CDU-Politiker

Lübcke-Mord: Spur führt nach Norddeutschland

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde am 2. Juni erschossen.

Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde am 2. Juni erschossen.

Foto: Uwe Zucchi / dpa

Waffe, mit der der CDU-Politiker von dem Rechtsextremisten Stephan E. erschossen wurde, könnte aus Pinneberg stammen.

Pinneberg/Kassel. Im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke führt eine Spur in den Norden. Die Bundesanwaltschaft prüft, ob die Mordwaffe aus Beständen der rechtsextremen Terrorgruppe „Combat 18 Pinneberg“ stammt. Das hat das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen erfahren.

Der CDU-Politiker war am 2. Juni von dem Rechtsextremisten Stephan E. erschossen worden. Dieser nutzte dafür einen Revolver des brasilianischen Herstellers Rossi. Vier baugleiche Waffen sowie eine Art Todesliste waren am 28. Oktober 2003 bei Mitgliedern von „Combat 18 Pinneberg“ gefunden worden. Bis heute ist unklar, ob die rechtsextreme Gruppierung nicht über weitere Waffen dieses Typs verfügte.

Bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“

„Combat 18 Pinneberg“ galt als bewaffneter Arm des Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“, das 2000 verboten worden war. „Combat“ steht für Kampf, und die Zahl 18 verweist auf den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets: A und H – die Initialen von Adolf Hitler. Die Gruppe, die aus der Kameradschaft Pinneberg hervorging, soll 20 bis 30 Mitglieder gehabt haben. Sie wurde vom Pinneberger Klemens O. angeführt, der inzwischen aus der Szene ausgestiegen sein will und Selbstverteidigung unterrichtet.

Auch Peter Borchert gehörte zur Gruppe. Er leitete 2003 in Neumünster eine rechte Demo, an der auch der Mörder von Walter Lübcke teilnahm. Borchert war früher Landeschef der NPD und ist heute Mitglied der Rockergruppe Bandidos. Derzeit ist er häufig Gast des Parlamentarischen Untersuchungsausschusses des Kieler Landtags zur „Rockeraffäre“. Borchert verfolgt das Geschehen im Zuschauerraum, er erhofft sich offenbar Erkenntnisse über das, was die Landespolizei in den Jahren um 2010 im Streit zwischen den verfeindeten Rockergruppen Red Devils und Bandidos ermittelt hat.