HSV-Trainer

Christian Titz’ schwierigster, ganz persönlicher Kampf

Christian Titz engagiert sich für Kinder mit Rheuma. Hier zu sehen mit Kerstin Bennecke, Vorsitzende des RheumaKinder e.V.

Christian Titz engagiert sich für Kinder mit Rheuma. Hier zu sehen mit Kerstin Bennecke, Vorsitzende des RheumaKinder e.V.

Foto: Cordula Warlitz

Der HSV-Trainer wird Schirmherr für den Verein RheumaKinder. Der Grund: sein erkrankter 14-jähriger Sohn.

Elmshorn/Hamburg.  „Das größte Gut für unsere Familie ist die Gesundheit“, sagt Christian Titz. Für den Fußballtrainer des Hamburger SV ist das keine Plattitüde. Er hat erfahren, was es bedeuten kann, wenn es anders ist. Denn seine Familie hat in den vergangenen Jahren eine sehr schwere Zeit durchlebt. Zu sehen, wie das eigene Kind unter Schmerzen leidet und ihm nicht helfen zu können, von Arzt zu Arzt zu laufen, ohne eine richtige Diagnose zu erhalten – und Menschen zu treffen, die einem nicht glauben.

Christian Titz ist das widerfahren, und es hat ihn nachhaltig geprägt. So sehr, dass es für den Hamburger eine Herzensangelegenheit ist, dem Verein beizustehen, der seiner Familie in großer Not einen Weg aufzeigte. Deshalb hat Titz jetzt die Schirmherrschaft für den Elmshorner Verein RheumaKinder übernommen. Er will anderen Betroffenen helfen.

14-Jähriger mit Rheuma

Und obwohl für den HSV am Montag ein wichtiges Spiel in Bielefeld ansteht, nimmt Titz sich lange Zeit für ein Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt. Er spricht über sein Engagement, über die schwierigen Jahre und über die Krankheit seines Sohnes Jan-Luca. Dieser ist 14 Jahre alt und leidet unter Rheuma. Im Alter von neun Jahren brach die Krankheit erstmals bei ihm aus. Doch knapp vier Jahre lang musste die Familie um die richtige Diagnose kämpfen, und Titz ist bewusst, dass er es aufgrund seines Berufes und der damit verbundenen Beziehungen leichter hatte, an manchen Arzttermin heranzukommen.

Richtig findet er das nicht. „Wie wäre es anderen Familien ergangen?“, fragt er sich. „Dabei ist es so wichtig, die Krankheit möglichst früh zu erkennen“, sagt Titz. Mit jedem Jahr sei die Wahrscheinlichkeit höher, etwas dagegen tun zu können. Heilbar ist Rheuma nicht, aber die Krankheit kann zumindest zum Stillstand gebracht und vor allem die Schmerzen gelindert werden – wenn sie denn erkannt und die richtige Medikation gefunden wird.

Dauerhafte Schmerzen

„Das ist eine heimtückische Krankheit“, sagt der 47-Jährige. Zu den dauerhaften Schmerzen seines Sohnes und der langen Ungewissheit kam hinzu, dass Außenstehende der Familie nicht glaubten. Für viele ist Rheuma eine Alterserscheinung. Dass sie auch bei Kindern auftreten kann, wissen nur die wenigsten. Besonders in der Schule gab es Probleme. Jan-Luca könne sich aufgrund der Krankheit im Unterricht schlecht konzentrieren und nicht lange sitzen. „Ihm wurde unterstellt, er simuliere“, erinnert sich Titz. Ein Schulverweis stand im Raum. Erst der Kontakt zur Elmshornerin Kerstin Bennecke und ihrem 2016 gegründeten Verein RheumaKinder brachte die Wende. „Diese Frau hat unser Leben verändert“, sagt Titz.

So stand sie der Familie bei den schulischen Problemen bei. „Sie ist mit zu einem gemeinsamen Gespräch gekommen“, erinnert sich der Familienvater. Gemeinsam wurde der Stundenplan für Jan-Luca geändert. Er kann später zur Schule gehen, denn besonders morgens leidet er unter einer Gliederstarre. „Das ist wie bei einem alten Mann“, erklärt Titz. Gegen 11 Uhr sei das völlig weg. Zudem bekam Jan-Luca einen neuen Stuhl, der seinen Bedürfnissen angepasst ist und ihm das Schulleben deutlich erleichtert.

Aufklärung betreiben

Und der Verein half, Ärzte zu finden, die sich mit der Krankheit auskennen. „Für unsere Familie war das ein Glück“, sagt Titz. Das möchte er teilen. Der zweifache Familienvater hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Verein zu unterstützen – und das auf möglichst zahlreichen Ebenen. Zum einen will er über die Krankheit aufklären und die Werbetrommel für den Verein rühren. Aber auch finanziell will er unterstützen.

Um Geld für betroffene Familien zu sammeln, ist sich Titz für nichts zu schade. Er gibt sogar sein Gesicht für das T-Shirt mit dem zweideutigen Spruch „I love Big Titz“ her. Ein Euro aus dem Verkaufserlös geht direkt an den Verein.

Versteigerung für guten Zweck

Zudem will Christian Titz zusätzlich seinen Anteil am Verkauf RheumaKindern zukommen lassen. „Wir machen Ende des Monats Kassensturz“, sagt er. Doch er hofft, dass mehrere Tausend Euro zusammenkommen werden. Zudem soll noch ein T-Shirt, das von den HSV-Spielern unterschrieben wurde, für den guten Zweck versteigert werden. Einer seiner Spieler hat wohl das größte Verständnis für Titz’ Engagement: Lewis Holtby. Auch seine Schwester leidet an Rheuma.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie liegt die Zahl der an Rheuma erkrankten Kinder in Deutschland bei etwa 20.000. Titz ist sich aufgrund seiner Erfahrung sicher: „Die Dunkelziffer ist viel höher.“