Menschlich gesehen

Der Fährmann

Der Arbeitsplatz von Fährmann Rüdiger Jöns ist die beschauliche Schlei. Täglich holen der 49-Jährige und sein Team mehr als 100-mal Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger über den Meeresarm der Ostsee im Norden Schleswig-Holsteins. In der Hochsaison aber hat die Idylle ihre Grenzen, denn immer mehr Yachten kreuzen die Seilfähre. Sie haben Vorfahrt. Der Fährmann muss zum Teil lange warten und hat schon Kunden beobachtet, die umgekehrt seien. Deshalb wünscht sich Jöns nun die Vorfahrt für die Fähre zurück.

Noch bis in die 80er-Jahre hatten die Yachten warten müssen. Dann aber wurde die Schlei zu einer „Bundeswasserstraße“ erklärt, und die Vorfahrt änderte sich. Seitdem gibt es immer wieder Streit mit den Skippern. Nun droht der Fährmann, der das Boot vom Land Schleswig-Holstein gepachtet hat, mit Einschränkung der Fahrzeiten.

Spaß macht dem eingefleischten Fan des FC St. Pauli, der an Bord zuweilen die Totenkopf-Flagge hisst, die Arbeit in der Natur dennoch. Der Kontakt mit den vielen Stammkunden und die Arbeit mitten in der Natur sind für ihn Gründe, weswegen er sich keinen anderen Job vorstellen mag. Außerdem ist da noch die Familientradition: Seit 75 Jahren hat ein Mitglied der Familie Jöns die Fährstelle gepachtet.