Ahrensburg

Wie geht es jetzt weiter mit der Nordtangente?

Nach dem knappen Votum liegt das Projekt nunmehr auf Eis, neue Gespräche sind vorerst offenbar nicht geplant. Dabei war der Planungsaufwand groß.

Ahrensburg. Die Zukunft des Bauvorhabens für eine nördliche Umgehungsstraße in Ahrensburg ist nach der Entscheidung der Stadtverordneten ungewisser denn je. Wie geht es weiter mit dem Projekt Nordtangente? Was passiert mit dem vor einem Jahr eingeleiteten Planfeststellungsverfahren? Diese Fragen stellen sich nach der knappen Votum wohl viele.

Was ist ein Planfeststellungsverfahren? Wann wird es eingeleitet?

Ein Planfeststellungsverfahren ist ein besonderes Verwaltungsverfahren, um ein Bauvorhaben zu realisieren. Das Projekt wird dabei vom Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr etwa auf seine Notwendigkeit sowie auf seine Auswirkungen hin geprüft. Im Verlauf des Verfahrens muss das Vorhaben auch öffentlich vorgestellt werden, die Belange von betroffenen Bürgern und Behörden, deren Aufgabenbereich das Projekt berührt, müssen gehört werden. Das Verfahren dauert zwischen 18 und 24 Monate. "Ein Planfeststellungsverfahren ist eigentlich nur bei Bauvorhaben einzuleiten, für die eine Umweltverträglichkeitsprüfung oder ein Enteignungsverfahren notwendig sind", erläutert Stefan Dautwiz, beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein zuständig für die Planfeststellung. Ansonsten reicht es, einen Bebauungsplan aufzustellen. "Der Landesbetrieb hat uns schnell deutlich gemacht, dass wir für die Nordtangente einen Planfeststellungsbeschluss brauchen", sagt Ulrich Kewersun von Ahrensburger Bauamt. Mit ihm wird das Verfahren abgeschlossen. Ein solcher lag für die Nordtangente noch nicht vor. Kewersun: "Wir konnten gar nicht planen, ohne uns vorher mit Delingsdorf zu verständigen."

Wie geht es nach der Entscheidung nun mit dem Vorhaben weiter?

Noch steht der Beschluss der Ahrensburger Stadtpolitiker, ein Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Er war am 23. Mai 2011 gefasst worden. Damals wurde die Verwaltung beauftragt, mit der Gemeinde Delingsdorf über einen Gebietstausch und den Trassenverlauf zu verhandeln. Doch laut Bürgermeister Michael Sarach fehlt ihm nach dem jüngsten Beschluss der Stadtverordneten nun ein Mandat, weiter mit der Nachbargemeinde zu verhandeln. "Wir warten nun auf ein Signal aus der Politik. Für uns liegt das Vorhaben auf Eis", sagt Andreas Zimmermann, Sprecher der Verwaltung.

Was haben die Planungen die Stadt Ahrensburg bislang gekostet?

Laut Verwaltung sind in die Planungen und Untersuchungen verschiedener Streckenverläufe über die Jahre bereits mehr als 100 000 Euro geflossen. Für den Bau einer nördlichen Entlastungsstraße wurden zunächst 13 mögliche Verläufe geprüft. "So hat man unter anderem auch die Vor- und Nachteile eines Anschlusses an die Kurt-Fischer-Straße ermitteln lassen", erläutert Ulrich Kewersun vom Ahrensburger Bauamt. Auch Flora und Fauna seien bereits untersucht worden. Nicht genau zu beziffern sind der Aufwand, den die Verwaltung sowie die Politik bereits betrieben hatten.

Was sagt Delingsdorf zu dem Abstimmungsergebnis in Ahrensburg ?

"Die Stadtpolitiker haben nach bestem Wissen und Gewissen entschieden. Wir können mit diesem Ergebnis gut leben", sagt Randolf Knudsen, Bürgermeister von Delingsdorf. Der Weg zum Verhandlungsergebnis sowie die Entscheidung darüber seien in Ordnung gewesen. "Nach meiner Meinung haben wir die Sache ausverhandelt. Nun erneut in Gespräche zu treten, wäre nicht sinnvoll", so Knudsen.

Nikolaus von Niebelschütz, Fraktionsvorsitzender der CDU in Delingsdorf sagt: "Wir haben viel Arbeit in das Thema gesteckt. Aber für uns ist es nicht so tragisch." Er vermute, dass Ahrensburg in einem "überschaubaren Zeitraum" erneut Gespräche anstreben werde. Von Niebelschütz: "Über kurz oder lang wird Ahrensburg eine Nordtangente brauchen, um die Stadt weiterzuentwickeln." (tjo)