Rügen

Steine versenken: Greenpeace-Aktion trotz Verbot fortgesetzt

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Greenpeace-Aktivisten versenken vom Greenpeace-Schiff "Beluga II" aus vor der Ostsee-Insel Rügen große Granitblöcke im Meer.

Greenpeace-Aktivisten versenken vom Greenpeace-Schiff "Beluga II" aus vor der Ostsee-Insel Rügen große Granitblöcke im Meer.

Foto: Stefan Sauer/dpa

Umweltorganisation protestiert gegen zu viel Fischfang im Meeresschutzgebiet Adlergrund. Aktion ist laut Bundesamt gesetzeswidrig.

Sassnitz. Greenpeace hat trotz eines Verbotes und einer angedrohten Ordnungsstrafe am Dienstag weitere Granitsteine vor Rügen in der Ostsee versenkt. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie hatte der Umweltorganisation verboten, die Aktion im Meeresschutzgebiet Adlergrund fortzusetzen.

Dabei handele es sich um eine „Verschmutzung“, wie eine Sprecherin des Bundesamtes am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur sagte. Damit verstoße die Umweltorganisation gegen das „Hohe-See-Einbringungsgesetz“. Dies ähnele einem Fall, bei dem Greenpeace schon einmal Steine vor Sylt ins Wasser abgeworfen hatte, was auch untersagt worden war.

Greenpeace-Aktivisten: Seit Sonntag rund 60 Steine versenkt

Nach Darstellung der Umweltorganisation wird mit der Aktion das von der Bundesregierung ausgewiesene Schutzgebiet Adlergrund vor der Zerstörung durch Grundschleppnetze geschützt. Behörden und Fischer seien über die Koordinaten der versenkten Findlinge informiert worden. Seit Sonntag haben Greenpeace-Aktivisten an Bord der „Beluga II“ nach eigenen Angaben rund 60 teils tonnenschwere Steine versenkt.

Der Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack sagte: „Was uns weitermachen lässt, ist unser Verständnis, dass wir der Natur ihr Recht auf Unversehrtheit geben.“ Maack zufolge wurde bei Tauchgängen im Adlergrund festgestellt, dass von Steinen der Bewuchs mit Miesmuscheln und Algen „abrasiert“ war. Daten des Thünen-Instituts für Ostseefischerei belegten in dem Schutzgebiet zwischen 2013 und 2017 eine Fangtätigkeit deutscher, polnischer und dänischer Fischer.

Greenpeace: Meeresschutz besteht lediglich auf Papier

„Zur Rettung der Meere brauchen wir echte Schutzgebiete frei von menschlicher Zerstörung“, sagte Maack bereits am Wochenende. Die Bundesregierung müsse die Fischerei und die Ausbeutung von Rohstoffen in den Schutzgebieten verbieten, forderte er. „Nur so lassen sich Arten und Lebensräume schützen.“

Deutschland hat Greenpeace zufolge bereits 2007 fast die Hälfte seiner Meeresgebiete als Schutzzonen ausgewiesen. Auch die Pläne für ein Verbot bodenzerstörender Fischerei im Schutzgebiet Adlergrund sind demnach längst fertig. Allerdings fehle der politische Wille, sie umzusetzen, prangert Greenpeace an. Der Meeresschutz bestehe lediglich auf dem Papier. Selbst in ausgewiesenen Schutzgebieten der Nord- und Ostsee sowie dem Nationalpark Wattenmeer erlaube die Bundesregierung weiter Ölausbeutung, Fischerei sowie Sand- und Kiesabbau.

Besonders schlecht steht es den Umweltschützern zufolge in der deutschen Ostsee um Dorsch und Hering. Stark gefährdet sei auch Deutschlands einzige Walart, der Schweinswal.

( dpa )

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