Neustadt/Pelzerhaken

Frischer Wind im Surferparadies Pelzerhaken

Wo einst das 99 Jahre alte Hotel Eos in Pelzerhaken stand, lockt jetzt das Hotel Strandkind junge Familien an. Für die Kinderbetreuung wird gesorgt

Wo einst das 99 Jahre alte Hotel Eos in Pelzerhaken stand, lockt jetzt das Hotel Strandkind junge Familien an. Für die Kinderbetreuung wird gesorgt

Foto: Roland Magunia / HA

Den Norden neu entdecken,Teil 3: Auch im benachbarten Neustadt entstehen neue Unterkünfte und der Hafen wird umgestaltet.

Neustadt/Pelzerhaken.  Olaf Iskra muss nicht lange nachdenken: „Im August 2016 haben wir das alte Hotel abgerissen. Und im Juni 2017 kam der erste Gast. Diese Zeitspanne ist wie ’ne gute Schwangerschaft.“ Während draußen noch Bagger im Erdreich wühlen, machen es sich die ersten Feriengäste im neuen Pelzerhakener 4-Sterne-Hotel „Strandkind“ gemütlich. Es sind Zimmer mit Meerblick. Geschäftsführer Iskra läuft über das Gelände und drückt aufs Tempo, damit auch der Rest pünktlich fertig wird. „Denn wir werden von Buchungen überrannt.“

Pelzerhaken? Wer vor 15 Jahren statt in Timmendorf versehentlich in Neustadt (Holstein) und Pelzerhaken landete, wird die beiden Ostseebäder an der Lübecker Bucht kaum wiedererkennen. Ein frischer Wind weht im Surferparadies Pelzerhaken und in Neustadt mit seinen 17.000 Einwohnern. Hotels mit modernen Konzepten locken junge Familien an, drei Yachthäfen und die Fünf-Sterne-Ancora-Marina mit ihren 1400 Liegeplätzen prägen das maritime Antlitz der bezaubernden Hafenstadt, die einst auf Fischerei, Schifffahrt und Güterumschlag setzte.

Tourismus boomt

Frank Behrens, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein: „Der Tourismus in Schleswig-Holstein erlebt gerade eine nie da gewesene Wachstumsphase. Neustadt und Pelzerhaken haben mit ihren Investitionen die richtigen Antworten gefunden.“

5,5 Millionen Euro hat das Hotelierpaar Olaf und Andrea Iskra in ihr Strandkind (120 Betten, 41 Zimmer) investiert. Dafür musste das 99 Jahre alte Vorgänger-Hotel Eos weichen, das den Namen der griechischen Göttin für die Morgenröte trug.

Iskra führt die neuen Gäste gemeinsam mit Gastronomie-Chefin Victoria Ganter durch das Haus, das komplett aus natürlichen Materialen gebaut wurde. „Bei uns ist Nachhaltigkeit das Grundkonzept – vom Bau bis zum Blockheizkraftwerk“, sagt der Hotelier und verweist auf einen kleinen BMW, der auf dem Hotelparkplatz steht. „Ein E-Mobil für die Gäste.“

Vor allem für Familien interessant

Vor allem Familien will das Strandkind anlocken. Dafür wurde eigens eine Kinderbetreuung und ein Outdoor-
Guide engagiert, der etwas von Floßbau und Lagerfeuerromantik versteht. Die Gäste werden übrigens geduzt. „Unsere Duz-Kultur“, sagt Olaf Iskra, „schafft Nähe und Gemeinschaft.“

Einige Kilometer von Pelzerhaken entfernt sitzen in „Klüvers Brauhaus“ Jaqueline Felsmann vom Ostsee-Holstein-Tourismus und Vera Kremer vom Tourismus-Service Neustadt. Während die Urlauber auf der Neustädter Promenade zum Strand flanieren, schwärmen sie davon, wie sich der Tourismus an der Bucht immer mehr verändert. „Pelzerhaken ist ganz jung, und Neustadt spricht inzwischen alle Generationen an“, sagt Felsmann.

Die Übernachtungszahlen belegen den Boom. Nach Angaben der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein sind sie in Neustadt von 163.400 im Jahr 2012 auf 186.600 (2016) gestiegen. In der Nebensaison gibt es Zuwächse um 14 Prozent. Weil neue Hotelanlagen wie die im hawaiianischen Stil gebaute „Kailua Lodge“ entstanden sind, kommen auch mehr Gäste. Derweil nimmt an der Ancora-Marina ein weiteres Hotel Gestalt an. Das 4-Sterne-Haus Arborea (124 Zimmer) wird mit einer Investitionssumme von 22 Millionen Euro gebaut. Neben Komfort will es auch Gemeinschaftserlebnisse, Sport, Natur und Entspannung bieten. Wer hier Urlaub macht, darf sich auf Animation freuen.

Die beiden Touristikerinnen blicken vom Brauhaus auf zwei imposante Türme auf der anderen Seite des Hafens. Es sind zwei alte Getreidespeicher, die symbolisch für den neuen Aufbruch stehen dürften. Denn die Neustädter Kommune plant, die Hafenwestseite komplett umzugestalten. Vorgesehen ist ein Hafenquartier, das Wohnen, Kultur, Gewerbe, Freizeit und Tourismus umfasst – als „Identifikationspunkt mit der Stadt“.

Wo einst der Vater von Modezar Karl Lagerfeld als Geschäftsführer der Marke „Glücksklee“ arbeitete, dürften bald Hotels und Wohnungen entstehen. Und weitere Gäste an die Ostseebäder locken.