Historische Zugfahrt

Wie in den Goldenen Zwanzigern von Hamburg nach Sylt fahren

Der „Rasende Roland“ fährt ausgesprochen gemütlich auf Rügen – für viele ist er schon Grund genug, die Insel zu besuchen

Der „Rasende Roland“ fährt ausgesprochen gemütlich auf Rügen – für viele ist er schon Grund genug, die Insel zu besuchen

Foto: picture alliance

Nach Westerland geht's nun auch in der Dampflokomotive. Im Norden gibt es noch mehr lohnende historische Zugfahrten.

Hamburg.  Mit Volldampf geht es nostalgisch durch Frühling und Sommer. Fast überall in Norddeutschland gibt es engagierte Vereine und Veranstalter, die alte Lokomotiven und Waggons reparieren und fahrtüchtig halten, damit Touristen auf ihren Touren nach Sylt oder durch die Heide viel erleben können.

Die „Goldenen Zwanziger“ kehren zurück, wenn an einem hoffentlich schönen Julitag die Dampflokomotive 78468 nach Westerland schnauft. Die Museumslok wurde im Jahr 1924 gebaut, wird mit Steinkohle befeuert und macht am 28. Juli allen anderen Bahnanbietern auf der Strecke von Hamburg nach Sylt ein bisschen Konkurrenz. Nur an diesem Tag gibt es die Möglichkeit, mit dem Nostalgie-Sonderzug nach Sylt und in der Nacht wieder zurückzufahren. Abendblatt-Leser können dabei sein.

Los geht’s um 6.40 Uhr in Buchholz (Nordheide), am Hamburger Hauptbahnhof um 7.20 Uhr. Nach weiteren Zwischenstationen in Pinneberg und Heide trifft der Nostalgie-Zug um 13.05 Uhr in Westerland auf Sylt ein. Acht Stunden später stehen die Signale wieder auf Grün für die Rückkehr über den Hindenburgdamm auf das Festland. Um 1.46 Uhr sollen die Passagiere auf dem Hamburger Hauptbahnhof ankommen, 2.24 Uhr endet die Fahrt in Buchholz. Gute Nacht!

Die Dampflok der früheren Deutschen Reichsbahn ist bis zu 100 Stundenkilometer schnell und war nach ihrer Einsatzzeit im Ruhrgebiet ab Mitte der 1960er-Jahre im Großraum Hamburg im Nahverkehr unterwegs. Inzwischen lockt sie jedes Jahr zahlreiche Nostalgie- und Eisbahnfans bei Ausstellungen und Sonderfahrten an. Die betagte Lady wird bei der einmaligen Syltfahrt am Zugschluss von der Diesellok V160 002 („Lollo“) unterstützt, ebenfalls ein Hamburger Original. Zwar lassen die historischen Waggons aus den 1920er- bis 1950er-Jahren den Komfort der modernen ICE-Züge vermissen. Dafür lassen sich aber bequem die Fenster öffnen.

Die Fahrgäste können zwischen drei Klassen wählen: Holzklasse, Leichtpolster und Stoffpolster. Außerdem gibt es eine gastronomische Versorgung an Bord. Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft Nostalgiezugreisen GmbH mit Sitz in Mühlheim an der Ruhr.

Angeboten werden für den Sylt-Aufenthalt zusätzlich eine Inselrundfahrt und ein Schiffstörn zu den Seehunden. Die Zugpreise sind abhängig vom Abfahrtsort. Sie liegen in der Holzklasse bei Einstieg zwischen Buchholz und Glückstadt bei 79 Euro für Erwachsene.
Weitere Informationen 02041-348 46 68. Bei Buchungen von Abendblatt-Lesern: Stichwort „Hamburger Abendblatt“ angeben.

Mitten durch Wälder und Wiesen führt der Heide-Express. Mit mehr als 60 Jahre alten Triebwagen geht es ab dem 6. Mai ganz gemütlich von Lüneburg nach Bleckede. Dann nämlich beginnt die neue Saison. Der Heide-Express verfügt über mehrere Diesel-Lokomotiven; das älteste Exemplar wurde 1941 gebaut. Unterwegs sind Zu- und Ausstiege in Erbstorf, Scharnebeck, Rullstorf, Boltersen, Neetze und Neu Neetze möglich. In Bleckede laden das „Biosphaerium“, eine Biberanlage und ein Aussichtsturm zum Verweilen ein. Fahrkarten für die Gesamtstrecke kosten 13 Euro für Erwachsene und 6,50 Euro für Kinder. Familien (2 Erwachsene und bis zu 3 Kinder) zahlen 29 Euro. Teilstreckenpreise sind günstiger. Fahrkarten erhalten die Gäste beim Schaffner im Zug. Der Zug verkehrt an ausgewählten Tagen im Monat.

Weitere Informationen: Tel. 04131-85 18 01 (Anrufbeantworter) oder Kooperationspartner in Bleckede, Biosphaerium Elbtalaue
Tel. 05852-95 14 14.

Während der Heide-Express nicht täglich unterwegs ist, dampft der „Rasende Roland“ auf Rügen jeden Tag von 8 bis 20 Uhr über die Insel. Die historische Schmalspurbahn hat eine Spurweite von 750 Millimetern und tuckert dampfbetrieben mit 30 Kilometern in der Stunde durch den landschaftlich reizvollen Südosten der Insel Rügen. Für die Strecke von Putbus nach Göhren mit einer Länge von 24,2 Kilometern benötigt der „Rasende Roland“ eine gute Stunde und bietet während der beschaulichen Fahrt Eisenbahn­romantik pur.

Am 26. und 27. Mai feiert die Rügensche BäderBahn in Putbus ein großes Bahnhofsfest. Ein besonderer Höhepunkt ist die Ankunft des Sonderzuges aus Sachsen über Chemnitz, Leipzig und Berlin mit der Schnellzugdampflok 01 509. In diesem Jahr sind dort erstmals Schlaf- und Liegewagen eingereiht. „Vorbeikommen lohnt sich. Es ist für jeden was dabei“, sagte ein Sprecher der Rügenschen BäderBahn.

Weitere Informationen zu den Fahrplänen und Preisen: http://ruegensche-baederbahn.de/fahrplaene.html