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Hotel Upstalsboom: Das Experiment von Föhr

| Lesedauer: 7 Minuten
Sophie Laufer
Die Sydbar vom Hotel Upstalsboom liegt direkt an der Küste. Sie hat sich in den vergangenen Monaten zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, auch für die Insulaner.

Die Sydbar vom Hotel Upstalsboom liegt direkt an der Küste. Sie hat sich in den vergangenen Monaten zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt, auch für die Insulaner.

Foto: Paul Schimweg

Anfangs war das erste Wellnesshaus auf der Insel sehr umstritten. Doch nun sind auch die Einheimischen einverstanden.

Wyk. Es ist das erste Wellnesshotel auf Föhr, das Upstalsboom, auch Wellness Resort Südstrand genannt. Und allein deshalb hat seine Entstehung im Jahr 2018 für Diskussionen auf der kleinen Nordseeinsel und darüber hinaus gesorgt.

Nun läuft der Betrieb in dem modernen Bau direkt am Wasser seit Herbst 2018 – wie es scheint erfolgreich und geräuschlos. „Wir hatten ein wirklich tolles erstes Jahr“, sagt der stellvertretende Direktor Christian Bärwinkel. Und im Zuge dessen habe sich die Stimmung auf der Insel auch gewandelt, so empfinde er es. „Mittlerweile haben wir den Eindruck, dass die meisten das Hotel unterstützen.“ Das erkenne er allein daran, dass viele Insulaner regelmäßig die Restaurants und Bars besuchen würden.

Das Hotel macht Ferienwohnungen keine Konkurrenz

Bärwinkel erzählt, dass der große Bau direkt am Strand erst einmal Skepsis und Ablehnung hervorgerufen hatte. „Das kann man ja irgendwie auch verstehen.“ Keiner konnte abschätzen, wie das erste Wellnesshotel die Dynamik der Insel verändern würde. „Aber ich glaube, alle Sorgen waren unbegründet“, sagt Bärwinkel heute. „Schließlich machen wir den Ferienwohnungen und Häusern keine Konkurrenz. Ganz im Gegenteil.“

Das Hotel würde eine Bedarfslücke schließen, nämlich die von Urlaubern, die nur zwei oder drei Tage die Insel besuchen wollten. Oder diejenigen, die gern Wellness machen. „Somit bringen wir eher neue Touristen auf die Insel, was ja eigentlich den ganzen Sektor belebt.“ Und eine Versylterung, wie es hin und wieder hieß, oder eine Schickimickisierung, die gebe es schlicht nicht.

„Wir wollen Highlights für die Insel setzen“

Bärwinkel und seine Kollegen haben zudem von Anfang an versucht, die Insulaner mit einzubinden. So wurden alle Einheimischen zur Eröffnung im Jahr 2018 eingeladen und durften in einer Probephase in dem Hotel übernachten. „Zu einem Preis, den sie selbst bestimmen konnten.“

2019 dann organisierte das Hotel Veranstaltungen, zu denen immer auch die Einheimischen eingeladen waren – und auch gekommen sind. Dazu gehörte ein Südstrand Open Air mit Künstlern wie Annett Louisan und Jo Flemming Olsen und einem Kinderprogramm. „Das hat über Föhr hinaus für Aufsehen gesorgt und die Insel hinter uns gebracht“, so Bärwinkel.

Dazu kamen Lesungen, beispielsweise mit Bettina Tietjen. „Immer waren viele Insulaner als Gäste dabei.“ Das Ziel der Hotelbetreiber: „Wir wollen Highlights für die Insel setzen.“ Auch für dieses Jahr gibt es bereits Ideen, unter anderem eine Lesung mit Wolfgang Kubicki.

Bärwinkel und Kollegen verzichten auf eine Sterne-Zertifizierung

Um die Reichen und Schönen des Landes anzulocken und damit einer Versylterung Vorschub zu leisten, ist das Hotel außerdem schlicht nicht vornehm genug. So verzichten Bärwinkel und seine Kollegen auf eine Sterne-Zertifizierung. „Dafür hätten wir gewisse Vorgaben erfüllen müssen, die nicht zu unserem Konzept passen“, sagt er.

Unter anderem ein Roomservice, also Essen auf dem Zimmer. „Wir wollen mit unseren Gästen in Kontakt kommen, dazu passt so etwas nicht. Klar ist, das Haus bewegt sich auf Vier-Sterne-Niveau. Aber eben ohne das Zertifikat des Dehoga, des Hotel- und Gaststättenverbandes.

