Umweltschutz

Greenpeace: Nord- und Ostsee im schlechten Zustand

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Das Greenpeace-Schiff Beluga II soll am Donnerstagabend zu einer Tour auf Nord- und Ostsee aufbrechen, um den Zustand der Meeresgebiete zu dokumentieren und ihren konsequenten Schutz zu fordern.

Das Greenpeace-Schiff Beluga II soll am Donnerstagabend zu einer Tour auf Nord- und Ostsee aufbrechen, um den Zustand der Meeresgebiete zu dokumentieren und ihren konsequenten Schutz zu fordern.

Foto: Frank Molter/dpa

Umweltorganisation mit Sitz in Hamburg fordert konsequenten Schutz für die Meere. Kritik kommt von der Fischerei.

Hamburg. Den Ökosystemen in Nord- und Ostsee geht es einem neuen Report der Umweltorganisation Greenpeace zufolge schlechter denn je. „Unsere Meere werden geplündert, zerstört und verschmutzt, nur für den kurzfristigen Profit – mit drastischen Folgen für die Artenvielfalt und letztlich für uns alle“, sagte Greenpeace-Meeresbiologe Thilo Maack.

Nach Angaben der Organisation schwinden die Bestände von Dorsch und Hering in der Ostsee. Deutschlands einzige Walart, der Schweinswal, sei stark gefährdet. Die Organisation wollte daher am Donnerstagabend mit ihrem Aktionsschiff „Beluga II“ zu einer Tour auf Nord- und Ostsee aufbrechen, um den Zustand der Meeresgebiete zu dokumentieren und ihren konsequenten Schutz zu fordern.

Greenpeace will Zustand der Meeresböden untersuchen

Greenpeace kritisiert, dass selbst in geschützten Meeresregionen noch mit Grundschleppnetzen gefischt wird. Um das zu dokumentieren wollen Taucher den Zustand des Meeresbodens in den geschützten Regionen untersuchen.

Greenpeace sagt zudem, dass Deutschland die Ziele der am 15. Juli 2008 ins Leben gerufenen Eu­ro­päi­schen Mee­res­stra­te­gie-Rah­men­richt­li­nie nicht umgesetzt hat. Die Mit­glied­staa­ten werden darin auf­ge­for­dert, Maßnahmen zu ergreifen, um spä­tes­tens bis zum Jahr 2020 einen guten Zustand der Mee­res­um­welt zu erreichen und vorrangig seinen Schutz auf Dauer zu ge­währ­leis­ten.

Kritik am Report kommt von der Fischerei

Der Report erntet auch Kritik. „Es geht den Ökosystemen in Nord- und Ostsee im Gegenteil deutlich besser als vor 30 Jahren“, sagte dagegen der Direktor des staatlichen Thünen-Instituts für Ostseefischerei, Christopher Zimmermann, in Rostock. Es stimme nicht, dass der Fischereidruck unaufhörlich ansteige.

Einige Aussagen des Berichtes sind nach Meinung von Zimmermann verzerrt, weil die Organisation mit dramatischen Aussagen den Druck erhöhen wolle. Zimmermann zufolge geht es in der Ostsee derzeit einem von zwei Dorschbeständen (Ostdorsch) und einem von vier Heringsbeständen (Westhering) schlecht oder sehr schlecht. Bei beiden Beständen spielten die veränderten Umweltbedingungen die größere Rolle.

Den zehn Meeresschutzgebieten, die Deutschland in seiner Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) vor mittlerweile 15 Jahren ausgewiesen habe, fehle bis heute jegliches Management, monierte Greenpeace. In den Schutzzonen der Nord- und Ostsee sowie im Nationalpark Wattenmeer seien immer noch die zerstörerische Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen erlaubt, auch die Ausbeutung von Öl oder Sand- und Kiesabbau, heißt es im Report.

Fischerei-Verband in Hamburg: Fischerei in Schutzgebieten soll weiterlaufen

„Wenn man es sich dann im Detail anguckt, sieht man, es ist eigentlich viel komplizierter“, sagte Zimmermann. „Die Umweltverbände tragen Mitschuld daran, dass der Prozess so schleppend verläuft, weil sie zum Beispiel Forderungen stellen, die einfach nicht konsensfähig sind.“ Umweltverbände erzeugten gerne den Eindruck, dass Fischerei grundsätzlich alles kaputt mache. Für jedes Schutzgebiet müsse sich aber individuell angeschaut werden, was dort erlaubt werden könne und was nicht.

Kritik am Greenpeace-Report kam auch vom Deutschen Fischerei-Verband in Hamburg. „Es ist nicht zutreffend, dass es kein Management gibt“, sagte Generalsekretär Peter Breckling. Es gebe unter anderem Naturschutzverordnungen, Raumordnung oder Nationalparkgesetze im Wattenmeer. „Fischerei in Schutzgebieten kann weiter laufen, weil sie nicht zerstörerisch ist.“

Temperaturanstieg in Nord- und Ostsee bedroht Meere

Greenpeace zieht das Fazit, dass Deutschland alle selbst gesetzten Ziele verpasst habe. „Während Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung hierzulande, aber auch international als Vorreiter in Sachen Meeresschutz gilt, hält dieser Eindruck einem Faktencheck nicht stand“, heißt es im Report. „Im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben sind wir besonders auf gesunde Meere als Verbündete angewiesen“, erklärte Maack. „Sie stabilisieren das Weltklima, haben rund 90 Prozent der atmosphärischen Treibhausgaswärme aufgenommen und rund 30 Prozent des menschengemachten CO2 gespeichert.“

Am Mittwoch hatte eine Antwort des Bundesverkehrsministeriums die Erwärmung von Nord- und Ostsee aufgezeigt: Die Nordsee hat sich im Zeitraum 1969–2017 unter Berücksichtigung der mittleren Oberflächentemperatur um 1,3 Grad Celsius erhitzt, wie es in der Antwort auf eine schriftliche Frage der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Steffi Lemke, heißt.

In der westlichen Ostsee wurde demnach seit 1982 ein Temperaturanstieg von 0,6 Grad pro Dekade gemessen, das heißt um mindestens 1,8 Grad. Wenn sich der Temperaturanstieg fortsetze, drohten in beiden Meeren massive Veränderungen der Meeresumwelt, sagte Lemke.

( dpa/ade )

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