Neu in 2015

Asche von Toten darf in Bremen im Garten verstreut werden

Aber: Der Verstorbene muss es so gewollt haben, ein Totenfürsorger soll es überwachen – und es muss windstill sein. Die Bremer Regelung zu privaten Bestattungen empört viele.

Bremen. Letzte Ruhe auf eigenem Grund und Boden: Erstmals in Deutschland darf in Bremen mit dem Jahreswechsel die Asche eines verstorbenen Angehörigen in privaten Gärten verstreut werden.

Der Landtag hatte die Lockerung des Friedhofszwangs im November verabschiedet. Über die Gesetzesänderung der rot-grünen Regierungskoalition hatten die Parteien in Bremen monatelang gestritten. Kritik kam vor allem von der CDU und der Kirche. Ursprünglich sollten Angehörige die Urne mit der Totenasche auch mit nach Hause nehmen dürfen. Wegen rechtlicher Bedenken verwarf Rot-Grün diese Pläne aber.

Das kleinste Bundesland übernimmt damit unter Führung der rot-grünen Regierungskoalition eine Vorreiterrolle in Deutschland. Ähnliche Überlegungen gibt es in Baden-Württemberg und in Berlin.

Auch in Parks oder an Flüssen soll das Verstreuen der Totenasche mit einer Sondergenehmigung möglich sein. Allerdings wurde die Lockerung des Friedhofszwanges an eine Reihe von Bedingungen geknüpft.

Unter anderem muss der ausdrückliche Wille des Verstorbenen dazu schriftlich festgehalten sein. Außerdem soll eine Person zur „Totenfürsorge“ benannt werden, die darüber wacht, ob die wunschgemäße Bestattung tatsächlich eingehalten wird. Dabei müsse die Ehrfurcht vor den Toten beachtet werden, hieß es.

So soll etwa die Asche bei starkem Wind nicht verstreut werden, um zu verhindern, dass Reste auf benachbarte Grundstücke wehen. Der „Totenfürsorger“ soll am Ende eidesstattlich versichern, dass alles würdevoll abgelaufen ist.

Kritik kam von den Kirchen und der oppositionellen CDU. Die neue Regelung führe zu einer Privatisierung von Tod und Trauer, die die öffentliche Erinnerungskultur infrage stelle und der Würde Verstorbener nicht gerecht werde, hieß es.