Nordsee

Wer will mitten im Wattenmeer 12 Schüler unterrichten?

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Die Grund- und Gemeinschaftsschule auf Hallig Hooge.

Die Grund- und Gemeinschaftsschule auf Hallig Hooge.

Foto: Erco Jacobsen

Lehrer gesucht: Momentan haben die Schüler auf Hallig Hooge nur an vier Tagen Unterricht. Wer hier arbeitet, muss es rau mögen.

Hallig Hooge.  Grüne Wiesen, das Watt vor der Haustür, kein Straßenlärm, mitten in der Natur. Der Arbeitsplatz: ein Backsteingebäude im Grünen auf Ockelützwarft, auch Schulwarft genannt. Für Wohnraum ist gesorgt. Statt in kleinen Räumen mit 30 Schülern oder mehr sitzen hier derzeit zehn Schüler muckelig beisammen. Klingt sehr idyllisch. Und doch scheint es nicht so ganz leicht zu sein, einen Lehrer nach Hallig Hooge zu bekommen. Seit längerer Zeit schon herrscht Lehrermangel.

Die Kinder werden übergangsweise von Kollegen von der Herrendeichschule auf Nordstrand mit unterrichtet – immerhin von montags bis einschließlich donnerstags. Notwendig war das, weil die eigene Lehrerin krankheitsbedingt ausfällt. Während Schüler auf dem Festland von solch einer kurzen Schulwoche träumen, soll das auf Hooge aber kein Dauerzustand sein, sagt Bürgermeisterin Katja Just. „Die Lehrer von Nordstrand waren überaus flexibel und sind bei uns eingesprungen“, sagt sie.

Bewerbungsschluss ist am 8. Mai

Nun sucht Hooge dringend zum neuen Schuljahr ab 1. August einen Pädagogen für die Grund- und Gemeinschaftsschule mit dann zwölf Schülern, die offizielle Stellenausschreibung des Landes Schleswig-Holstein ist online einzusehen unter https://service.schleswig-holstein.de/verwaltungsportal/. Bewerbungsschluss ist am 8. Mai. Auch Teilzeit ist möglich.

Der zukünftige Lehrer betreut alle Kinder stufenübergreifend von der ersten bis zur neunten Klasse in einem Raum. Ab der 10. Klasse geht es dann auf eine Schule auf dem Festland.

Dorfidylle mit Tücken

Was nach Dorfidylle klingt, kann auch eine sein. Allerdings eine mit Tücken. „Das Leben auf einer Hallig ist ein ganz besonderes. Manchmal direkter und rauer“, sagt Bürgermeisterin Katja Just. Wie es an der Nordsee eben so ist, auf einer Hallig mit rund 107 Einwohnern erst recht. Einzige Verbindung zum Festland ist die Fähre nach Schlüttsiel, wenn sie nicht gerade wegen Niedrigwasser ausfällt. In den Wintermonaten sind die Halligen an manchen Tagen völlig vom Festland getrennt, wenn die Nordsee die Halligen überspült. Dann ist Landunter.

Weil es so wenig Schüler auf Hooge sind, hat jeder einen eigenen Doppeltisch, außerdem gibt es in der Klasse zwei Computerarbeitsplätze. Auf Hallig Hooge frühstücken die Kinder täglich zusammen. Und wie an jeder anderen Schule auch gibt es Gruppenarbeit, eine Bühne und sogar eine Turnhalle. Genau wie auf den übrigen Halligen wird Englisch virtuell per Internet unterrichtet. An zwei Tagen in der Woche treffen sich die Schüler in den E-Learning-Gruppen der verschiedenen Halligen gleichzeitig in einem Online-Klassenraum mit ihrer Englischlehrerin Leena Brütt vom Festland in Kiel. Beim Computerunterricht wird Englisch gesprochen, Höraufgaben werden bearbeitet und die Aussprache geübt. Wie in einem realen Klassenraum auch.

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