Tourismus

Wer nun im Ferienhaus am Meer Urlaub machen darf

| Lesedauer: 6 Minuten
Sophie Laufer
Ferienhäuser und Ferienwohnungen an der Ostsee und Nordsee sind bei Hamburgern besonders beliebt (Archivbild).

Ferienhäuser und Ferienwohnungen an der Ostsee und Nordsee sind bei Hamburgern besonders beliebt (Archivbild).

Foto: picture alliance / imageBROKER

Schleswig-Holstein erlaubt Übernachtungen an Nord- und Ostsee schon zu Ostern unter Bedingungen. Sylt ist alarmiert.

Hamburg. 
  • Nordsee und Ostsee: Kein grundsätzliches Urlaubsverbot in Schleswig-Holstein
  • Ferienwohnungen und Ferienhäuser dürfen zur Verfügung gestellt werden
  • Gastronomie bleibt überall geschlossen - es gibt keine Strandkörbe
  • Sylter Bürgermeister empört und in Sorge vor Urlauber-Welle zu Ostern

Gute Nachrichten für alle Zweitwohnungsbesitzer im Norden. Das Land Schleswig-Holstein erlaubt ihnen nicht nur, ihre Häuser und Wohnungen an Nord- und Ostsee trotz Corona zu nutzen, sondern geht in einer Erläuterung zur Landesverordnung jetzt noch weiter. Besitzer von solchen Immobilien dürfen diese auch Verwandten und Freunden zur Verfügung stellen.

Wörtlich heißt es dazu auf der Internetseite des Landes: „Das Verbot der Beherbergung gilt nicht für Eigentümer von Zweitwohnungen, sofern sie diese selbst nutzen oder unentgeltlich im Bekannten- oder Familienkreis zur Verfügung stellen. Das Gleiche gilt für Mieter von Zweitwohnungen, die diese auf Grundlage von langfristig abgeschlossenen Mietverträgen selbst nutzen.“

Nordsee und Ostsee : Viele Anfragen für Ferienwohnungen

Die Regelung sei nicht neu, sagt das Wirtschaftsministerium. Dessen Staatssekretär Thilo Rohlfs erklärt den neuen Passus auf der Internetseite so: „Wir hatten in den vergangenen Wochen und Monaten viele Anfragen dazu, wie die Zweitwohnungen zu nutzen seien.“ In der Begründung der Verordnung heißt es, dass ‚privat und gewerblich vermietete Ferienwohnungen‘ dem Beherbergungsverbot unterliegen.

„Miete bedeutet gegen Entgelt. Unentgeltlich zur Verfügung gestellte Zweitwohnungen unterliegen daher nicht dem Beherbergungsverbot“, so Rohlfs. Auf der Website sei nun eindeutig klargestellt worden, was erlaubt sei und was nicht. Entscheidend sei dabei, dass die Wohnungen wirklich unentgeltlich zur Verfügung gestellt würden. „Wir können ja niemandem verbieten, seine Tante beispielsweise im eigenen Haus wohnen zu lassen. Und natürlich auch es selbst zu nutzen. Das ist schließlich das Recht eines jeden Immobilienbesitzers.“

Schleswig-Holstein spricht keine Verbote für Ferienwohnungen aus

Dem Ministerium ist es wichtig, sich von dem Vorgehen im vergangenen Frühling abzugrenzen. Damals hatte das Land Schleswig-Holstein kategorisch allen Zweitwohnungsbesitzern die Nutzung der eigenen Immobilien verboten – und vielfach an den Orten an Nord- und Ostsee das auch kontrollieren lassen. Gerade in Hamburg sorgte das Verhalten für Verärgerung.

