Sportstätten

Gegenwind – Der schwere Weg zur Förderung

Rolf Gevers, Vereinsvorsitzender MTV Luhdorf-Roydorf, steht vor der Peter Wind Halle des Vereins in Luhdorf.

Rolf Gevers, Vereinsvorsitzender MTV Luhdorf-Roydorf, steht vor der Peter Wind Halle des Vereins in Luhdorf.

Foto: Rolf Zamponi

Der MTV Luhdorf-Roydorf will seine Sporthalle für gut 500.000 Euro sanieren. Doch die Vorgaben zum Erhalt von Zuschüssen sind schwer zu erfüllen.

Winsen.  Der MTV Luhdorf-Roydorf steht vor entscheidenden Weichenstellungen. Der Sportverein mit mehr als 1000 Mitgliedern möchte ein Sanierungsprogramm für mehr als eine halbe Million Euro starten. Für die Finanzierung musste Rolf Gevers, der langjährige Vorsitzender des Vereins, sich jedoch durch Förderanträge und Vorgaben für Ausschreibungen kämpfen. Ein Problem, vor dem die Berater beim Kreissportbund (KSB) immer wieder stehen: „Viele Förderprogramme des Landes enthalten komplizierte Anlagen, die online ausgefüllt werden müssen und für Laien schwer zu übersehen sind“, bestätigt Nicole Schuback, die bei KSB für die Sportstättenbauförderung des Landessportbundes zuständig ist.

Durch das Dach der Halle regnete es immer wieder durch

Start für die Sanierung der Peter-Wind Halle in Luhdorf soll nun Mitte 2020 sein. Dabei stützt sich der Verein auf ein 35-seitiges Gutachten der Lüneburger Energieplaner vom Büro Jörn Fleer. Nach deren Berechnungen sind für das Projekt 550.000 Euro notwendig. Am heutigen Freitag will Gevers die Vereinsmitglieder über die Einzelheiten informieren.

Die Überlegungen in den beiden Winsener Ortsteilen hatten begonnen, als es immer wieder durch das undichte Dach der 1988 erbauten Halle regnete und sich im Hallenboden Kuhlen bildeten. Der Unterbau des Sportbodens erwies sich als nicht mehr stabil und das Ausspritzen mit Bauschaum war da nicht mehr als ein Notbehelf. „Wir haben uns daher 2018 an den Landessportbund (LSB) gewandt, der über den KlimaScheck Kosten für die Beratung über energieeffiziente Projekte übernimmt“, sagt Gevers. Der LSB riet, die Gutachter einzuschalten.

Verein stellt auch selbst finanzielle Mittel bereit

Zwar hat der Sportverein bereits bewiesen, dass seine Mitglieder mit anpacken können. So haben sie kurz nach Jahrtausendwende den Anbau um eine Etage aufgestockt, einen Mehrzweckraum mit Spiegel für Tischtennis, Selbstverteidigung, Tanzen und Proben des Luhetal-Chors eingerichtet, den Clubraum „Bodega“ in das Obergeschoss verlegt und im Erdgeschoss Platz für zwei dringend benötigte, zusätzliche Umkleidekabinen geschaffen. Nicht zuletzt wurde die Beleuchtung auf kostengünstige LED umgestellt und die Heizung vom Warmluft auf Gasheizstrahler umgestellt. Immerhin 200.000 Mark der damaligen Investitionssumme von 900.000 Mark brachte der Verein in Eigenleistung auf und schulterte ein Darlehen von 100.000 Mark, das bis 2018 zurückgezahlt wurde.

Anträge für LED-Beleuchtung und die Lüftung

Doch ohne Zuschüsse geht es eben nicht. So sah sich Gevers um und wandte sich mit zwei Anträgen an den Projektträger Jülich (PTJ), der im Auftrag des Bundes-Umweltministeriums Zuschüsse für effiziente Energiekonzepte vergibt.

Erfolg hat Gevers aber bislang nur bei der geplanten LED-Beleuchtung auf den Fußballfeldern gleich neben der Halle. Für den Antrag für eine neue Lüftung für Kabinen und den Sanitärbereich im Inneren des Gebäudes fand er bislang keinen Experten, der alle Fragen ausreichend beantworten konnte.

Für die LEDs stehen nun mit rund 20.000 Euro von Jülich mit den Zuschüssen der Stadt Winsen und des Landessportbundes 52.000 Euro bereit. Allerdings musste Gevers wegen des hohen öffentlichen Zuschusses von mehr als 50 Prozent die Arbeiten ausschreiben. „Auch solche Ausschreibungen sind ohne Experten für die Vereine nur schwer zu bewältigen“, sagt KSB-Mitarbeiterin Schuback.

Nur eine Firma gab ein Angebot ab

Zum festgesetzten Termin am Dienstagabend ging dann genau ein Angebot ein. „Das Vergaberecht zwingt uns zu komplizierten Vorgaben. Die können nur wenige Experten erfüllen“, kritisiert Arne Faust, der neue ehrenamtliche Geschäftsführer des Vereins, der die Offerte mit entgegennahm. Die Bürokratie, so Faust, verhindere den Wettbewerb und lasse Firmen vor Ort nicht zum Zug kommen.

Der Verein will das Angebot annehmen. Allerdings müssen noch Details geprüft werden. Vorgesehen ist, mit den Arbeiten im November zu beginnen und sie bis zum Jahresende abzuschließen. Mit den LEDs wird es künftig möglich sein, nur die genutzten Teile des Platzes zu beleuchten anstatt jedes Mal alle Flutlichtstrahler anzuschalten. Das wird die Kosten für Energie drücken und macht die Investition, die bis zu 75.000 Euro kosten könnte, wirtschaftlich.

Die Stadt Winsen steht zu dem Gesamtprojekt

Klar ist: Die Stadt Winsen steht zu dem Gesamtprojekt. Sie hat für den MTV 2018 und noch einmal im Haushalt 2019 insgesamt 300.000 Euro für die Sanierung von Lüftung, Dach und Fußboden der Halle bereitgestellt. Zudem fordert das Land von den Vereinen bei der Sportstättenförderung nur noch einen geringeren Eigenanteil von zehn statt bisher 20 Prozent, wie Dirk Weidelhofer, Referent für den Sportstättenbau beim Landessportbund, bestätigt. Der MTV könne dazu, so Gevers, bis zu 50.000 Euro ohne Kredit aufbringen.

Dass das Projekt Peter-Wind-Halle dennoch erst Mitte 2020 starten kann, hat jedoch noch einen weiteren Hintergrund. Nachdem die Halle der Oberschule am Ilmer Barg im Ortsteil Roydorf im Oktober 2017 abgebrannt war, sind deren Schüler auf die MTV-Halle angewiesen. Mit Winsens Bürgermeister André Bock wurde daher vereinbart, dass die Arbeiten erst beginnen sollen, wenn die neue Halle im Sommer fertig ist.