Biike

Nordfriesen vertreiben den Winter mit lodernden Flammen

Besucher stehen an dem traditionellen Biikefeuer bei Husum

Besucher stehen an dem traditionellen Biikefeuer bei Husum

Foto: dpa

Die heißen Flammen der Biike-Feuer stiegen am Dienstagabend an mehr als 50 Stellen an Schleswig-Holsteins Nordseeküste.

St. Peter-Ording.  Mehrere tausend Menschen haben am Dienstag in Nordfriesland die „ Geister des Winters“ verabschiedet. Die heißen Flammen der Biike-Feuer loderten an mehr als 50 Stellen an Schleswig-Holsteins Nordsee-Küste sowie auf den nordfriesischen Inseln und Halligen.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) würdigte die Bedeutung der Biike für das kulturelle Leben des gesamten Landes. Es erinnere daran, wie vielfältig das kulturelles Erbe in Schleswig-Holstein sei, sagte er. Dazu gehöre auch die jahrhundertealte Tradition der Biike-Feuer in Nordfriesland. Seit Dezember 2014 ist das friesische „Nationalfest“ immaterielles Kulturerbe Deutschlands. Ursprünglich war die Biike – das sylter-friesische Wort für „Feuerzeichen“ - ein heidnisches Fest.

Opferbrand soll Odin gnädig stimmen

Schon vor 2000 Jahren sollte der Opferbrand den germanischen Gott Odin gnädig stimmen und dazu bewegen, die eisige Jahreszeit zu beenden. Die Feuer leuchteten jedoch auch nach der Christianisierung weiter: Seit dem 17. Jahrhundert verabschiedeten die Biike die Walfänger, die nach dem langen Winter zu ihrer lebensgefährlichen Fangsaison ausliefen. Seit dem 19. Jahrhundert wird das Biike in der Nacht zum 22. Februar gefeiert. Es gehört zu den wichtigsten Volksfesten des Nordens.

Während die Biike früher irgendwo entlang der Strände oder hoch oben auf einer Düne loderten, werden die Feuerstellen heute in Absprache mit der Nationalparkverwaltung festgelegt, wie eine Sprecherin der Tourismuszentrale St. Peter-Ording sagte. Damit sei sichergestellt, dass Umwelt und Tiere ungestört bleiben. Mitarbeiter des Bauhofs hatten schon seit Winterbeginn Holz gesammelt: Angestrandete Bretter und Balken, alte Weihnachtsbäume, aber auch Schnitt und Bruchholz aus den Wäldern der Gemeinde, das vom Seewind trocken gepustet wurde. Rund hundert Kubikmeter sind es den Angaben zufolge in St. Peter-Ording jedes Jahr. Nach dem Biike trafen sich die Gäste zum Traditionsgericht der Biike: Deftiger Grünkohl mit karamelisierten Kartoffeln, Kassler, geräuchertes Bauchfleisch und Kochwurst.

An der Ostseeküste lodern Fasching die Strandfeuer

Das Biikebrennen wird in Nordfriesland traditionell am 21. Februar gefeiert. An der Ostseeküste findet das Spektakel dagegen immer am Faschingswochenende statt. „Bei uns heißt das nicht Biikebrennen, sondern Strandfeuer“, sagte Jacqueline Felsmann vom Ostsee-Holstein-Tourismus. In Grömitz, Dahme und Kellenhusen sollen die Feuer am 25. Februar lodern.

Eine Variante des Biikebrennens ist das „Beach Dining“ am 25. Februar am Timmendorfer Strand. Kurzurlauber können in beheizten Zelten am Strand gehobene Küche und feine Weine genießen. „Wir wollen ein Pendant zur Westküste schaffen, um die Winterzeit touristisch zu beleben, aber das Biikebrennen nicht einfach kopieren“, sagte Timmendorfs Tourismuschef Joachim Nitz.

In Tetenbüll (Kreis Nordfriesland) musste das Biikebrennen abgesagt werden. Dazu hatte sich die Feuerwehr aufgrund von Personalmangel entschlossen.