Nordsee

Ein Pottwal für Amrum – und vier neue Hotels auf Föhr

Amrums Tourismuschef Frank Timpe, Minister Bernd Buchholz und Wittdüns Bürgermeister Heiko Müller auf Amrum.

Amrums Tourismuschef Frank Timpe, Minister Bernd Buchholz und Wittdüns Bürgermeister Heiko Müller auf Amrum.

Foto: Matthias Iken (FMG)

Wirtschaftsminister besucht nordfriesische Inseln, um sich über Tourismus zu informieren. Was Wittdün und Wyk für Urlauber planen.

Norddorf.  Amrum und Föhr stehen seit Jahrzehnten im Schatten von Sylt. Doch dort stehen sie ganz gern: Anders als die Königin der Nordsee haben die beiden kleineren nordfriesischen Inseln viele Eigenarten, ihr ursprüngliches Gesicht, ihre Traditionen und ihre Sprache erhalten können.

Seit Dienstag bereist Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) Amrum und Föhr, um sich ein Bild über den Tourismus, die Herausforderungen für den Fremdenverkehr und die Widersprüche des Küstenschutzes zu machen. Im Vergleich zu Sylt mit seinen 7,1 Millionen Übernachtungen jährlich spielen Föhr (1,86 Mio.) und Amrum (1,33 Mio) in einer anderen Liga. Trotzdem sind die Herausforderungen ähnlich: Fachkräftemangel, zu wenig Wohnraum und eine ausreichende Qualität des touristischen Angebots beschäftigen die Branche.

Neuer Wohnraum für Einheimische

Um etwa den Wohnungsmangel auf den Inseln anzugehen, hat die Gemeinde Wittdün mit einem genossenschaftliches Bauprojekt 32 Wohnungen für Insulaner geschaffen, die auf Amrum arbeiten. Um auch außerhalb der Sommermonate für Reisende attraktiv zu sein, beabsichtigt Wittdün den Ausbau des Schwimmbades in Kombination mit der Schutzstation Wattenmeer zu einem Bildungs- und Erlebnisangebot.

Sowohl die Inselbürgermeister als auch der Wirtschaftsminister waren sich einig, dass es eher um eine Verbesserung der Qualität und weniger um eine Steigerung der Übernachtungszahlen gehen muss. Statt weitere Gäste im Hochsommer auf die Insel zu locken, soll die Saison verlängert werden – um die Infrastruktur besser auszulasten und Fachkräfte zu binden. „Man muss das mögen, sich im Winter von der Nordsee anbellen zu lassen“, sagt Buchholz, der selbst oft an die Nordsee reist. „Aber das hat was.“

Hilfe vom Minister

Der FDP-Politiker gab nicht nur den Besucher aus Kiel, sondern auch den Kümmerer und Berater. Beim geplanten Neubau des Haus des Gastes in Nebel regte der ehemalige Manager einen großen Kaffeegarten an – „das ist doch ein Blick wie in der Kupferkanne in Kampen“. In der Debatte der Norddorfer mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz über einen Neubau der maroden Strandhalle bot er seine Hilfe an: „Schreibt mir das.“ Dort am Strandübergang planen die Amrumer auch ihr ehrgeiziges Projekt: Der Amrumer Verein Öömrang Ferian sammelt überall auf der Insel für seine Walausstellung: Im ehemaligen Norddorfer Schwimmbad steht bereits das Skelett eines Pottwals, der wie 28 Artgenossen 2016 in der südlichen Nordsee strandete. Um diesen Pottwal herum planen die Museumsmacher eine Erlebnisausstellung zu Wal und Walfang. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte Amrum eine Blüte als Insel der Walfänger.

Natur als Anziehungspunkt

Heute ist das große Pfund, mit dem die Insel wuchert, ihre Natur: „76 Prozent der Gäste kommen wegen der einzigartigen Natur“, sagt Frank Timpe, Vorstand der Amrum-Touristik. Die Strände des Kniepsands sind bis zu 2,2 Kilometer breit, allein zehn Kilometer lang bahnen sich Bohlenwege durch die faszinierende Dünenwelt.

Am Mittwoch wird der Minister nach Föhr fahren, um sich dort Neubauprojekte wie das Hotel Upstalsboom anzusehen. Mit dem neuen Wellness-Resort in Wyk, das 144 Zimmer und 23 Residenzen bietet, verfügt die Insel über ein erstes Großhotel, das das ganze Jahr über Touristen auf die grüne Insel locken soll.

Vier weitere größere Hotels sind auf Föhr geplant, zudem die Modernisierung des Wellenbads mit angeschlossenem Hotel und eine neue 107 Meter lange Seebrücke. Derlei Großprojekte sucht man auf Amrum wohl weiter vergebens: Als auf Sylt der Tourismus längst florierte, wehrte man sich bis 1890 auf Amrum vehement gegen Feriengäste – aus Angst vor dem „Verderb der guten hiesigen Sitten durch Badeleute“. Heute profitiert die Insel davon.