Buschfeuer

Australien: Norderstedterin kämpft gegen das Inferno

Juliane Hansen bekämpft die Feuerfront in der Nähe des Dörfchen Nerriga im Bundesstaat New South Wales.

Juliane Hansen bekämpft die Feuerfront in der Nähe des Dörfchen Nerriga im Bundesstaat New South Wales.

Foto: Juliane Hansen

Als Au-pair geht Juliane Hansen nach Carwoola. Bei den Buschbränden ist sie als Feuerwehrfrau gefragt. Was erlebt sie?

Norderstedt/Carwoola.  Das Tageslicht ist verschwunden, das Sonnenlicht vermischt sich mit dem Schein der Flammen zu einer apokalyptischen rotgelben Wand. Diese rollt über die Landschaft hinweg, mit einer Geschwindigkeit von manchmal über 20 Kilometern pro Stunde, immer wieder angefacht von tückischen Windböen. „Es ist ein komisches Gefühl, wenn das Feuer auf dich zukommt“, sagt Juliane Hansen. „Man hört ein Rauschen und Zischen, Kängurus kommen einem entgegen. Der Rauch ist dunkel, weil viele Bäume ölhaltig sind.“

Die 20 Jahre alte Norderstedterin kommt in diesen Momenten ihrer Pflicht nach. Sie ist Teil einer Crew von freiwilligen Feuerwehrleuten, die sich den aus­tralischen Buschbränden entgegenstellen. Zu ihrer Arbeitsbeschreibung als Au-pair hatte das ursprünglich nicht gehört. „Aber mein Gastvater Mark ist selbst in der Feuerwehr. Er hat mich gefragt, ob ich Lust hätte, mitzumachen.“

Norderstedterin schon in Hamburg Feuerwehrfrau

Denn Juliane Hansen gehört in Norderstedt der Freiwilligen Feuerwehr Glashütte an, seitdem sie 18 war, zuvor war sie in der Jugendwehr. Nach ihrem Abitur 2019 am Lise-Meitner-Gymnasium entschied sie sich, ans andere Ende der Welt zu fliegen. Australien, weit entfernt und faszinierend. Dort lebt sie bei den Carrolls, einer Familie in Carwoola, einem Ort 30 Minuten östlich der Hauptstadt Canberra. Sie betreut unter anderem die beiden Kinder, einen Jungen (9) und ein Mädchen (11).

Als sie im August damit begann, die nötigen Seminare zu belegen, Fachvokabeln lernte und die technischen Besonderheiten der Fahrzeuge, konnte noch niemand ahnen, was drei Monate später passieren würde. „Es gibt auch Jahre ohne Einsätze“, sagt sie. Nicht diesmal. „Die Warntafeln an den Straßen gingen immer weiter in Richtung ,extreme‘, dann auf die höchste Stufe ,catastro­phic‘. Das wurde erstmals benutzt.“

Ein weiteres Wort, das sie immer öfter hörte: „Unprecedented“, also „beispiellos“, so empfinden selbst erfahrene „Firefighter“ die Buschfeuersaison. Derartige Ereignisse haben Mensch und Natur auf dem Kontinent immer geprägt, aber eben nicht in diesem Ausmaß. Eine lang anhaltende Trockenheit schuf die Bedingungen für ein Inferno, das weltweit mit Entsetzen verfolgt wird.

Buschbrände nicht vergleichbar mit Hausbränden

Was Juliane Hansen bei der Norderstedter Feuerwehr gelernt hat, hilft ihr jetzt jedoch nur teilweise. „Die Einsätze in Deutschland haben mir den Mut gegeben, dass man ruhig bleiben muss.“ Haus- oder Wohnungsbrände, Autounfälle, für solche Einsätze sind die Trupps in Norddeutschland gerüstet. Busch- und Grasfeuer gibt es nur sehr selten und wenn, dann eher auf einen kleinen Bereich begrenzt.

Die eigenen Häuser und Geschäfte, das eigene Dorf, das eigene Leben oder das der Kühe, Pferde und Schafe verteidigen zu müssen, sei komplett anders. „Wir versuchen zu retten, was man retten kann“, sagt Juliane Hansen. Aber die Gebiete seien riesig, teilweise schwer zugänglich, ein solches Terrain mache die Brandbekämpfung umso gefährlicher.

Kampf gegen das australische Inferno

Vor einigen Wochen ging ein Video um die Welt, als eine Crew von einer Glutwalze („Ember attack“) überrascht wurde. Die Männer harrten in ihrem Truck aus, dichteten die Fenster ab und hatten letztlich Glück. Ein anderer freiwilliger Feuerwehrmann kam ums Leben, als der Wind sein tonnenschweres Fahrzeug umwarf.

Auch Juliane Hansen und ihre Kameraden waren einmal kurzzeitig eingeschlossen. „Es gibt Feuerwehrleute, die fast täglich rausgehen. Das ist bewundernswert“, sagt die Schleswig-Holsteinerin.

Sie selbst war bisher bei drei Einsätzen dabei, einer davon am 21. Dezember. Das Dörfchen Nerriga musste gegen das Charleys Forest Fire verteidigt werden – dieses umfasste bis zu 63.000 Hektar. Zum Vergleich: Hamburg ist 75.520 Hektar groß. „Der Tag hat um 6.45 Uhr angefangen, um halb zwölf nachts waren wir zurück. Ich war direkt an der Feuerfront, habe mit draufgehalten. Wir hatten eine gute Crew, man hat sich um mich gekümmert.“ Trotzdem seien viele Häuser abgebrannt, auch zum Selbstschutz musste die Feuerwehr entscheiden, wo die Löscharbeiten stattfinden sollten. „Die alte Schule, die Feuerwache, den Pub haben wir gerettet.“

Auch die „Canberra Times“ widmete ihr eine Story

Hansen hatte daran ihren Anteil. Gastvater Mark Carroll war davon so begeistert („er fand es so cool“), dass er bei der „Canberra Times“ anrief. Deren Redakteurin Kimberley Le Lievre besuchte die Wache in Carwoola, widmete der Norderstedterin eine Story. „Fire Captain“ David Hanzl, so etwas wie ein Wehrführer, lobte das jüngste Mitglied der Truppe. „Auch wenn es nur für ein paar Monate ist, profitieren wir davon, sie nimmt etwas davon mit und kehrt mit großartigen Erfahrungen zu ihrer Feuerwehr nach Hause zurück.“

Aktuell hat sich die Lage entspannt, sehr zur Erleichterung aller Australier. Viele Feuer sind unter Kontrolle gebracht worden, es ist kühler, es hat geregnet. So langsam werden die Schäden realisiert. Allerdings ist weiterhin Sommer, die Buschfeuersaison ist noch nicht vorbei.

Juliane Hansen ist noch bis Februar als Au-pair bei den Carrolls. Danach wird sie Australien bereisen, ihr Freund Timo, selbst Feuerwehrmann in Harksheide, besucht sie. Gemeinsam planen sie auch einen Trip zum Uluru, dem Ayers Rock, Australiens Wahrzeichen. Extrem heiß ist es dort in der Wüste auch, aber die Buschbrände hat sie dann hinter sich gelassen.