Lebensmittel

Niederegger bringt Eis in die Supermärkte

Sie führen Niederegger in der achten Generation: Theresa Mehrens-Strait
(l.) und Antonie Strait sind im vergangenen Jahr in die Geschäftsführung des Marzipanherstellers eingeschert

Sie führen Niederegger in der achten Generation: Theresa Mehrens-Strait (l.) und Antonie Strait sind im vergangenen Jahr in die Geschäftsführung des Marzipanherstellers eingeschert

Foto: picture alliance / dpa

Traditionshersteller geht mit der Sorte Marzipan an den Start. Neue Produktionshalle in Lübeck soll im Sommer fertig sein.

Hamburg.  Zu den Sehenswürdigkeiten Lübecks zählt das 211 Jahre alte Café Niederegger in der Innenstadt. Im Laden im Erdgeschoss gibt es Marzipan als Brote, Pralinen oder in Form von Äpfeln, Fischen und des Stadtwahrzeichens Holstentor. Die Nusstorte gehört bei den Kunden zu den gefragten Klassikern im Sitzbereich in der ersten Etage. Und im zweiten Stockwerk können sich Interessierte im Museum über die Geschichte des Marzipans informieren. Wenn es nach der Firmenspitze geht, könnte die Historie bald gerne um ein weiteres Erfolgskapitel ergänzt werden.

Neben Marzipan verkauft das Familienunternehmen im Café seit Jahrzehnten Eis. Die Rezepte für alle verschiedenen Sorten wurden in der eigenen Backstube entwickelt, anschließend bei einem Eishersteller produziert und in dem Geschäft an der Breiten Straße verkauft. „Marzipan ist bei uns traditionell die beliebteste Eissorte im Café“, sagt Geschäftsführerin Theresa Mehrens-Strait dem Abendblatt: „Deswegen starten wir jetzt den Testlauf und bringen das Eis deutschlandweit in Edeka-Märkte.“ Das Rezept kommt von Niederegger, produziert wird die Eiscreme aber von einer Drittfirma.

Verkauf von Marzipan ist schwieriges Geschäft

Den Becher, der ähnlich designt ist wie die hochpreisige Eiscreme von Häagen Dazs und Ben & Jerry’s, gibt es in zwei Größen. Mit 100 Millilitern als schnellen Snack zwischendurch (unverbindliche Preisempfehlung zwei Euro) und mit 500 Millilitern (4,99 Euro) für die Tiefkühltruhe und den Verzehr zu Hause. Mehrens-Strait: „Ab dem Frühjahr 2018 soll das Eis dauerhaft im Lebensmittelhandel erhältlich sein.“

Der Verkauf von Marzipan ist aus drei Gründen ein schwieriges Geschäft. Zum einen gibt es eine Abhängigkeit von der Entwicklung der Rohstoffpreise. Fallen zum Beispiel wetterbedingt große Teile der Mandelernte aus, steigen die Preise und drücken die Marge. Weil die Lübecker auf eine Preiserhöhung verzichtet hatten, drohten 2015 sogar erstmals rote Zahlen, hatte Firmenchef Holger Strait 2015 dem Abendblatt gesagt.

Finanziell auf gesunden Beinen

Das sei aber abgewendet worden, hieß es nun von der Firma, die sich normalerweise gar nicht zu Umsatz und Gewinn äußert. Man stehe finanziell auf gesunden Beinen, sagte eine Sprecherin. Zweitens ist der Marzipanabsatz saisongetrieben. Niederegger verkauft 60 Prozent der Ware zu Weihnachten und 30 Prozent zu Ostern. Für den Rest des Jahres bleibt entsprechend Luft nach oben. Drittens stagniert der Markt. Wachstum ist fast nur durch Verdrängung möglich – oder neue Produkte.

So feierte im vergangenen Jahr die Linie Männersache ihr Debüt. Beispielsweise gibt es ein Marzipanbrot in der Geschmacksrichtung salted cashew crunch, Espresso-Shot-Riegel und eine Vollmilch-Schokolade mit Marzipan, Apfelstückchen und Bourbon-Whiskey-Geschmack. Die Linie sei sehr gut angenommen worden, sagte die Sprecherin.

„Durch stetiges Wachstum und steigende Produktvielfalt, wie zum Beispiel das neue Trüffelsortiment und die Produktrange Männersache, ist eine Kapazitätserweiterung erforderlich“, sagte Antonie Strait. Sie führt seit Anfang des vergangenen Jahres das Unternehmen zusammen mit ihrer Schwester Theresa Mehrens-Strait und den Eltern Holger und Angelika Strait-Binder.

Mit den Schwestern, die Ende 30 sind, schert die achte Generation der Familie in das Unternehmen ein, das Georg Niederegger 1806 gegründet hat. Seit vergangenem Sommer lässt das Unternehmen an der Zeißstraße im Gewerbegebiet Genin eine neue Halle mit insgesamt 3000 Quadratmetern neuer Produktionsfläche bauen. Der Bau ist nun abgeschlossen, die Leitungen sind verlegt. Anfang Mai sollen die Maschinen geliefert und montiert werden. Ab Sommer werden dort die weltbekannten roten Marzipan-Herzen verpackt.

Arbeitsplätze sichern

Mit der Investition in nicht genannter Höhe sichere man langfristig die 500 Arbeitsplätze in Lübeck, hieß es. In der Hochsaison von August bis Februar sind zudem 200 Saisonkräfte beschäftigt. Dann werden in der Spitze bis zu 30 Tonnen Marzipanrohmasse pro Tag hergestellt. Es werden mehr als 300 verschiedene Produkte in rund 40 Länder auf allen fünf Kontinenten verkauft – von Australien über China bis in die USA.

Zu den wichtigste Märkten zählen Skandinavien und England. Mit Abstand die Nummer eins ist aber Deutschland. Und das Eis soll den Absatz weiter ankurbeln. Niederegger geht damit übrigens den umgekehrten Weg von Magnum. Die Eismarke gibt es seit einiger Zeit auch als Schokolade.