Bewertungen der Gäste fallen durchweg sehr gut aus

Dennoch lagen die Auslastungszahlen des Resorts für 2019 über den Erwartungen der Betreiber. „Wir hatten eine durchschnittliche Auslastung von 62 Prozent“, so Bärwinkel. Und das, obwohl anfangs durch die Verzögerungen der Bauarbeiten noch nicht einmal alle Zimmer zur Verfügung gestanden hätten. Das entscheidende sei jedoch, so Bärwinkel: „Die Zimmerpreise, die wir erzielen konnten, waren ausgesprochen gut.“

In diesem Jahr wollen er und sein Team die Auslastung moderat um zwei Prozent steigern. „Man muss aber auch sagen, dass wir derzeit in einer komfortablen Situation sind. Es gibt keine Konkurrenz“, sagt Bärwinkel. Noch viel wichtiger als die Auslastung sei dem Betreiber allerdings die Rückmeldung der Gäste. Und die Bewertungen im Internet, die durchweg sehr gut ausfallen. „Wir wollen, dass sich hier alle wohl fühlen, und bisher scheint das ganz gut zu klappen.“

Sydbar am Strand ist zu einem Treff auf der Insel geworden

Auch bei Föhr Tourismus findet man nur lobende Worte für das Wellnesshotel. „Ja, es war ein eher holpriger Start“, sagt Jochen Gemeinhardt, Geschäftsführer der Föhr Tourismus GmbH. „Die Insulaner und die Stammgäste hatten Sorge, dass das Projekt die Insel zu sehr verändert.“ Da gab es Schmierereien an den Bauzäunen. „Dabei muss man ja sagen, dass an dem Ort vorher auch ein Gebäude stand. Es ist ja nicht an eine freie Stelle gebaut worden“, so der Tourismusexperte.

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Doch die Betreiber des Upstalsboom hätten sich geschickt verhalten, sagt Gemeinhardt. Sich viele Gedanken gemacht, wie sie das Hotel betreiben wollten. „Und sie haben Stück für Stück die Insulaner mit ins Boot geholt.“ So wurde die Stimmung immer besser. Beispielhaft dafür sei etwa die Tatsache, dass die Sydbar am Strand zu einem richtigen Treff auf der Insel geworden sei. „Mittlerweile, würde ich sagen, sind so ziemlich alle mit dem Projekt versöhnt.“

Geschäftsführer: Das Hotel ist ein absolutes Vorzeigeprojekt

Zumal genau das eingetreten sei, was er bereits vorhergesagt habe: Das Hotel spricht eine Zielgruppe an, die bisher auf der Nordseeinsel kein Angebot fand. „Jetzt können die Menschen schon ab zwei Nächten mal hier bei uns vorbeischauen. So etwas gab es bisher nicht.“ Davon würde die ganze Insel profitieren. Außerdem habe es einen Mangel an gas­tronomischen Betrieben gegeben. „Und der ist dank der Restaurants und Bars des Upstalsboom auch geringer geworden.“

Immer wieder habe man versucht, eine Saisonverlängerung zu erreichen. „Auch das ist jetzt erstmals gelungen, dank des Angebots des Hotels.“ Das Fazit des Geschäftsführers: „Wir brauchten und brauchen ein solches Haus auf der Insel.“ Er sei froh, dass der Investor den Mut besessen habe, das Haus zu bauen. „An einem unschlagbaren Standort direkt am Meer.“ Alles in allem sei das erste Wellnesshotel Föhrs ein absolutes Vorzeigeprojekt geworden.

Zwei weitere Hotels in Planung

Ach ja, weitere Hotels sind vielleicht auch deshalb bereits in Planung. Das eine entsteht in Wyk, wo derzeit das Wellenbad, das Aquaföhr, steht. Das wird abgerissen und ein Stück weiter neu gebaut. Auf dem Platz des Schwimmbads soll dann ein Wellnesshotel entstehen.

Ein weiteres Hotel ist an der Westkaje des Wyker Hafens geplant. Direkt neben dem Upstalsboom entsteht allerdings kein Hotel, wie man beinahe meinen würde, wenn man die Baustelle dort sieht. Nein, dort wird ein Privathaus gebaut. Das Privathaus von Wolfgang Müller, dem Investor des Upstalsboom.

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