“, kritisiert er. Die Gemeinde müsse sich besser im Netz präsentieren und so digital aufstellen, dass sie auch die Jugendlichen anspreche. „Wir brauchen einen Insta­gram-Account für die Gemeinde, auf der kurze Infos zu aktuellen Themen gepostet werden. Das würde viele junge Leute mehr mitnehmen als die Blätter in den Schaukästen.“

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Dass es oft die kleinen Dinge sind, die es sich zu verändern lohnt, hat Julian Leroux während seiner Schulzeit häufiger erleben dürfen. Als Schülersprecher am Gymnasium Hittfeld hat er von 2018 bis zu seinem Abitur die Belange der 1200 Schülerinnen und Schüler vertreten, dafür gesorgt, dass Tablets im Unterricht eingesetzt werden dürfen und in den Toiletten Desinfektionsmittelspender aufgehängt wurden – lange schon vor Corona. Um die täglichen Drängeleien an den Schulbussen zu beenden, nahm er Kontakt mit dem Landkreis Harburg und dem niedersächsischen Verkehrsministerium auf und sorgte dafür, dass den Linien feste Haltestellen zugeordnet wurden.

Sein Vater ist der amtierende Bürgermeister von Sottorf

Weil es ihm Spaß macht, sich für eine Sache einzusetzen, darüber zu diskutieren und gemeinsam die optimale Entscheidung zu erarbeiten, hat er beschlossen, sich auch politisch zu engagieren. Im vergangenen Frühjahr trat er in die CDU ein, auch, weil er durch seinen Vater Maximilian zur Gemeindefraktion bereits gute Kontakte hat. Dieser ist nicht nur amtierender Bürgermeister von Sottorf und Mitglied im Gemeinderat Rosengarten, er sitzt zudem im Kreistag und im Stiftungsrat des Freilichtmuseums Kiekeberg. Für die kommende Gemeinderatswahl steht Leroux Senior auf Listenplatz 1, Sohnemann Julian auf Platz 17.

„Ich bin ein großer Freund von Kompromissen und vom Weg der Mitte“, sagt der 19-Jährige. „Deshalb CDU.“ Auch wenn er nicht immer mit allen Entscheidungen seiner Partei konform gehe. Die Corona-Politik der Bundesregierung in Bezug auf die Schulen habe ihn schon geärgert. „Ich hätte mir bei diesem Thema mehr Entscheidungsspielraum gewünscht. Jede Schule kennt ihre eigenen Gegebenheiten am besten und sollte die dazu passenden Regeln selbst aufstellen können“, fordert er. Genau mit diesem Vorschlag habe er im Rahmen der Jungen Union auch an Kultusminister Grant-Hendrik Tonne gewandt, aber leider keine Antwort erhalten. „Das ist enttäuschend“, sagt Julian Leroux, der es als Pflicht eines Politikers sieht, den Menschen zuzuhören und ihre Anregungen ernst zu nehmen.

Die Chancen, über seinen Listenplatz tatsächlich einen Sitz im Gemeinderat zu bekommen, sind für den 19-Jährigen eher gering. Aber er ist optimistisch, dass er über Direktstimmen den Sprung in den Rat schafft „Ich bin gut vernetzt“, sagt er. Wie gut, zeigt eine Umfrage, die seine Mitschüler am Gymnasium Hittfeld initiiert hatten. Auf die Frage, wer einmal Bundeskanzler von Deutschland wird, wählten ihn die Schüler auf Platz 1. Was sagt Leroux dazu? „In meinem Leben gab es nie eine andere Kanzlerin als Angelika Merkel. Ich warte mal ab, und schaue, was die Nachfolger machen. In 20 Jahren sehen wir weiter.“