Luftdichtigkeit

Wo die Wärme entweicht

Foto: Siga

Mit Über- oder Unterdruck spürt der Blower-Door-Test Lecks in der Gebäudehülle auf

Eine effektive Wärmedämmung ist heutzutage ein Muss. Doch diese funktioniert nur, wenn das Haus luftdicht ist. In vielen Häusern entweicht jedoch warme Raumluft durch undichte Stellen nach außen. Die Folge sind teure Heizwärmeverluste und eventuell auch Schimmel. Eine Differenzdruck-Messung, der sogenannte Blower-Door-Test , klärt, ob die Luftdichtheit der Wände gegeben ist oder Lecks vorhanden sind.

Kritische Stellen sind beispielsweise Dachfenster oder Bereiche, in denen Kabel und Rohre von innen nach außen geführt werden. Sie verlaufen aus dem Wohnbereich durch die Dämmschicht und müssen mit einem Hochleistungsklebeband exakt abgeklebt werden. So wird sichergestellt, dass keine Luft unkontrolliert aus dem Haus heraus- oder in das Haus hineingelangt. "Allerdings sollten diese Klebebänder auch nach Herstellervorschriften eingesetzt werden", mahnt Jan Krugmann vom Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU). Sei es zu kalt, könnte beispielsweise die Klebekraft der Bänder eingeschränkt sein, erläutert der Architekt und Diplom-Ingenieur. Er rät Bauherren schon wegen dieser Gefahr, einen Blower-Door-Test vornehmen zu lassen. Der Test koste für ein Einfamilienhaus um 350 Euro.

Standard ist der Luftdichtheitstest bereits bei Niedrigenergiehäusern, also Gebäuden, die kaum mehr Heizenergie verbrauchen und über eine Lüftungsanlage verfügen. Mit der Messung wird festgestellt, wie oft sich das Luftvolumen in den Räumen eines Hauses pro Stunde auswechselt. Jan Krugmann rät, den Blower-Door-Test von einem unabhängigen Experten vornehmen zu lassen - und nicht von einem, den der Bauträger bestellt oder vorschlägt. Der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen (FliB) führt auf seiner Homepage www.flib.de eine Liste mit Firmen, die einen Luftdichtigkeitstest ausführen. "Häuser mit Lüftungsanlagen sollten einen Wert von 1,5 erreichen und Gebäude ohne diese Anlagen einen Wert von 3,0", sagt Jan Krugmann.

Für den Luftdichtheits-Check wird ein Gebläse mit einem folienbespannten Rahmen luftdicht in eine geöffnete Außentür oder ein Fenster eingesetzt. Der Ventilator, der Luft in das Haus hineinbläst oder heraussaugt (Überdruck- beziehungsweise Unterdruckmessung), erzeugt eine bestimmte Druckdifferenz zwischen innen und außen, sofern alle anderen Gebäudeöffnungen fest verschlossen sind. Um sie aufrecht zu erhalten, muss das Gebläse umso mehr arbeiten, je mehr Luft durch Leckstellen nach außen entweicht oder bei Unterdruck in das Haus eindringt.

Wird an den gemessenen Werten festgestellt, dass es im Haus undichte Stellen gibt, gilt es herauszufinden, wo diese sind. Während der Unterdruckmessung im Gebäude lassen sich größere Undichtigkeiten bereits mit bloßer Hand ertasten. Um sie besser sichtbar zu machen, können auch Luftgeschwindigkeitsmesser und Thermografiekameras eingesetzt werden. Besonders anschaulich ist die Leckagesuche mit Nebel und Überdruck. Dazu wird das Haus mit Theaternebel gefüllt. An undichten Stellen quillt der Rauch regelrecht aus dem Gebäude - so können im Freien stehende Beobachter eindrucksvoll erkennen, wo und wie die warme Luft entweicht. Empfehlenswert ist es, die Messung zeitlich so anzusetzen, dass Nachbesserungen problemlos möglich sind.

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