Universität Osnabrück

Bachelor für Imam-Ausbildung an Uni Osnabrück

Erstmals in Deutschland sollen in Osnabrück islamische Religionslehrer und Imame in größerem Stil an Universitäten ausgebildet werden.

Osnabrück/Berlin. An der Universität Osnabrück soll erstmals ein vom Bund gefördertes Islam-Studienzentrum für Imame und Religionslehrer entstehen. "Wir haben die geeigneten Erfahrungen, um auch ein solches neues Kapitel zu schreiben“, sagte Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Donnerstag in Berlin. Osnabrück soll zusammen mit der Uni Münster ein gemeinsames Konzept erarbeiten. Beide Hochschulen hatten sich beworben. Man werde sich nun zügig mit der Uni Münster zusammensetzen, sagte Uni-Sprecher Utz Lederbogen.

Auch in Tübingen wird es ein solches Zentrum geben. "Wir sind hoch erfreut, dass unser Konzept auf soviel Zuspruch bei den Gutachtern und der Politik gestoßen ist und unsere Gespräche mit den muslimischen Verbänden zu diesem erfreulichen Votum geführt haben“, sagte Osnabrücks Universitätspräsident Prof. Claus Rollinger. Mit den langjährigen Vorarbeiten sei die Uni ein Vorarbeiter im Bereich der Islamischen Religionspädagogik und Theologie in Deutschland. "Wir werden alles in die Wege leiten, um zum Wintersemester 2012 einen Bachelorstudiengang Islamische Theologie zur Ausbildung von Religionslehrerinnen und -lehrern, Imamen und des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Islamischen Theologie in Osnabrück anbieten zu können“, sagte Martina Blasberg-Kuhnke, Vizepräsidentin für Studium und Lehre.

Mit der am Donnerstag bekanntgegebenen Entscheidung Schavans können nun Religionslehrer für den Islam und muslimische Geistliche für Deutschland komplett an staatlichen Hochschulen auf Deutsch ausgebildet werden. Dies sei zentral auch für die Integration, "weil zur Integration auch immer gehört, in der eigenen Religion heimisch zu sein – auch in Ländern, die nicht kulturell geprägt sind von der eigenen Religion“, sagte Schavan. Im Wintersemester 2011 sollen die ersten Studenten beginnen können. "Qualität und vorausschauende Initiative haben sich durchgesetzt. Das ist ein sehr erfreuliches Ergebnis für Niedersachsen, die Region Nordwest und vor allem für die Universität Osnabrück“, sagte die niedersächsische Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU). Die FDP-Abgeordneten im niedersächsischen Landtag, Almuth von Below-Neufeldt und Roland Zielke, sehen einen "Meilenstein für die Integration“. "Wir freuen uns, dass es diesen zukunftsträchtigen Studiengang in Osnabrück geben wird.“ Jedes Islam-Zentrum fördert der Bund mit vier Millionen Euro für bis zu fünf Jahre, wobei Münster und Osnabrück als Doppelstandort mehr erwarten dürften. Es soll noch eine weitere Auswahlrunde geben. Insgesamt seien vier Standorte mit 400 bis 500 Studienplätzen geplant, sagte Schavan.

+++ Integrationsprojekt: Imame sollen Deutschland kennenlernen +++

Insgesamt stellt der Bund 16 Millionen Euro für Professuren, Mitarbeiter und Nachwuchsgruppen zur Verfügung. Zusätzlich muss das jeweilige Land ein Drittel der entstehenden Kosten übernehmen. Zu zentralen Kriterien zählt das Konzept zur Akademisierung islamischer Theologie und dauerhaftes finanzielles Engagement der Universitäten und Länder. Münster sei stark in der Theologie, sagte Schavan, Osnabrück bei der Lehrerbildung und Imam-Weiterbildung. "In der Kooperation liegt eine große Chance für den gesamten norddeutschen Raum. Wir wollen den islamischen Religionsunterricht in möglichst vielen Schulen in Deutschland“, betonte sie. In Niedersachsen und Baden-Württemberg gebe es dies bereits. Die Entscheidungen für islamischen Unterricht seien in der Islam-Konferenz gefallen. Es sei nur folgerichtig, nun auch die Voraussetzungen zu schaffen. Zudem sagte sie: "Wir wünschen uns die Ausbildung von möglichst vielen Imamen in Deutschland, weil wir davon überzeugt sind: Imame sind Brückenbauer zwischen ihren Moscheegemeinden und der Gemeinde, in der diese Moschee steht.“ Schavan wertete den Schritt als wichtige Facette für Integration und gegen Islamismus – als wichtigen Beitrag zur "Ausbildung von europäisch-muslimischer Gelehrsamkeit“. Die Verankerung in den Hochschulen beuge Gefahren der Politisierung des Islam vor.