Menschlich gesehen

Neustarter

Es war ein Auswärtseinsatz mit gewinnendem Charakter. Als der ehemalige Fußball-Nationalspieler Uli Borowka am Sonntag aus seinem Buch „Volle Pulle“ las, war die Kulisse anders als je zuvor. Gespannt lauschten Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Billwerder, wie der 52 Jahre alte Sauerländer schonungslos mit seinem früheren Doppelleben als Sportprofi und Alkoholiker ins Gericht ging. Die Botschaft klipp und klar: Der Suff macht dich kaputt!

In aktiven Zeiten mangelte es dem beinharten Abwehrrecken mit dem Kampfnamen „Die Axt“ allerdings an dieser Einsicht. Die schillernde Scheinwelt der Bundesliga mit Deutschen Meisterschaften und Pokaltriumphen in Reihen des SV Werder in Bremen vernebelte die Realität. Mit alkoholbedingten Aussetzern in der Familie, im Freundeskreis und im Straßenverkehr geriet der Leistungssportler ins Abseits und auf die schiefe Bahn. Der Ort seiner Lesung war also keineswegs zufällig gewählt.

Eine viermonatige Entziehungskur ebnete den Weg zu einem Neustart. Seit 14 Jahren ist der gelernte Maschinenschlosser trocken. Heute lebt das Enfant terrible der Vergangenheit mit Frau und Kind in Berlin.

Als Gründer eines Selbsthilfevereins für Suchtprävention und Suchthilfe ist Uli Borowka bemüht, anderen eine Warnung zu sein. Sein Engagement verdient mehr Applaus als frühere Fußballsiege.