Segelschulschiff

Gorch-Fock-Affäre: Villa an der Elbchaussee gepfändet

Einst Stolz der deutschen Marine, nun ein Fall für die Justiz: das Segelschulschiff „Gorch Fock“.

Einst Stolz der deutschen Marine, nun ein Fall für die Justiz: das Segelschulschiff „Gorch Fock“.

Foto: Imago/Thomas Zimmermann

Angeschlagene Elsflether Werft erwirkt Beschluss gegen Hamburger Ex-Vorstand. Was wird aus der "Gorch Fock"?

Elsfleth/Hamburg. Der Wirtschaftskrimi um die Elsflether Werft, die mit der Instandsetzung des maroden Segelschulschiffs "Gorch Fock" beauftragt ist, wird immer spannender: Die neue Leitung des mittlerweile insolventen Unternehmens hat nach eigenen Angaben Pfändungsbeschlüsse gegen die Vermögen der beiden Ex-Vorstände Marcus R. und Klaus W. erwirkt.

Das Landgericht Oldenburg und das Landgericht Hamburg hätten "den zivilrechtlichen dinglichen Arrest" über die Vermögen der Ex-Chefs verhängt, erklärte der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft AG, Tobias Brinkmann am Donnerstag. "So sichern wir die Vollstreckung unserer Geldforderungen gegen die ehemaligen Vorstände." Zuerst hatten der NDR und das ARD-Hauptstadtstudio darüber berichtet.

Pfändungsbeschluss in Höhe von 3,9 Millionen Euro

Das Unternehmen ist nach Darstellung der aktuellen Werftführung in die jetzige prekäre Lage gekommen, weil das alte Management Geld "zu betriebsfremden Zwecken" abgezogen haben soll, wie es in einer Mitteilung der Werft heißt. Die ehemaligen Chefs bestreiten dies allerdings. Gegen die Pfändungsbeschlüsse kann Widerspruch eingelegt werden.

Beim Pfändungsbeschluss gegen den ehemaligen Werftchef Marcus R. geht es um Vermögenswerte in Höhe von bis zu 3,9 Millionen Euro. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die dem Abendblatt vorliegen, sind konkret private Konten und Rentenansprüche betroffen, aber auch ein Motorboot, sowie die Erlöse aus einem angeblich bevorstehenden Verkauf einer Villa an der Elbchaussee 54. Unter dieser Adresse hat die Kanzlei von Marcus R. ihren Sitz.

Landgericht bestätigt Pfändungsbeschluss

Der Sprecher des Hamburger Landgerichts, Kai Wantzen bestätigte gegenüber dem Abendblatt das Vorliegen des Pfändungsbeschlusses gegen Marcus R. Es gehe dabei um die Sicherung von Vermögenswerten im Zusammenhang mit mehreren Darlehen, für die dieser gebürgt haben soll.

Gegen den zweiten ehemaligen Vorstand, Klaus W., wurde am Landgericht Oldenburg ein Beschluss zur Pfändung von bis zu 12,3 Millionen Euro erwirkt. In seinem Fall geht es nach den dem Abendblatt vorliegenden Unterlagen ebenfalls um die Sicherung diverser Vermögensgegenstände.

"Gorch Fock"-Sanierung viel teurer als geplant

Die Elsflether Werft hatte im Februar dieses Jahres Insolvenz anmelden müssen, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte. Seit Ende 2015 saniert das Unternehmen die "Gorch Fock". Dafür waren ursprünglich 9,6 Millionen Euro eingeplant. Weil aber immer mehr Probleme an dem Großsegler entdeckt wurden, sind bislang bereits etwa 70 Millionen Euro ausgegeben worden. Insgesamt werden die Kosten der Sanierung auf etwa 135 Millionen Euro geschätzt. Das Bundesverteidigungsministerium und die Marine stehen wegen der Kostensteigerung in der Kritik.

Wie die Werft am Donnerstag ebenfalls mitteilte, darf sich das Unternehmen in der Insolvenz künftig selbst verwalten. Das Amtsgericht Nordenham habe das Verfahren am Donnerstag offiziell eröffnet. Der Betrieb werde mit allen 130 Mitarbeitern fortgeführt.