Sylt

Wie Flüchtlinge zu Hotelfachleuten werden

Die Nordseeinsel Sylt

Die Nordseeinsel Sylt

Foto: Imago

Initiative bringt Zuwanderer auf Sylt in Ausbildung – und verschafft der Tourismusbranche so Fachkräfte.

Sylt.  Salih Shekhan stammt aus Afghanistan. Doch Sylt ist ihm längst nicht mehr fremd. Seit einem Jahr lässt sich der 26-Jährige im Benen-Diken-Hof in Keitum zum Restaurantfachmann ausbilden. Zuvor hatte der Flüchtling bereits als Aushilfe in dem Hotel gearbeitet und so erste Erfahrungen im Sylter Arbeitsleben gesammelt.

Noch ist er der einzige Azubi auf der Nordseeinsel, der zuvor aus einem Krisengebiet geflohen war. Doch das wird sich mit dem Pilotprojekt „Festmachen auf Sylt“ ändern. Im Rahmen des Programms hat jetzt der Syrer Khabat K. als ein weiterer Azubi seinen Vertrag unterzeichnet. Er wird ab September seine Ausbildung zum Hotelfachmann beginnen.

Dauerhaft auf Sylt integrieren

Geflüchtete Menschen in Ausbildung bringen, sie dauerhaft auf Sylt integrieren und ihnen so eine Perspektive bieten – das sind die Ziele des Ausbildungsprojekts „Festmachen auf Sylt“. Aus Sicht von Bürgermeister Nikolas Häckel „ein echtes Leuchtturm-Projekt, zur Nachahmung empfohlen“. Im Herbst 2016 ist das bundesweit bislang einzige Vorhaben dieser Art angelaufen, das auf Sylt auch noch dazu dient, dem Fachkräftemangel in der Gastronomie abzuhelfen.

Ende Januar ging die erste Phase des Projekts zu Ende, bei der es vor allem um die Deutsch-Qualifizierung sowie um Fachvokabular im Gastgewerbe ging. Die erste Hürde haben nicht alle genommen. „Einige sind bereits wieder ausgeschieden. Teils auf eigenen Wunsch, teils, weil die Sprachkenntnisse nicht ausreichten“, erklärt Danica Jansen vom Verein Integrationshilfe Sylt.

Quereinsteiger vom Festland

Weil das Programm jedoch ein offenes System ist, sind bereits drei Quereinsteiger vom Festland nachgerückt, sagt Catharina Nies, Referentin für Flüchtlingsfragen der IHK in Flensburg. „16 Teilnehmer haben inzwischen ihre Praktika in den Betrieben absolviert und gehen voraussichtlich mit den drei Quereinsteigern in die nächste Projektphase“, so Nies.

Der für die Praktika verantwortliche Projektleiter Gunnar Schröder von der Bildungsschmiede in Flensburg zieht ein positives Fazit. „Die Teilnehmer sind sehr gut in den Betrieben aufgenommen worden. Die Motivation und der Arbeitswille der künftigen Azubis ist sehr hoch, weil es freiwillig und keine zugewiesene Maßnahme ist, hier mitzumachen“, so Schröder.

Insgesamt sind 18 Hotels involviert

Mehr als 50 Teilnehmer hatten sich für das Projekt beworben, rund 20 sind derzeit im Programm. Insgesamt sind 18 Hotels und Restaurantbetriebe involviert; zusammen stellen sie 33 Ausbildungsplätze – im Restaurant- oder Hotelfach oder als Koch.

Neben der Integration der Flüchtlinge soll das Programm auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Über 100 Stellen in der Hotelerie und Gastronomie sind permanent unbesetzt, in der Spitze der Hochsaison noch deutlich mehr“, sagt der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Sylt, Claas-Erik Johannsen, Inhaber des Benen-Diken-Hofs, der von einer „Win-Win-Situation spricht.

Besondere Anforderungen der Ausbildung

Er weiß aber auch um die besonderen Anforderungen in der Ausbildung von Flüchtlingen – angefangen bei der Sprache über kulturbedingte Missverständnisse hin zu Stimmungs- und Leistungsschwankungen aufgrund von Flucht-Traumata. Daher werden die Ausbildungsbetriebe während des Programms von interkulturellen Trainern gecoacht.