Sanierung

Zehn-Millionen-Schönheitskur für Winsens City

So soll der neue Kirchplatz in Winsen einmal aussehen. Jetzt wurden die ersten Entscheidungen für die Sanierung getroffen.

So soll der neue Kirchplatz in Winsen einmal aussehen. Jetzt wurden die ersten Entscheidungen für die Sanierung getroffen.

Foto: Stadt Winsen / HA

Die Innenstadt soll durch ein Millioneninvestment attraktiver werden. Aber die Finanzen sind knapp, weil viele Großprojekte anstehen.

Winsen (Luhe).  Die Kreisstadt steht vor einer entscheidenden Weichenstellung. Nachdem Kämmerer Matthias Parchatka den engen Haushaltsentwurf für 2020 vorgestellt hat, muss der Stadtrat am 23. September über die weiteren Planungen für eine neu gestaltete Innenstadt entscheiden. Zwar stehen CDU und SPD weiter zu dem Zehn-Millionen-Euro-Projekt wie sie im Planungsausschuss deutlich machten.

Doch FDP und Grüne meldeten vor dem Hintergrund von notwendigen Millionenausgaben für Sporthallen, Kindertagesstätten und Feuerwehrhäuser Zweifel an. Bernd Meyer und Erhard Schäfer (Grüne) stimmten dagegen, Nino Ruschmeyer (FDP) enthielt sich. Er fürchtet um den finanziellen Spielraum für die Stadt, wenn die ohnehin schon steigende Verschuldung durch das Projekt noch höher wird.

230 Euro Förderung pro Quadratmeter Fläche sind möglich

Wie eng die Lage ist, wird daran deutlich, dass Parchatka bei einem Haushaltsvolumen von gut 62 Millionen Euro nur einen Überschuss von 566.100 Euro ausweisen kann. Dennoch warnte Bürgermeister André Wiese am Mittwoch im Aussschuss davor, das Vorhaben „auf die lange Bank zu schieben.“

Hintergrund: Die Mittel aus der Städtebauförderung stehen immer nur für drei Jahre bereit. Matthias Staubach, einer der beiden Chefs des Planungsbüros capattistaubach (siehe Infokasten rechts), geht derzeit davon aus, dass die Arbeiten im August 2020 beginnen können. Immerhin kann die Stadt aus der Förderung bis zu 230 Euro pro Quadratmeter erhalten und damit die Gesamtkosten deutlich senken.

„Die Sanierung der Innenstadt ist kein Luxus, wir müssen sie als Investition sehen“, sagte Cornell Babendererde, die Ausschuss-Vorsitzende (CDU). CDU und SPD stimmten dann auch gegen den Vorschlag der Verwaltung auf den teureren Granit-Naturstein zu verzichten und dafür Betonsteine zu verwenden.

Granit ist besonders hart und hält 100 Jahre lang

Für den Granit hatte Staubach geworben, weil er statt 40 bis zu 100 Jahre halte, sich besser mit seiner Bettung verzahne und Ecken und Winkel ohnehin nicht mit Formsteinen ausgefüllt werden könnten.

Mit den Betonsteinen könnte die Stadt jedoch bei dem Projekt rund eine Million Euro sparen.

Die vom Planungsbüro vorgeschlagenen Wasserspiele bleiben ebenfalls erhalten. Die Darstellung der Ortsteile in einem Bassin auf dem Kirchplatz, das „Stadttattoo“, soll zwar vereinfacht werden.

Aber vom Nebeleffekt beim Wasserspiel vor dem Rathaus wollte die Mehrheit der Politiker – ebenfalls gegen die Empfehlung der Verwaltung – nicht lassen. Für den Nebel konnte sich sogar Skeptiker Ruschmeyer erwärmen.

Fahrradbügel sollen Handwerker aus dem Kreis herstellen

Ausgesucht wurden die Lampen und die Müllbehälter sowie die Fahrradanlehnbügel. Sie sollen jedoch nicht wie vorgesehen rechteckig und mit einer mittleren Strebe für Kinderfahrräder ausgestattet werden, sondern wie die bereits aufgestellten Bügel rund sein. Das soll nicht nur Kosten sparen. Jan Jürgens (CDU) geht zudem davon aus, dass die insgesamt 160 Bügel von Handwerkern im Landkreis gefertigt werden können.

Kritisch sehen die Grünen, dass in der Innenstadt künftig weniger Bäume stehen sollen. „Damit wird kein Missstand beseitigt, sondern einer geschaffen“, sagte Schäfer. Harald Horster, Winsens neuer Leiter der Stadtplanung, versichert jedoch, dass für herausgenommene Bäume an anderen Stellen der Stadt nachgepflanzt wird.

Vorgesehen sind Baum-Magnolien, Geweihbäume und Maulbeeren, was die Mehrheit der Politiker akzeptierte. Kurioserweise konnten sie sich nicht auf die Art der notwendigen Baumscheiben einigen. Das muss noch nachgeholt werden.

Mit Standardbänken will die Stadt 45.000 Euro sparen

Für die durch die Innenstadt flanierenden Bürger sind drei Lounge-Bänke an der Kirche und vor dem Kino, zwei Holzdecks als Einfassung von Bäumen vor dem Rathaus sowie weitere 16 Bänke vorgesehen. Der Vorschlag der Verwaltung so weit wie möglich auf Standardprodukte statt Maßanfertigungen zurückzugreifen erhielt eine Mehrheit. Bis zu 45.000 Euro soll das einsparen.

Die Diskussion sah Staubach gelassen. „Das Abwägen in den Kommunen ist ein normaler Prozess“, sagte der Chef von capattistaubach. Nach seinen Erfahrungen haben sich die Kommunen für ihre Innenstädte stets für Qualität entschieden. „Aus Kostengründen abgesprungen, ist bei uns noch niemand.“