Universität Lübeck

Hebammen-Wissenschaft: Studium sehr gefragt

Eine Hebamme und ein Vater beim Wickeln eines Babys (Symbolbild)

Eine Hebamme und ein Vater beim Wickeln eines Babys (Symbolbild)

Foto: picture alliance/ Marie Bienaimé

Der 2017 eingeführte Studiengang ist bundesweit einmalig. Kaum noch freie Plätze für das Wintersemester. Interesse hat auch ein Mann.

Lübeck. Was Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab Ende 2020 plant, ist an der Lübecker Universität schon seit fast zwei Jahren Wirklichkeit. Seit 2017 gibt es hier ein duales Studium der Hebammenwissenschaft. Neben der praktischen Ausbildung gehörten zum Studium auch Bereiche wie Allgemeinmedizin, Pflege, Kommunikation und Gesundheitsökonomie, sagte die Leiterin des Studienganges, Christiane Schwarz. Dadurch würden die Hebammen befähigt, nicht nur praktische Geburtshilfe zu leisten, sondern auch zu Themen rund um die Geburt zu forschen.

"Deutschland ist das letzte Land in der EU, in dem Hebammen noch nicht akademisch ausgebildet werden", sagte Schwarz. Hier führte der Weg in den Beruf bislang über eine dreijährige Fachschulausbildung. Seit 2009 gibt es einige Modellstudiengänge, die aber bislang ausschließlich an Fachhochschulen angesiedelt waren. "Die Universität Lübeck hat als bundesweit erste Universität einen Studiengang Hebammenwissenschaften eingeführt", sagte Schwarz.

Voraussetzung ist mindestens Fachabitur

Das Studium dauert sechs Semester, Zugangsvoraussetzung ist mindestens das Fachabitur. Den Abschluss bildet die Bachelor-Arbeit. Ab Herbst dieses Jahres ist auch ein Masterstudiengang geplant. Die praktische Ausbildung erfolgt über die UKSH-Akademie an Partnerkrankenhäusern, die theoretische in den Hörsälen der Uni Lübeck.

"Die Nachfrage ist groß. Wir haben aktuell 40 Studierende, also zwei komplette Kohorten. Ab Herbst haben wir erstmals 35 Studienplätze zur Verfügung, die schon fast alle vergeben sind", sagte der Uni-Sprecher Rüdiger Labahn. Unter den Bewerbern ist nach Angaben der Studiengangsleiterin auch erstmals ein Mann.

Schwarz ist überzeugt, dass die universitäre Ausbildung von Hebammen nicht nur den Beruf attraktiver machen wird. "Es eröffnet den Hebammen auch den Weg in die Forschung oder in die Qualitätssicherung", sagte Schwarz. Forschungsthemen rund um Schwangerschaft und Geburt gebe es jedenfalls reichlich, sagte die bundesweit erste Lehrstuhlinhaberin für Hebammenwissenschaft.

Hebammenverband begrüßt Vorstoß

Der Hebammenverband Schleswig-Holstein begrüßt den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn, den Hebammenberuf künftig studieren zu müssen. "Der Standard der deutschen Hebammenausbildung ist zwar sehr gut, was auch Ärzte bescheinigen", sagte die Landesvorsitzende Anke Bertram. "Aber ich glaube, wir bekommen noch einmal ein anderes Ansehen und können auch noch einmal ganz anders arbeiten, wenn wir akademisiert sind."

"Unserer Ansicht nach sind wir in den letzten Jahren ein bisschen an die Wand gespielt worden durch diese medizinisch-technische Geburtshilfe, die in die Kreißsäle Einzug gehalten hat", sagte Bertram, die als niedergelassene Hebamme auf Sylt arbeitet. Sie ist der Überzeugung, dass studierte Hebammen dem mehr entgegensetzen können und die physiologische Geburt wieder mehr fördern. "Der Beruf bekommt durch ein Studium wieder eine andere Akzeptanz", sagte Bertram.

Weniger begeistert von der geplanten Neuregelung ist die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Die Umsetzung der Reform werde die bestehenden eklatanten Versorgungsdefizite im Kreißsaal weiter verschärfen und den hohen Standard der Hebammenausbildung in Deutschland gefährden, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.