Tierschutz

Die rote Liste der bedrohten Tierarten wird länger

Die meisten Nashörner fallen der Gier zum Opfer

Die meisten Nashörner fallen der Gier zum Opfer

Foto: WWF

Nie standen mehr Pflanzen und Tiere auf der Liste der bedrohten Arten. Der WWF nennt die Gewinner und Verlierer des Jahres.

Berlin.  Noch nie war die weltweite Artenvielfalt so gefährdet wie jetzt: Mehr als 23.000 Tiere und Pflanzen – und damit rund ein Drittel aller untersuchten Arten – gelten laut aktueller Roter Liste als bedroht. „Tiere und Pflanzen, sogar ganze Ökosysteme verschwinden, dabei ist jede Art einmalig und ein Wert an sich“, sagt Eberhard Brandes, Vorstand der Umweltschutzorganisation WWF in Deutschland. „Schuld am massiven Verlust biologischer Vielfalt weltweit sind Wilderei, Raubbau, die Übernutzung natürlicher Ressourcen und der Klimawandel.“

Vor allem Letzterer könne laut WWF zu einem „globalen Artenkiller“ werden. Gerade hoch spezialisierte Arten wie der Schneeleopard oder der Eisbär würden laut der Umweltstiftung besonders unter der mit dem Klimawandel verbundenen Veränderung ihrer Ökosysteme leiden.

Andere Arten dagegen können Vorteile aus der Veränderung ziehen: Orcas etwa könnten aufgrund von weniger Meereis nun deutlich weiter in arktische Gewässer vordringen, bestimmte eingeschleppte Quallenarten überleben aufgrund höherer Wassertemperatur nun auch in der Ostsee.

Neben den vielen Schreckensmeldungen gibt es in diesem Jahr immerhin auch einige gute Nachrichten, etwa von Arten, die sich aufgrund anhaltender Schutzbemühungen langsam wieder erholten. Der WWF hat deshalb die Verlierer- und Gewinnerarten des Jahres 2015 gekürt:

Die Verlierer 2015

Nashörner und Elefanten sind noch immer stark durch Wilderei bedroht. Bis November schätzt der WWF, dass allein in Südafrika mehr als 1000 Nashörner getötet wurden. Selbst junge Tiere werden Opfer von Wilderern, denn auch kleine Hörner bringen großen Profit: Für nur 100 Gramm Nasenhorn werden in Vietnam bis zu 2000 Euro bezahlt. Insgesamt schätzt man den Nashornbestand in Afrika derzeit auf rund 25.000 Tiere.

Elefanten wurden in Afrika in noch größerer Zahl getötet – vermutlich deutlich über 20.000 Tiere. Sowohl bei Elefanten als auch bei Nashörnern sei zudem ein großes Problem, dass sie sich nur sehr langsam fortpflanzen und den Bestandsverlust nicht ansatzweise ausgleichen können, sagt Roland Gramling vom WWF.

Die Zahl der Afrikanischen Geier ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um die Hälfte zurückgegangen. Auch hier haben laut WWF Wilderer einen wesentlichen Anteil daran. Besonders tragisch dabei ist: Den Tieren wird ihre gute Witterung zum Verhängnis. Schon eine halbe Stunde nachdem ein Elefant getötet wurde, kreisen die Vögel über dem Kadaver – Wilderer haben ihre blutige Arbeit aber meist erst eine Stunde nach Abschuss vollendet.

Deshalb vergiften sie die Kadaver, um sich so der verräterischen Geier zu entledigen.

Ungefilterte Abwässer führten in diesem Jahr zu einem Massensterben beim Titicaca-Riesenfrosch. Die bis zu einem Kilo schweren Tiere leben ausschließlich im Wasser des südamerikanischen Titicacasees und atmen über ihre Haut. Die Verschmutzung des Gewässers könnte im schlimmsten Fall zum Aussterben des seltenen Frosches führen.

Auch die Saiga-Antilope wurde 2015 durch ein Massensterben stark dezimiert. Eine Krankheit raffte in Kasachstan innerhalb von wenigen Tagen 85.000 Tiere und damit rund ein Drittel des Gesamtbestands dahin.

Die Maskaren-Flughunde wurden in diesem Jahr auf Madagaskar von der Regierung für schlechte Obsternten verantwortlich gemacht. Zu Unrecht, wie WWF sagt – nach eigenen Berechnungen können die Tiere höchstens für elf Prozent der Schäden verantwortlich gemacht werden. Trotzdem haben Militär und Polizei damit begonnen, insgesamt 18.000 der gefährdeten Tiere abzuschießen – laut WWF etwa 40 Prozent des gesamten Bestands.

Auch Orchideen zählen in diesem Jahr zu den Verlierern: Seit 2015 stehen nämlich alle 84 asiatischen Frauenschuh-Arten auf der Roten Liste. Zwar ist der internationale Handel mit den seltenen Pflanzen verboten, doch illegaler Schmuggel macht den Arten zu schaffen.

Die Gewinner 2015

Der Iberische Luchs, eine der seltensten Katzen der Welt, steht nicht mehr kurz vor dem Aussterben. Zwar ist er noch immer stark bedroht, mit mehr als 300 Tieren hat sich sein Bestand seit 2002 aber vervielfacht. Gelungen sei dies laut WWF nur dank Lebensraumschutz und Nachzucht mit anschließender Auswilderung.

Noch seltener ist der Amur-Leopard. Die jüngst gezählten 70 Tiere gelten aber als großer Erfolg – der unter anderem dem erst vor drei Jahren in Russland eingerichteten Schutzgebiet „Leopardovy“ zu verdanken ist.

Auch der Bestand des Großen Pandas hat sich weiter erholt. Mittlerweile ist die Population auf über 1860 Tiere angewachsen und liegt damit 17 Prozent höher als noch 2004.

Schließlich zählt 2015 auch als ein erfolgreiches Jahr für den Wolf. 32 Rudel waren bis Mitte des Jahres wieder in Deutschland heimisch, fünf mehr als im Vorjahr. Allerdings, räumt der WWF ein, müsse das Wolfsmanagement in einigen Regionen noch verbessert werden, damit sich Konflikte – etwa mit Tierhaltern – vermeiden ließen.