HSH-Krise

Simonis: Rating-Agenturen bedrängten Nordbank

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Heide Simonis verteidigte die Arbeit des Aufsichtsrates der HSH-Nordbank. Die Rating-Agenturen sollen die Bank bedrängt haben.

Kiel. Rating-Agenturen haben beim Niedergang der HSH Nordbank möglicherweise eine größere Rolle gespielt als bisher angenommen. Nach Ansicht der früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidentin Heide Simonis drängten diese das Geldinstitut zu riskanteren Geschäften. Die Agenturen hätten mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit gedroht, wenn die Bank nicht stärker in Derivate und Hedgefonds investiere, sagte Simonis am Montag vor dem Landtagsuntersuchungsausschusses zur HSH-Nordbank. Die SPD- Politikerin war von 2003 bis 2005 Vorsitzende des Aufsichtsrats der Bank, die 2003 aus den Landesbanken von Schleswig-Holstein und Hamburg hervorgegangen war.

Die 66-Jährige schilderte das Auftreten der Rating-Agentur- Vertreter als arrogant und aggressiv. „Ich habe das als Bedrängnis empfunden.“ Die Rating-Agenturen hätten erklärt, die Bestbewertung „Triple-A“ könne es nicht nur geben, weil der Staat hinter der Bank stehe. Mit der Fusion war auch ein privater Investor eingestiegen. Als Zwickmühle sieht Simonis, dass die Rating-Agenturen Empfehlungen geben und wenn diese nicht befolgt werden, mit einem sogenannten Downgrade drohten. Dies müsse anders geregelt werden, forderte sie. Grüne wollen Agenturen ins „Kreuzverhör“ nehmen

Der Obmann der Grünen im Ausschuss sagte, nach der Vernehmung von Heide Simonis stelle sich immer deutlicher die Frage nach einer Mitverantwortung der Rating-Agenturen an der Schieflage der Bank. Wenn es zutreffe, dass sie mit einem Downgrade gedroht haben, dann seien sie eine treibende Kraft bei den Risikogeschäften der Bank gewesen. „Das werden wir auch im Untersuchungsausschuss zur Sprache bringen und die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Rating-Agenturen ins Kreuzverhör nehmen“, kündigte er an.

In der mehrstündigen Befragung vor dem Ausschuss, der die Hintergründe der Krise der Bank untersuchen soll, verteidigte Simonis die Arbeit des Aufsichtsrates. Die HSH Nordbank habe eine „bella figura“ gemacht. Das Geldinstitut sei zu ihrer Zeit allseits gelobt worden und es habe keinerlei Hinweise auf Risiken gegeben, sagte die SPD-Politikerin. Der Aufsichtsrat habe ordentlich, anständig, solide gearbeitet. Auch von den Aufsichtsbehörden und Wirtschaftsprüfern habe es keine kritischen Bemerkungen gegeben. „Es hat nie jemand gesagt: „Vorsicht an der Bahnsteigkante. Es geht gleich los. Schon mal festhalten.““, beteuerte die 66-Jährige in der mehrstündigen Befragung.

In der Zeit, als Simonis dem Aufsichtsrat vorstand, ging es dem Geldinstitut noch gut. Durch die Bankenkrise war aber auch die HSH Nordbank in eine existenzbedrohende Schieflage geraten – Hamburg und Schleswig-Holstein mussten im vergangenen Jahr Milliardenbeträge aufbringen, um das schwer angeschlagene Geldinstitut zu retten.