Prestige-Bau

Libeskind-Audimax ist Lüneburgs Elbphilharmonie

Prestige-Bau der Leuphana-Uni wird deutlich teurer. Jetzt wird der Druck auf die Hochschulspitze größer: Hochschule soll jetzt Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen.

Lüneburg. Die Baupläne sind noch nicht komplett bewilligt. Das Finanzierungskonzept liegt noch nicht vor. Die Bauarbeiten am Lüneburger Prestigeprojekt Libeskind-Audimax der Leuphana Universität in Lüneburg laufen trotzdem seit mehr als zwei Jahren. Jetzt wird der Druck auf die Hochschulspitze größer: Seit dem Wechsel der Landesregierung in Hannover sieht das grüne Wissenschaftsministerium mit kritischeren Augen auf die Planungen als die Vorgänger von der CDU. Erstmals soll die Hochschule eine Wirtschaftlichkeitsberechnung vorlegen.

Scheibchenweise ist in den vergangenen Monaten klar geworden, was nicht glatt läuft bei dem Projekt aus der Feder des US-Star-Architekten Daniel Libeskind, der in Lüneburg als Teilzeitprofessor arbeitet.

Die Staatsanwaltschaft in Stade ermittelt gegen den Uni-Vizepräsidenten Holm Keller wegen des Vorwurfs der Untreue in Zusammenhang mit dem Bau des Zentralgebäudes und den Vergaberichtlinien. Die Behörde hoffe, noch in diesem Jahr zwischen Anklage und Einstellung zu entscheiden, sagte ein Sprecher am Dienstag gegenüber dem Abendblatt. Hintergrund für die Ermittlungen ist ein Bericht der Antibetrugsbehörde der Europäischen Union, OLAF. Die Europäische Union hat zugesagt, Mittel in Höhe von fast zehn Millionen Euro zum Bau des neuen Zentralgebäudes beizusteuern. Die Zusage kann zurückgezogen werden.

Die Fertigstellung des Baus verzögert sich, statt wie ursprünglich Ende 2014 ist jetzt August 2015 als Termin geplant.

Die Kosten explodieren. Ursprünglich sollte das Uni-Zentralgebäude 57,7 Millionen Euro kosten. Nach Berechnungen des Wissenschaftsministeriums wird der Bau nun mit mehr als 76 Millionen Euro zu Buche schlagen. Die Hochschule geht derweil von 64,8 Millionen aus. Grund für die Differenz ist die kreative Rechnung der Hochschule über mögliche Umsatz- und Vorsteuerverrechnungen.

Die Brutto-Baukosten entsprechen laut Uni nicht dem tatsächlichen Finanzierungsbedarf. Das wollen Landesrechnungshof, Oberfinanzdirektion und Haushaltsausschuss in Hannover prüfen – wenn die Universität dort denn endlich ihr Gesamtfinanzierungskonzept vorlegt. Eigentlich sollte das Ende September geschehen sein, doch die Hochschule ist im Verzug. „Wir erwarten, dass die Unterlagen Ende Oktober vorliegen“, sagte die Lüneburger Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers (SPD) am Dienstag dem Abendblatt. Erst dann könne sowohl über das Gesamtkonzept als auch über mögliche weitere Mittel entschieden werden. Zunächst aber müsse die Universität darlegen, wie sie die zusätzlichen Kosten finanzieren will und wie der Vorsteuerabzug funktionieren soll.

Es habe zwar niemand die Absicht, die Zusage der Vorgängerregierung von 21 Millionen Euro infrage zu stellen, betonte Schröder-Ehlers. Auch das Projekt an sich stehe nicht zur Debatte, dafür seien die Bauarbeiten bereits zu weit fortgeschritten. Aber: „Es fehlen bis heute Unterlagen. Die letzte Landesregierung hat ihre Entscheidungen ohne diese getroffen. Das holt uns jetzt ein.“ So habe die Universität stets nur eine Finanzierungsübersicht abgeliefert, kein prüfbares Konzept.

Außerdem muss die Leuphana erstmals eine Wirtschaftlichkeitsberechnung des Neubaus vorlegen. Dazu hat der Landesrechnungshof die Hochschule aufgefordert. Sie muss bereits entstandene Kosten, Mehrkosten und Risiken darlegen. „Das ist nicht nur nachvollziehbar, sondern sinnvoll“, sagte die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

Auch die Bauplanung ist noch nicht in Gänze bewilligt. Das Wissenschaftsministerium hat angekündigt, einen Antrag der Hochschule zur Änderung der Planungen kritisch prüfen zu wollen. „Nach dem aktuellen Stand der Unterlagen können wir dem Anliegen der Leuphana Universität Lüneburg nicht zustimmen, die Flächen auszuweiten, weil dies zusätzliche Kosten verursachen und die rechtzeitige Fertigstellung gefährden würde“, sagte Heinen-Kljajić im August. Eine Maschinenhalle soll vom ehemaligen Standort Volgershall in das neue Hauptgebäude verlegt werden. Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff bestätigt, dass die Verlagerung zusätzliche Kosten verursache, die in der Finanzplanung jedoch bereits berücksichtigt seien.

Der Keller, in dem die Anlagen des Bereichs Automatisierungstechnik ihr neues Zuhause finden sollen, existiert bereits. Die bestehende Fläche scheint für ihre – seit Jahren geplante –Nutzung indes noch nicht genehmigt zu sein.

Die Hochschulleitung will die alte Liegenschaft Volgershall 2014 verkaufen oder weiterhin vermieten – als Teil des Finanzierungskonzepts. Das hat der Landesrechnungshof mehrfach moniert: Man habe Zweifel, ob die erwarteten Kaufpreise erzielt werden können.

Die Leuphana selbst – als Stiftungsuni beschränkt im Einfluss des Ministeriums – betont wiederholt, die Finanzierung des Baus sei gesichert. Die Mehrkosten seien gedeckt, das Finanzierungskonzept werde vorgelegt.