Zehn Jahre Erklärung „Christen und Juden"

Hillmann: Nazi-Unrecht weiter aufarbeiten

Die Nordelbische Kirche erinnert mit einem Festakt im Jüdischen Museum Rendsburg an die Neuausrichtung zum Judentum.

Rendsburg. Mit der Verfolgung und Ermordung der Juden in der NS-Diktatur müsse sich die Kirche auch weiterhin auseinandersetzen, sagte die Vizepräsidentin der nordelbischen Synode, Ulrike Hillmann (58). Die Aufarbeitung nationalsozialistischen Unrechts sei eine Aufgabe, der sich keiner entziehen dürfe, „schon gar nicht eine Kirche insgesamt“.

Im September 2001 beschlossen die 140 Mitglieder der nordelbischen Synode die theologische Erklärung „Christen und Juden", die sich unter anderem mit antijüdischen Denkmustern in Theologie, Predigt und Lehre auseinandersetzt. Die Erklärung beschreibt den Weg einer Erneuerung der Beziehungen zwischen Christen und Juden. Sie spricht sich gegen gezielte Mission an Juden aus und plädiert für eine Begegnung „im Respekt vor dem Anderssein des Anderen“.

Hillmann erinnerte an die Verfolgung in Hamburg und Schleswig-Holstein während der Nazi-Diktatur. Im Jahr 1927 lebten 20.000 Juden in Hamburg. Der NS-Verfolgung und Deportation fielen zwischen 1941 und 1943 über 7.000 Juden zum Opfer, etwa 10.000 jüdische Hamburger konnten noch rechtzeitig auswandern. Von den Synagogen der Hansestadt blieb in der Pogromnacht 1938 nur die ehemalige portugiesische Synagoge unversehrt.

In Schleswig-Holstein wurden während des Novemberpogroms die Synagogen in Elmshorn, Friedrichstadt, Kiel, Lübeck und Rendsburg in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte zerstört, Familien überfallen und drangsaliert. In vielen Städten wurden Juden verhaftet. In den Jahren 1941 bis 1945 wurden die schleswig-holsteinischen Juden in Konzentrationslager deportiert, vor allem nach Riga.

Der Themensynode „Christen und Juden“ war ein zweijähriger Beratungsprozess in der evangelisch-lutherischen Kirche in Hamburg und Schleswig-Holstein vorausgegangen. Im Vergleich zu anderen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kam die nordelbische Erklärung spät. Den Anfang hatte bereits im Jahre 1980 die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland gemacht.

Am Rendsburger Festakt nahm auch Landesrabbiner Walter Rothschild teil. Der Historiker Stephan Link gab Einblicke in damalige Kommentare zur Synode. Sie fand elf Tage nach den Anschlägen vom 11. September statt. (epd)