Streit

Bewährungsjahr für den Hafen von Friedrichskoog

Foto: Röhrbein, Ingo (Hamburg, DEU) / Roehrbein, Ingo (Hamburg, DEU)

Seit Jahren streiten das Land Schleswig-Holstein und Anwohner der Gemeinde Friedrichskoog um den Erhalt des dortigen Hafens. Nach einem Gespräch mit Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) steht fest: Die Entscheidung soll im Januar 2014 fallen. Bis dahin soll die Gemeinde die Chance bekommen, den Hafen selbst zu unterhalten.

Friedrichskoog. Gewonnen ist der Kampf noch nicht, doch die Hafenretter von Friedrichskoog haben einen kleinen Punktsieg für sich verbucht. Bei Verhandlungen mit Vertretern der Bürgerinitiative Hafen-Zukunft und Friedrichskoogs Bürgermeister Gerd Dethlefs, hat Ministerpräsident Torsten Albig einer Fristverlängerung zugestimmt. Im Januar 2014 soll die endgültige Entscheidung über die Zukunft des Hafens fallen. Bis dahin soll die Gemeinde nun versuchen, den Hafen eigenständig zu betreiben.

Ursprünglich wollte das Land Schleswig-Holstein den kleinen Hafen in Dithmarschen bereits im September 2012 aus Kostengründen schließen. Dabei geht es vor allem um die Ausbaggerung der Fahrrinne, die jährlich mit rund 600.000 Euro im Landeshaushalt zu Buche schlägt.

Friedrichkoogs Bürgermeister Gerd Dethlefs hat dazu eigens einen Schlepper ersteigert, mit dem der Sand regelmäßig aufgewühlt werden soll, damit dieser wieder rausgespült wird. Finanziert werden soll der sogenannte "Hafenretter" über die von den Bürgern gegründete Hafenbetriebsgesellschaft (HGB). Um den Hafen langfristig zu finanzieren, soll die HBG zudem ihr ursprüngliches Finanzierungskonzept bis Ende des Jahres überarbeiten. Ein erster Entwurf wurde im Februar aufgrund eines Fehlbetrags von fünf Millionen Euro abgelehnt.

"Ministerpräsident Torsten Albig hat bei den Verhandlungen auch die Mitarbeiter seiner eigenen Ministerien kritisiert", sagt Bettina Adam, die als Vertreterin der Bürgerinitiative Hafen-Zukunft (BIHZ) an dem Gespräch teilgenommen hat. Die Planungen seien noch nicht gründlich genug durchdacht, es gebe noch zu viele offene Fragen.

Neben der Lage eines geplanten Schöpfwerks ist vor allem die Wasserversorgung der Seehundstation in Friedrichskoog noch sehr umstritten. Überlegungen, die Station mittels einer Pipeline oder eines Brunnens mit Wasser zu versorgen, sollen nun erneut von den zuständigen Beamten geprüft werden. "Solange diese Fragen offen sind, kann man den Hafen nicht schließen", sagt Bettina Adam zufrieden. "Das Gespräch hat gezeigt, dass wir ernst genommen werden, aber der Hafen ist noch lange nicht gerettet."

In zahlreichen Restaurants und Cafés der 2400 Einwohner zählenden Gemeinde wird seit diesem Monat der sogenannte "Hafenretter"-Teller angeboten. Von jedem verkauften "Hafenretter"-Teller geht 1 Euro an die Bürgerinitiative Hafen-Zukunft. Die Initiative fürchtet um die 170 Arbeitsplätze, die an dem Hafen hängen, und um die Zukunft der bei Touristen so beliebten Region.

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