Wohnen

Kieler Traditionswerft will Luxus-Hausboote bauen

Udo Hafner (l.), Geschäftsführer des Hamburger Konstrukteurbüros iYacht GmbH, und Kay Dürschke von der Yacht- und Bootswerft Rathje mit einem Modell eines Luxus-Hausboots

Udo Hafner (l.), Geschäftsführer des Hamburger Konstrukteurbüros iYacht GmbH, und Kay Dürschke von der Yacht- und Bootswerft Rathje mit einem Modell eines Luxus-Hausboots

Foto: dpa

Schwimmendes Eigenheim soll ab 400.000 Euro kosten und wird mit Elektromotoren angetrieben. Es soll bereits 30 Interessenten geben.

Kiel/Hamburg.  Zu den alternativen Wohnformen gehört das Hausboot – nicht nur in Amsterdam oder Seattle. Eine kleine Kieler Traditionswerft auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern startet mit dem Bau von Luxus-Hausbooten. „Wir werden spätestens im Herbst mit den ersten beginnen“, sagt Projektleiter Kay Dürschke von der Yacht- und Bootswerft Rathje in Kiel-Friedrichsort. Gemeinsam mit Udo A. Hafner, Geschäftsführer des Hamburger Konstrukteurbüros iYacht, hält er ein selbst entwickeltes Modell stolz in den Händen. Etwa 30 Interessenten aus dem In- und Ausland, auch aus der Schweiz und sogar aus Dubai, haben bereits nachgefragt.

In Deutschland gibt es etwa 15 bis 20 Hersteller von Hausbooten mit einer Jahres-Gesamtproduktion von insgesamt vielleicht etwa 50 Booten“, schätzt Torsten Moench, Chefredakteur des Magazins „Boote“. Exakte Zahlen hat auch der Deutsche Boots- und Schiffbauer-Verband (DBSV) in Hamburg nicht. Es handele sich meist um kleine Anbieter, die die Komplexität eines Hausboot-Baus und die zu beachtenden Normen unterschätzten und schnell wieder vom Markt verschwänden, sagt Claus-Ehlert Meyer vom DBSV. Hafner sei aber einer der führenden Hausboot-Konstrukteure in Deutschland, und die fast 100 Jahre bestehende Rathje-Werft habe das Know-how für den Bootsbau.

Boote dürfen auch in küstennahe Gewässer

„Unsere Philosophie ist eindeutig: Das Hausboot muss ganzjährig bewohnbar sein und jeden Wohnkomfort bieten“, sagt Hafner. „Und jedem muss zunächst der Unterschied klar sein, ob es sich um ein fahrfähiges Hausboot handelt oder quasi um ein „schwimmendes Haus“.

Die Neuentwicklung darf nicht nur auf Binnengewässern und Kanälen fahren, sondern auch auf küstennahen Gewässern. „Bis zu zwei Meter hohe Wellen und Windstärke sechs kann das Boot ab“, sagt Hafner. Angetrieben wird es von zwei 55-KW-Elektromotoren. Antriebseinheit, Akku und Motoren werden normalerweise außerhalb des Wassers gelagert, können aber in wenigen Minuten auf Wunsch des Eigners von der Werft eingehängt werden. Das 18,92 Meter lange und 6,52 Meter breite Hausboot verfügt zudem über eigene Solarzellen. Die Hausboote der Rathje Werft soll es ab 400.000 Euro geben.

Reichweite beträgt bis zu 40 Seemeilen

„Theoretisch können Sie mit Pausen von Kiel nach Fehmarn fahren, die Reichweite der Batterien beträgt bis zu 40 Seemeilen – abhängig von Wind und Seegang“, sagt Hafner. „Aber das Hausboot ist natürlich mehr eine Wohn- und Lebensform als eine Yacht.“ Und so bietet das Boot 90 Quadratmeter Wohnfläche: zwei Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad mit Dusche und WC, Einbauküche, je eine Terrasse im Erd- und Obergeschoss von 17 und 78 Quadratmetern. Das Boot hat 0,90 Meter Tiefgang, die Durchfahrtshöhe beträgt 4,50 Meter. 2000 Liter Frischwasser sind an Bord, „das reicht nicht nur fürs Duschen“, so der Ingenieur.

Was spricht fürs Wohnen auf dem Wasser? „Es ist zunächst einmal eine Reduktion auf das Wesentliche“, sagt Hafner. „Und die direkte Nähe zum Wasser.“ Urlaubsfahrten seien möglich oder ein Umzug in eine andere Gegend. Seit zehn Jahren widmet sich der Kon­strukteur dem Thema Hausboot. Er ist auch Mitinitiator der Hausboot-Konferenz, die am 25. Oktober mit etwa 100 Fachleuten wieder in Hamburg stattfindet – natürlich auf einem Hausboot.

Zu den Referenten gehört Juliane Behnert vom Hamburger Architekturbüro tun-architektur. Mit ihrer Masterarbeit gewann die gebürtige Eckernförderin 2017 einen Innovationspreis: Sie entwarf ein mehrgeschossiges Hausboot für mehrere Generationen in Modularbauweise samt Innenhof und Fahrstuhl. Für eine Stadt wie Hamburg hält sie diesen Entwurf für zukunftsfähig. Besonders in Metropolen, wo Wohnraum oft Luxus sei, gebe es viele Entwürfe zum Wohnen auf dem Wasser, sagt Behnert.