Gefährliche Bakterien

Vibrionen in Ostsee: Erderwärmung befeuert die Ausbreitung

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Edgar S. Hasse
So gefährlich sind die fleischfressenden Bakterien in der Ostsee

So gefährlich sind die fleischfressenden Bakterien in der Ostsee

Berlin. Besonders während wärmerer Sommer häuften sich die Fälle, einige Betroffene starben gar daran: Wer sich beim Baden in Ost- und Nordsee mit so genannten Vibrionen infiziert, kann schwer erkranken. Durch die Klimaerwärmung könnte die Gefahr laut Forscherinnen und Forschern in

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Studie zeigt, Badesaison in Ostsee könnte früher beginnen. Allerdings hat das Folgen für die Umwelt. Auch Küstenhäuser sind in Gefahr.

Hamburg/Warnemünde. Patient Ostsee – der Klimawandel hat längst das Binnenmeer und die deutschen Küstengewässer erfasst. In der westlichen Ostsee ist die Wassertemperatur an der mittleren Wasseroberfläche seit 1982 bis heute um mindestens 1,8 Grad gestiegen, berichten Klimaforscher. Im Schnitt um 0,6 Grad pro Dekade.

Professor Markus Meier vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde und Vorsitzender der Baltic Earth Steuergruppe, sagte dem Abendblatt: "Die Luft- und Wassertemperaturen werden bis zum Ende des Jahrhunderts weiter steigen."

Vibrionen in der Ostsee werden zunehmen

Das habe auch Auswirkungen auf den Tourismus in Norddeutschland. Künftig wird es möglich sein, dass die Badesaison früher beginnt, weil dann das Wasser schon warm ist, prognostiziert wird. "Allerdings werden Algenblüten möglicherweise weiter zunehmen, auch die Population der potenziell sehr gefährlichen Vibrionen."

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Das sind Bakterien, die sich bei einer Wassertemperatur ab 20 Grad verstärkt vermehren. Erst Ende Juni war ein älterer Mensch in Ostholstein an den Folgen einer Vibrionen-Infektion gestorben – der erste Fall dieser Art in Schleswig-Holstein. Der Mann war zuvor mit einer offenen Wunde in der Ostsee baden gewesen und hatte sich dadurch infiziert.

Besonders ältere Menschen seien gefährdet, ebenso Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Personen, die wegen Vorerkrankungen in ihrer Immunabwehr geschwächt sind, warnen Mediziner.

An den Küsten könnte es mehr tropische Nächte geben

Mit gesundheitlichen Belastungen müssen auch die Bewohner an der norddeutschen Ostseeküste rechnen. Denn durch die Erderwärmung wird in dieser Region die Zahl der tropischen Nächte zunehmen. Professor Meier: "In heißen Sommern hat das Meer bisher kompensierend gewirkt, also für Abkühlung gesorgt. Dieser Effekt wird künftig nicht mehr so stark sein. Nach den vorhandenen Berechnungen würde es an der Küste in Norddeutschland zu mehr sogenannten ‚tropischen Nächten‘ - also mit Temperaturen über 20 °C - kommen. Das wiederrum beeinflusst die Gesundheit der Menschen."

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Unsichere Zeiten beginnen offenbar auch für einige Hausbesitzer, deren Gebäude unmittelbar an der Ostseeküste stehen. Denn die Erosion nagt an der Landsubstanz. "Durch den höheren Meeresspiegel ist auch die deutsche Ostseeküste betroffen", sagt Professor Meier.

Häuser an der Küste sind gefährdet

Ziel müsse es sein, den Küstenschutz zu intensivieren, etwa durch Sandvorspülungen oder andere ökologisch vertretbare Küstenschutzmaßnahmen. "Einige Häuser, die direkt an der Küste liegen, könnten in ihrem Bestand gefährdet sein, falls nicht zusätzliche Maßnahmen getroffen werden", warnt er.

Typische Symptome einer Infektion mit Vibrionen:

  • Erbrechen
  • Diarrhö
  • Schmerzen am ganzen Körper
  • Hautentzündung mit Blasenbildung


Baltic Earth und HELCOM, eine zwischenstaatliche Organisation zum Schutz der Meeresumwelt der Ostsee, haben an diesem Freitag eine Zusammenfassung der aktuellen Forschungsergebnisse in Form eines kompakten Faktenblatts (Climate Change Fact Sheet) herausgegeben.

Das Fact Sheet richtet sich vor allem an politische Entscheidungsträger, damit sie eine wissenschaftsbasierte und dabei gut verständliche Übersicht darüber erhalten, wie sich der Klimawandel bereits jetzt schon auf die Ostsee auswirkt und was wir für die Zukunft erwarten, so Meier.

Umfangreiche umfangreiche Informationen zu Vibrionen finden Sie auch unter www.badewasserqualitaet.schleswig-holstein.de und hier.

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