Technische Denkmäler

Mühlentag lockt Tausende Besucher im Norden

Schon am Morgen standen Besucher Schlange. Auch Hamburgs größte Holländermühle und Schleswig-Holsteins älteste Windmühle waren dabei.

Hamburg/Kiel. Am 22. Deutschen Mühlentag haben die teils jahrhundertealten Gebäude auch im Norden zahlreiche Besucher angelockt. Mancherorts bildeten sich am Pfingstmontag schon vor dem Start lange Warteschlangen - Tausende Besucher waren in Schleswig-Holstein und Hamburg erwartet worden. Mit Ausstellungen, Führungen, Präsentationen und Verkostungen informierte die Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung über die historischen Bauwerke und das Müllerhandwerk.

„Die Besucher haben schon angestanden, als wir heute Morgen geöffnet haben“, sagt Hans-Georg Henningsen, Mühlenbetreuer der Buttermühle Langballig. „Seitdem haben wir die Bude voll“. In der wasserbetriebenen Buttermühle im Kreis Schleswig-Flensburg werde die ganze Zeit über „gebuttert und gebacken“. Viele Familien seien gekommen, um der jungen Generation die traditionellen Techniken wieder nahe zu bringen. Eine sich drehende Windmühle ziehe die Leute noch immer an, meinte Henningsen.

Bundesweit waren mehr als 1000 Mühlen dabei

Von dem wasserbetriebenen Hammerwerk im Industriemuseum Kupfermühle in Harrislee nahe der dänischen Grenze bis zur Windmühle „Glück Zu“ in Hamburg-Bergedorf wollten 55 der rund 120 noch erhaltenen Wind-, Wasser- und anderen historischen Mühlen im Norden ihren Besuchern einen Einblick in historische Techniken geben. Bundesweit sollten mehr als tausend Mühlen ihre Pforten öffnen.

Mühlen gelten als älteste Maschinen der Menschen. Mehr als 160 Anwendungsbereiche konnten bis heute nachgewiesen werden, erklärte der Präsident der Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung, Erhard Jahn. Neben der Verarbeitung von Getreide wurde mit Mühlen Holz gesägt, Öl gepresst und Wasser gepumpt. Sie trieben Schmiedehämmer an und wurden bei der Papierherstellung eingesetzt. „Mühlen sind die umweltfreundlichen Vorläufer unserer gesamten Technisierung“, betonte Jahn.

Mühlen haben Landschaftsbild über Jahrhunderte geprägt

Mühlen sind jedoch nicht nur technische Denkmäler, sondern haben auch das Landschaftsbild über die Jahrhunderte entscheidend geprägt. Auch Hamburgs Innenstadt erlaubt noch einen Blick zurück in die Geschichte der Mühlen: Außen- und Binnenalster sind nichts anderes als aufgestaute Mühlenteiche, und der Jungfernstieg ein ehemaliger Mühlendamm, wie der Hobby-Historiker und Mühlenexperte Guido Weinberger aus Lübeck erklärte.

In Hamburg stand unter anderem die Riepenburger Mühle - die größte und älteste Holländermühle der Hansestadt - auf dem Programm des Mühlentags. Die Mühle im Stadtteil Kirchwerder gehörte früher zur Riepenburg, einem befestigten Schloß am Elbdeich. Sie hat neben einem Mahlwerk für Getreide auch Hamburgs kleinste Ölmühle.

Die älteste Windmühle Schleswig-Holsteins steht auf Amrum: Die 1770/71 erbaute Windmühle diente zunächst als Graupen-, später als Getreidemühle. Die höchste Windmühle Schleswig-Holsteins steht in Kappeln: „Amanda“ hat 24 Meter Kappenhöhe und ein windbetriebenes Sägegatter. Beide Gebäude gehörten ebenfalls zum Mühlentagsprogramm wie die Schöpfmühle Honigfleth nahe Wilster an der Bundesstraße 5 - Deutschlands einzige funktionsfähige Kokermühle.