Michelin-Führer

Sterne-Restaurants: Syltern sind die absolut schnuppe

Im Michelin-Führer für 2015 sind weniger Restaurants ausgezeichnet. Jörg Müller in Westerland verzichtet freiwillig. Und Schleswig-Holstein hat einen weiteren Stern verloren, Bremen bleibt weiter ohne Stern.

List/Travemünde. Da waren es nur noch neun. Sylt verliert einen seiner zehn Sterne im neuen Restaurantführer Michelin für 2015. Im nächsten Jahr werden sogar noch zwei weitere fehlen. Der Schwund hat allerdings nichts mit sinkender Qualität in der Küche zu tun. Altmeister Jörg Müller, der in Westerland ein gleichnamiges Restaurant betreibt und seit mehr als 30 Jahren mit einem Stern ausgezeichnet war, hat eine neuerliche Bewertung abgelehnt.

Die Begründung des Meisterkochs: „Das ist nicht nötig auf einer Ferieninsel.“ Im Restaurant La Mer im Hotel Grand Spa A-Rosa in List hat Küchenchef Sebastian Zier zwar seine zwei Sterne verteidigt, aber das La Mer wird Anfang 2015 geschlossen. Man freue sich zwar über die neuerliche Auszeichnung, aber diese Art hochwertiger Gourmetgastronomie rechne sich nicht für das Ferienhotel, hieß es aus der A-Rosa-Gruppe. Sebastian Zier verlässt die Insel nach fünf Jahren und folgt einem neuen Angebot nach Süddeutschland.

Das Spices, das zweite Restaurant im A-Rosa, bekam seinen Stern auch unter dem neuen Küchenchef Patrick Büchel zuerkannt. Er war im Frühjahr dieses Jahres in die Fußstapfen der begabten Köchin Sarah Henke getreten. Büchel, geborener Hamburger mit Wurzeln in Singapur, überzeugt erfolgreich seine vielen Haus- wie auswärtigen Gäste mit der asiatisch inspirierten Küche, die Sarah Henke, geborene Koreanerin, aber aufgewachsen in Niedersachsen, kreiert hatte.

Auf Gut Panker gibt es im Hotel Ole Liese jetzt Sterneküche

Bei A-Rosa hat es auch in Travemünde eine Veränderung gegeben. Der Michelin bewertet das Restaurant Buddenbrooks im dortigen Hotel nur noch mit einem statt zwei Sternen. Im Frühjahr hatte Dirk Seiger seinen Chef Christian Scharrer beerbt, der in die Schweiz gegangen war. Es war schon erwartet worden, dass in der kurzen Zeit die beiden Sterne nicht zu halten waren.

Schleswig-Holstein hat noch einen weiteren Stern verloren: Nach dem Weggang von Oliver Pfahler ist das Töpferhaus in Alt-Duvenstedt erstmals seit vielen Jahren ohne Stern. Die Hotelierfamilie Lindtner aus Harburg hatte sich vor einiger Zeit von dem Objekt getrennt. Doch es gibt auch interessante Neuzugänge: Auf Gut Panker bei Lütjenburg hat sich Volker M. Fuhrwerk, ein Wittenberger aus Berlin, im Gourmetrestaurant 1797 vom Hotel Ole Liese einen Stern erkocht.

Er überrascht mit spannenden Kombinationen und Zubereitungen von heimischem Fisch, Wild und Gemüse. Das Haus wurde schon in dem Gastronomieführer Gault-Millau gelobt und von „GEO Saison“ als eines der schönsten Foodhotels in Europa beschrieben.

Auf Anhieb hat sich die Küchencrew von Alexander Dehn und Hannes Graurock im Courtier, dem feinen Restaurant von Schloss Weissenhaus, in die Riege der Michelin-Ausgezeichneten eingereiht. Das Schloss in Wangels an der Ostsee im Besitz von Internet-Millionär Jan Henric Buettner war nach langen, teuren Umbauten und Sanierungen im Sommer als luxuriöses Resort eröffnet worden. Verwunderlich ist der Stern nicht, wenn man weiß, dass Teile der Küchen- und Restaurantbrigade vorher im Lister A-Rosa bei Zier und Henke gearbeitet haben.

Die Hansestadt Bremen bleibt weiter ohne jeden Stern

In Hamburg haben die Michelin-Tester keine neuen Sterne vergeben, obwohl viele Gourmets der Meinung sind, dass ein Dreisternehaus fällig wäre. Aber ein dritter Stern wurde in diesem Jahr vom Michelin in ganz Deutschland nicht vergeben. Dabei hatte man in Berlin mit einem dritten gerechnet. Ein Stern wurde in Hamburg gestrichen, weil Gerald Zogbaum nach zehn Jahren seine Küchenwerkstatt im ehemaligen Mühlenkamper Fährhaus im Sommer geschlossen hat.

So bleibt es bei drei Zweisternehäusern (Jacob mit Thomas Martin, Haerlin mit Christoph Rüffer und Süllberg mit Karlheinz Hauser) und fünf Restaurants mit einem Stern: Landhaus Scherrer (Heinz Wehmann), Le Canard nouveau (Ali Güngörmüs), Piment (Wahabi Nouri), Anna Sgroi (Anna Sgroi) und Seven Oceans (Sebastian Andrée).

Doch es gab noch zwei neue Auszeichnungen mit dem Bib Gourmand des Michelin für Hamburger Restaurants. Mit dem Titel „Gute Küche zu moderaten Preisen“ dürfen sich jetzt das Rive an der Elbe und das Zipang, ein japanisches Restaurant in Eppendorf, schmücken.

Bremen bleibt weiter sternefrei, Mecklenburg-Vorpommern, hat mit der Nixe in Binz auf Rügen einen Stern verloren, aber mit dem scheel’s in Stralsund einen dazugewonnen. Im Hamburger Umland wurde dem Heidkrug in Lüneburg der Stern, der dort viele Jahre gefunkelt hatte, gestrichen.

Das Buch der Gourmets

Der französische Michelin-Führer gilt als wichtigste Referenz bei der Bewertung eines Lokals. Um ein Restaurant zu bewerten, speisen die Tester anonym und bezahlen auch ganz normal die Rechnung. Ein Stern bedeutet: „Sehr gutes Restaurant in seiner Kategorie“. Zwei Sterne heißen: „Hervorragende Küche. Verdient einen Umweg“. Drei Sterne werden übersetzt mit: „Eine der besten Küchen. Eine Reise wert“.