Hells Angels

Großrazzia in Norddeutschland: Zwei Rocker in Haft

250 Polizisten durchsuchen Wohnungen und Treffpunkte der Hells Angels in ganz Norddeutschland. Zwei Rocker in Hamburg verhaftet.

Hamburg/Bremen.  Harter Schlag der Polizei gegen die Hells Angels: Am Dienstagmorgen durchsuchten rund 250 Beamte im Auftrag der Soko „Rocker“ in ganz Norddeutschland Wohnungen und Treffpunkte der „Höllenengel“ des Charters Southport, in dem Hamburger Mitglieder der in der Hansestadt verbotenen Hells Angels organisiert sind. Es war die Stunde der Sondereinsatzkommandos. Spezialeinheiten aus fünf Bundesländern beteiligten sich an dem Einsatz. In Hamburg verhafteten Beamte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) zwei Rocker, darunter einen der führenden Köpfe der Hells Angels in der Hansestadt, Dariusch F., 35. Sie sollen an dem versuchten Tötungsdelikt beteiligt gewesen sein, bei dem kurz vor Jahreswechsel nahe der Reeperbahn auf ein Taxi geschossen wurde, in das Rocker der verfeindeten Gruppierung Mongols vor Hells Angels geflüchtet waren.

Um 6 Uhr griff die Polizei zu. Zeitgleich vollstreckten Beamte 20 Durchsuchungsbeschlüsse in Schleswig-Holstein, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen und Hamburg. In der HafenCity stürmten schwer bewaffnete MEK-Beamte an der Koreastraße gegenüber dem Maritimen Museum eine Wohnung. Dort residiert Dariusch F. Der 35-Jährige ist „Sergeant at Arms“ bei dem Hamburger Charter des weltweit in 32 Ländern vertretenen Rocker-Clubs – also derjenige, der für die Bewaffnung und Sicherheit zuständig ist. Er ist der dritte Mann in der Rangordnung gleich hinter dem Präsidenten und Vize-Präsidenten. Gestern ließ er sich widerstandslos festnehmen. Zur gleichen Zeit klickten im Lunapark in Altona für Fatih K. die Handschellen. Der ebenfalls 35-jährige, der als Anwärter für eine Vollmitgliedschaft bei den Hells Angels gilt, wurde vom Hamburger MEK überwältigt, das an diesem Morgen mit fünf Gruppen im Einsatz war.

Keine scharfen Waffen gefunden – Rocker rechneten offenbar mit Razzia

Auf der Reeperbahn durchsuchten Beamte einen Friseursalon. Dariusch F., der Mann mit der Glatze, so heißt es in der Rockerszene, hat mehrere Beteiligungen in der Haarschneide-Branche. Außerdem durchsuchten Polizisten das Café Champions in der Silbersackstraße. Es gilt als der Treffpunkt der Hells Angels auf dem Kiez. In den vergangenen Wochen hatten dort bereits mehrere Razzien stattgefunden. In Berlin und Rostock durchsuchte die Polizei jeweils eine, in Bremen drei Wohnungen. Alle stehen in Verbindung mit den Hells Angels des Charters Southport. In Bremen wurde außerdem eine Werkstatt durchsucht.

In Sottrum nahe Rotenburg an der Wümme und dem nahen Hassendorf wurden ebenfalls Wohnungen, in Barsinghausen bei Hannover dazu ein Tattoo-Studio, durchsucht. Die Polizei war mit ihren Spezialeinheiten sowie mit einem Sprengmeister und mehreren Hundeführern im Einsatz. Offenbar rechnete die Einsatzleitung damit, dass scharfe Schusswaffen und Munition gefunden werden würden. Das bestätigte sich nicht. Lediglich ein paar Gaspistolen und Schlag- und Stichwaffen konnten die Beamten sicherstellen. Ob ein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliegt, wird noch geprüft. „Darüber hinaus wurden umfangreiche Beweismittel und Datenträger sichergestellt. Die Auswertung hierzu dauert an“, sagt Polizeisprecher Jörg Schröder. Dass keine scharfen Waffen gefunden wurde, sieht die Polizei als Hinweis dafür, dass die Rocker nach den Razzien der vergangenen Wochen mit weiteren Aktionen der Polizei gerechnet hatten.

Welche konkrete Beteiligung die Staatsanwaltschaft den beiden verhafteten Männern an der Schießerei Ende Dezember vorwirft, blieb geheim. Sicher ist, dass der Zugriff nicht das Ende der Ermittlungen in dem Fall sein wird. „Man geht davon aus, dass es mehr als zwei Personen waren, die auf Täterseite an der Schießerei beteiligt waren“, sagt ein Beamter.

Am 28. Dezember gegen 22 Uhr waren an der Holstenstraße kurz vor der Ecke Reeperbahn sieben Schüsse auf ein Taxi abgegeben worden, die die Karosserie des Fahrzeugs durchschlugen. Die Kugeln galten drei Mongols, die sich kurz zuvor im Schweinske auf der Reeperbahn mit anderen Mitgliedern der Gruppe getroffen hatten. Die beiden Mongol-Rocker Aleks M., 28, und Hidayet G., 26, erlitten Verletzungen. Der Präsident der Hamburger Mongols, Kevin S., 27, und der Taxifahrer, 46, blieben unverletzt. Die Polizei hatte im Anschluss zwölf Männer aus dem Umfeld der Hells Angels festgenommen. Alle schwiegen in ihren Vernehmungen. Sie mussten später mangels konkreten Tatverdachts wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Jetzt ist es anders. Die beiden Haftbefehle wurden aufgrund der Ermittlungsergebnisse der Soko „Rocker“ von auf organisierte Kriminalität spezialisierten Staatsanwälten erwirkt. Zwar schwiegen auch die am Dienstagmorgen verhafteten Rocker eisern. „Man kann jedoch davon ausgehen, dass sie in Untersuchungshaft bleiben“, so ein Beamter. Weitere Festnahmen sollen folgen.