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Sorge, dass die neue Regelung für volle Strände an der Küste sorgen könnten, hat das Ministerium nicht. „Wir vertrauen darauf, dass die Menschen verantwortungsvoll mit dieser Möglichkeit umgehen“, so Rohlfs. Und auch wenn es voller werden solle, das Ministerium wolle seine Verordnung nicht wieder ändern. „Wir werden keine Verbote aussprechen.“ Dennoch appelliere er an die Menschen, Reisen zu vermeiden. „Bleiben Sie wenn möglich zu Hause, das ist unsere große Bitte.“

Ferienhäuser: Hamburger Besitzer begrüßen Regelung

Bei Hamburger Ferienhausbesitzern wird die klare Regelung begrüßt. Ein Kaufmann, der an der Ostsee mehrere Wohnungen besitzt, hat in einer davon die Familie seines Schwagers untergebracht, die sonst in eher beengten Verhältnisse in der Großstadt wohnt. Er schlägt vor, dass all die Menschen, die jetzt kostenfrei in den Genuss einer solchen Unterkunft kommen, Geld an eine gemeinnützige Organisation spenden.

Die Gemeinden an der Küste sehen die Entwicklung durchaus kritisch. „Das bereitet uns riesige Schwierigkeiten“, sagt der frisch in seinem Amt bestätigte Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel. Er ist empört über die neue Definition auf der Internetseite. „Die Anreisewelle rollt bereits. Jetzt kann jeder nach Sylt kommen, der jemanden kennt, der eine Wohnung oder ein Haus hat.“

Auf Sylt ist man von der Lockerung beunruhigt und empört

Das sei in Zeiten einer Pandemie, und besonders zu Beginn der dritten Welle, nicht vernünftig. 14.810 Zweitwohnungen gebe es auf Sylt. Wenn pro Haushalt nur zwei Personen auf die Insel kämen, seien es schnell um die 30.000 Besucher. „Das macht uns richtig Angst“, so Häckel. Das liege auch daran, dass die Insel auf den Schwung an Besuchern nicht vorbereitet sei. „Hier ist ja nichts geöffnet. Bis auf ein paar Einzelhändler hat also keiner etwas von den Besuchern.“

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Ganz zu schweigen davon, dass es keine Testpflicht für einen Besuch auf der Insel gebe. „Also haben wir im Zweifel einen unkontrollierten Eintrag“, sagt der Bürgermeister. Mit den Besuchern in den kommenden zwei Wochen gefährde man die ganze Saison. „Das ist wahnsinnig kurzsichtig.“

Gastronomie in St. Peter-Ording bleibt geschlossen

„Wir haben uns gut auf Tagestouristen und Besucher über die Ostertage eingestellt“, sagt dagegen Katharina Schirmbeck, die neue Tourismus-Direktorin von St. Peter-Ording. Dazu würden neue Beschilderungen genauso wie Kontrollen gehören.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

„Alle, die hierherkommen, müssen zudem wissen, dass es keine Strandkörbe gibt und auch die Gastronomie geschlossen ist“, so Katharina Schirmbeck. Auch ihr Ziel sei es nicht, Menschen anzulocken. „Allerdings werden wir niemanden abweisen.“ Menschen mit einem Wohnmobil rate sie allerdings dringend davon ab, nach St. Peter zu fahren.

„Es gibt keine Stellplätze, wild zu campen ist verboten.“ Die Tourismus-Direktorin sieht die Tage als Test für die kommende Saison. „Wir haben uns als Modellregion beworben. Also müssen wir auch eine Lösung finden, wie wir mit dem Tourismus in diesen Zeiten umgehen wollen.“

Die AHAL-Regeln gegen Corona: So verringern sie das Ansteckungsrisiko

  • Abstand halten: Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Hygiene: Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund, waschen Sie sich regelmäßig die Hände mit Seife und achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Im Alltag Maske tragen: Auch wo die (erweiterte) Maskenpflicht nicht gilt, ist es empfehlenswert, sich und andere vor Ansteckung zu schützen. FFP2-Masken oder OP-Masken bieten Schutz vor Ansteckung
  • Lüften: Wenn Sie sich mit anderen Personen in einem Raum aufhalten, lüften Sie regelmäßig, um das Risiko einer erhöhten Viruskonzentration in der Raumluft zu verringen
  • Außerdem: Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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