Fluglärm

Flughafen testet weltweit einmaligen Flüsteranflug

Mit einem neuen Anflugverfahren testet TuiFly in Hannover, wie der Fluglärm verringert werden könnte

Video: abendblatttv
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Steiler und leiser: TuiFly testet ab Donnerstag ein Verfahren, das den Fluglärm über Hannover deutlich reduzieren könnte.

Hannover. Ein neues Anflugverfahren könnte künftig vielen vom Fluglärm geplagten Bewohnern Linderung bringen. Getestet wird es ab Donnerstag in Hannover von der Fluggesellschaft TuiFly. Im Simulator wurde das Verfahren bereits getestet: „Alle Berechnungen haben ergeben, dass es deutlich leiser werden kann“, sagt TuiFly-Sprecher Jan Hillrichs. Sechs Monate lang wird deshalb nun im Praxisbetrieb getestet: Einzelne Flugzeuge werden je nach Sichtverhältnissen in dem neuen Landeverfahren in Hannover ankommen. Kurz nach 21 Uhr soll am Donnerstag eine Boeing 737-800 mit Urlaubern aus Rhodos den Auftakt machen.

Mobile Messstationen zeichnen währenddessen die Lärmbelastung an verschiedenen Orten auf, um sie später mit herkömmlichen Flugverfahren abzugleichen. Dabei arbeitet die Tui-Tochter mit der Deutschen Flugsicherung und mit der Forschungseinrichtung DLR, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, zusammen.

Und wie funktioniert die neuartige Methode?

Die Grundidee besteht darin, dass Wohngebiete in größerer Höhe überflogen werden. In einem Winkel von 4,5 statt bisher 3 Grad erfolgt der Anflug, rund 8 Kilometer vor der Landebahn wird jedoch der bisher übliche Winkel von 3 Grad wieder eingenommen, so dass das Flugzeug genauso landet wie snst üblich. Durch den leicht steileren Anflug vorher fliegt das Flugzeug jedoch in größerer Höhe über die Häuser hinweg, sodass die Lärmbelästigung dadurch sinkt. Dieses Verfahren wurde bereits getestet. Neu ist jedoch, dass zusätzlich eine genauere Navigation erfolgt: „Wir können das auf den Meter genau steuern, so dass wir gezielt zwischen Ortschaften hindurch fliegen, oder eher über ein Industriegebiet als über Häuser“, so TuiFly-Sprecher Hillrichs. „In der Kombination ist das einmalig.“ Die Piloten wurden dafür extra geschult.

Und was merkt der Fluggast von der neuen Methode?

„Die Passagiere werden davon nicht mitbekommen“, so Hillrichs. „Lediglich dem geübten Flieger oder Vielflieger könnte auffallen, dass das Fahrwerk etwas früher als sonst ausgefahren wird.“ Sollte des Praxistest ebenso gute Ergebnisse haben wie die Tests im Simulator könnten bald andere Fluglinien oder Flughäfen aufspringen.