Pinneberg

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“

600 Euro sind mit der Gala „Künstler gegen Rechtsextremismus“ zu Gunsten von Hilfsprojekten eingenommen worden

600 Euro sind mit der Gala „Künstler gegen Rechtsextremismus“ zu Gunsten von Hilfsprojekten eingenommen worden

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Auftaktveranstaltung in der Drostei. Künstler gegen Rechtsextremismus thematisieren Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

Pinneberg.  „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“ Diesen Satz von Ingeborg Bachmann stellte Nikola Anne Mehlhorn in den Mittelpunkt der Veranstaltung „Künstler gegen Rechtsextremismus“, den die Schriftstellerin mit dem Komponisten Peter Heeren in der Drostei organisiert hatte. Zweieinhalb Stunden Poesie, Musik, Konzeptkunst und Berichte waren zu hören und zu sehen. „Freiheit und Demokratie bleiben nicht von allein“, sagte die Schirmherrin der Veranstaltung, die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies, zu Beginn und bat die etwa 40 Zuhörer: „Öffnen Sie ihre Herzen.“

Nikola Anne Mehlhorn trug einen surrealen Text aus ihrem Roman „Sternwerdungssage“ vor. Darin bedarf es nur eines Satzes, um die Stimmung in einem Seniorenheim kippen zu lassen, und Vergessen geglaubter Nationalismus sowie Judenfeindlichkeit kommen zum Vorschein. Verena Rabe verbindet in ihren zumeist in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft angesiedelten Romanen historische Ereignisse mit der Darstellung persönlicher Schicksale. Die Hamburgerin las aus ihrem Roman „Charlottes Rückkehr“, der vor dem Hintergrund der Transporte jüdischer Kinder aus Deutschland nach England angelegt ist.

Erik Arellana Bautista schilderte seine Eindrücke vom alltäglichen Nationalismus und der Fremdenfeindlichkeit in Deutschland. Er ist Schriftsteller, Dokumentarfilmer und kolumbianischer Menschenrechtsaktivist. Seine Mutter wurde 1987 von Paramilitärs entführt und ermordet. Er musste fliehen, lebte zehn Jahre in Deutschland und arbeitet derzeit als Stipendiat des Autorenverbandes P.E.N in Hamburg.

Bautista erzählte von Menschen, die mit Tätowierungen und T-Shirt-Aufdrucken nationalistische und ausländerfeindliche Gesinnung kund tun, schilderte Beschimpfungen und Bedrohungen gegen sich und seine Familie. Zur Illustration war das Bild eines stiernackigen kahlgeschorenen Mannes zu sehen, der sich seine politischen Ansichten hatte eintätowieren lassen.

Peter Heeren sorgte am Klavier zwischen den Beiträgen für eine fast meditative Stimmung. Er spielte Werke von Hassler, Buxtehude sowie Eigenkompostionen, verband damit alte und neue Musik. Von Arne Lösekann, Kulturpreisträger des Kreises Pinneberg wie Nikola Anne Mehlhorn, war eine surreale Videoarbeit über die Entstehung von Nationalismus zu sehen.

600 Euro sind mit der Gala zu Gunsten von Hilfsprojekten eingenommen worden. Denise Low stellte „Die Burg – Frischlinge“ in Elmshorn-Hainholz vor. 90 Prozent der Kinder, die vom Verein betreut werden, kämen aus Afrika, sagte die Vorsitzende: „Rassismus gehört zu unserer tägliche Arbeit.“ Unterstützt wird ferner die Hilfsorganisation „SOS Méditerranée“. Erst 2015 gegründet, konnten so viele Spendengelder gesammelt werden, dass bereits der erste Rettungseinsatz vor Lampedusa gestartet wurde. Weitere Veranstaltungen von Künstler gegen Rechtsextremismus sind im Mai in Itzehoe, Marne und Lübeck geplant.