Tradition auf der Elbe

Einer der letzten Stintfischer hat einen Nachfolger gefunden

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Jan-Eric Lindner
Elbfischer Wilhelms Grube und sein Sohn Jonas in ihrem Element: Sie leeren eine Reuse.

Elbfischer Wilhelms Grube und sein Sohn Jonas in ihrem Element: Sie leeren eine Reuse.

Foto: Sportfoto Gettschat / Norbert Gettschat

Sohn führt Tradition im Familienbetrieb Grube weiter trotz der Sorgen um Stint-Bestände. 16-Jähriger lernt Fischwirt.

Hoopte. Wilhelm Grube ist einer der letzten drei Fischer, die auf der Elbe in und um Hamburg ihre Revier haben – und in seiner Sorge um den Erhalt seiner Lebensgrundlage ist er mit Sicherheit der lauteste. Nun scheint es, als sei sein Familienbetrieb zumindest landseitig nachhaltig gesichert.

Trotz der immer kleiner werdenden Zahl der Stinte in seinen Fischgründen tritt Wilhelm Grubes Sohn Jonas (16) in die Fußstapfen des Vaters. Er lässt sich zum Fischwirt ausbilden, will den Familienbetrieb weiterführen, wenn Vater Wilhelm eines Tages von Bord gehen sollte.

Fangmengen gehen seit Jahren rapide zurück

„Wir haben ihn damit ja immer in Frieden gelassen, aber Jonas hat als Kind schon Zander gezüchtet und hat einfach ein Händchen für Fisch“, sagt Wilhelm Grube, der in der 80er-Jahren den Stint zurück auf den Speiseplan vieler deutscher Restaurants brachte und weiterhin nahezu täglich an Bord seines Kutters „Elvstint“ steigt.

Weil die Fangmengen seit einigen Jahren rapide zurückgehen, wurde und wird Grube nicht müde, die Missstände zu benennen, die aus seiner Sicht den Bestand des Stints gefährden. Alles voran: Die Elbvertiefung, ständige Aushub-, Saug- und Baggerarbeiten, die Erde und Schlick aufwühlen, das Elbwasser trüben und den Fisch daran hindern, seine Laichplätze zu finden. Dennoch: Weitergehen soll es an Bord der „Elvstint“.

Der ältere Grube-Sohn fischt in Kanada

Wilhelm Grube: „Schon mein erster Sohn ist ja in die Fischerei gegangen. Er lebt derzeit allerdings in Kanada und geht dort mit Begeisterung seinem Beruf nach.“ Und nun hat sich auch Filius Jonas entschieden. Grube: „Im vergangenen Jahr kam er zu mir und sagte: Ich mach’ das hier weiter. Ich will, dass es hier weitergeht!“ Der Junge hat das Zeug dazu, da ist der 65-Jährige sicher: „Er stellt die richtigen Fragen, er ist selbstständig genug, hat seinen eigenen Kopf. das ist auch wichtig, wenn man diesen Beruf ergreift.“

Der Gastronomiebetrieb ruht zwangsweise

Wie in allen Gastronomien ruht derzeit der Betrieb in „Grube’s Fischerhütte“ am Elbdeich in Hoopte, dennoch läuft die Fischerei natürlich weiter. „Derzeit haben wir es eher ruhig, wir warten auf den Aal und erwarten ihn im Mai“, sagt Grube. Mit Sohn Jonas fährt er oft gemeinsam raus auf die Elbe, um die Reusen zu leeren. „Ich hoffe sehr, dass wir das Restaurant bald wieder öffnen können und hier wieder Leben einkehrt“, sagt Wilhelm Grube. Der selbst noch nicht ans Aufhören denkt – jedenfalls nicht konkret.

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„Na ja, die Rentenbescheide habe ich schon in der Hand gehabt“, sagt der Elbfischer. Aber wie das so sei bei selbstständigen Unternehmern: „Da muss man schon selber vorsorgen.“ Die Corona-Zeit habe ihm einiges noch einmal verdeutlicht, sagt Grube: „Möglicherweise wird man sich daran gewöhnen müssen, auch mal mit weniger zufrieden zu sein. Da wird einem schon klar, dass das neue Auto natürlich nicht sein muss. Oder andere Anschaffungen, die man sonst vielleicht getätigt hätte. Man lernt, dass das alles nicht so wichtig ist. Wir haben es ja nicht mehr selbst in der Hand.“

Dennoch sei langfristig natürlich wichtig, dass der Betrieb weiter etwas abwerfe. Schließlich fordert er Zeit und den Einsatz der ganzen Familie. Auch Tochter und Ehefrau sind mit dabei.

Traditionsunternehmen seit Generationen

„Wir haben den Betrieb aufgebaut, wir wollen ihn weiterführen“, sagt Grube, der schon als Achtjähriger mit Großvater und Vater zum Fischen auf die Elbe gefahren ist, so wie Sohn Jonas nun auch. Besatzfische seien ein Baustein auf dem Weg in die Zukunft, die eigene Teichwirtschaft ein zweiter, die große Gastronomie ein weiterer. Auch wenn das 1000 Quadratmeter große Event-Restaurant in Hoopte seit mehr als einem Jahr im Immobilienportal Immoscout zum Verkauf angeboten wird – für 2,6 Millionen Euro.

Die Anzeige habe er geschaltet, als noch nicht klar war, dass der Sohn mit einsteigt, sagt Wilhelm Grube. Aufgeben sei jedenfalls in seinem Beruf keine Option. „Unser Vorteil ist, dass wir ohnehin fast alles selbst machen“, sagt Grube über seinen Betrieb. Selbst die Brötchen, die später zu Fischbrötchen werden, entstehen in der eigenen Backstube, Grube ist nebenbei ausgebildeter Bäcker. Geräuchert wird der Fisch in den eigenen Öfen.

Dreijährige Ausbildung – Berufsschule in Hannover

Sohn Jonas steckt nun in der dreijährigen Ausbildung, besucht die Berufsschule in Hannover, die einzige für Fischwirtschaft in ganz Norddeutschland. Sein Vater und er denken an neue Wege, den Stint zu retten. Aquakulturen könnten dazu beitragen, das wegen seines Geruchs auch Gurkenfisch genannte Schwarmtier vor Ort zu sichern. Das Klagen und den politischen Kampf haben die Grubes satt. In Hoopte geht der Außer-Haus-Verkauf unterdessen weiter. Bis die Reisebusse wieder auf dem Parkplatz stoppen, wird es wohl noch einige Wochen dauern.