Die Baumfäller am Stausee-Grund

Unterwasserprojekt: Das Holz versunkener Wälder ist besonders hochwertig. Weltweit gibt es mehr als 45 000 Stauseen, die tiefer als 15 Meter sind - oft mit ganzen Wäldern auf dem Grund. Eine kanadische Firma holzt sie ab. Dafür wurde ein Spezialroboter entwickelt, der die Sägearbeiten unter Wasser ferngesteuert vornimmt.

Kahlschläge im Wald stoßen bei Umweltschützern häufig auf Kritik. Doch wenn die kanadische Firma Triton Logging die Säge schwingt, bleiben die Proteste aus. Denn die Bäume, die sie erntet, stammen aus einem bereits zerstörten Wald - versunken in den Fluten mächtiger Talsperren.

Weltweit gibt es mehr als 45 000 Stauseen, die mindestens 15 Meter tief sind. In vielen von ihnen stehen am Grund nahezu "intakte" Wälder. Christopher Godsall, der Präsident und Gründer von Triton Logging, schätzt die Fläche auf 35 000 Quadratkilometer. Allein in der kanadischen Provinz British Columbia, wo Triton ansässig ist, lagern in Stauseen etwa zwölf Millionen Kubikmeter Nutzholz.

Triton hat begonnen, diesen Schatz zu heben, mit Hilfe eines Roboters. Sawfish (zu deutsch: Sägefisch) heißt das weltweit erste ferngesteuerte U-Boot, das eigens für den Zweck entwickelt wurde, unter Wasser Bäume zu fällen.

Die Idee zum Bau des Roboters kam Godsall vor fünf Jahren. Damals arbeitete er bei einer Firma, die darauf spezialisiert war, mit Tauchern und Kranbooten wertvolles Holz aus Flüssen und Seen zu bergen, das beim Transport zum Sägewerk versunken war. Bei seinen Tauchgängen stieß Godsall immer wieder auf weitaus größere Schätze unter Wasser: "Ich sah ganze Wälder, für die die Zeit stehengeblieben war", erzählt er. Godsall kündigte und gründete das Unternehmen Triton Logging. 2,5 Millionen Euro investierte er in die Entwicklung von Sawfish. Im Sommer 2003 konnte er den Roboter erstmals zu Wasser lassen.

Der tauchende Sägeroboter ist rund drei Meter lang und wiegt dreieinhalb Tonnen. An seiner Front trägt er eine hydraulische Zange, mit der er die Bäume greifen kann, und eine 1,5 Meter lange Kettensäge. Ferngesteuert wird er per Joystick über ein Kabel, das auch die Energie für die acht Unterwassermotoren liefert.

Der Fahrer sitzt in einem klimatisierten Raum auf einer schwimmenden Plattform. Acht Unterwasserkameras und ein Sonargerät liefern alle notwendigen Daten, um die Bäume in bis zu 300 Meter Wassertiefe zu orten. Weil kein Sonnenstrahl so tief dringen kann, ist der Sawfish mit kräftigen Scheinwerfern ausgestattet.

Hat der Fahrer einen Baum ausgewählt, senkt er den Sawfish ab, bis dieser knapp über dem Boden schwebt. Dann packt der Roboter den Stamm, schraubt einen Luftsack daran fest und bläst diesen auf. Wenn kurze Zeit später die Kettensäge das Holz durchtrennt hat, zieht der Luftballon den Baum kopfüber an die Wasseroberfläche, wo er von einem Schlepper eingesammelt wird. Währenddessen widmet sich der Sawfish schon dem nächsten Baum. An einem Tag können so bis zu 100 Stämme geerntet werden.

Der Unterwasser-Kahlschlag ist durchaus lukrativ. Nach Angaben Godsalls kostet das Bäumefällen mit dem Sawfish nicht mehr als der Einsatz vergleichbarer Waldmaschinen an Land. Zudem läßt sich das Unterwasserholz gut verkaufen. Am Grund der Seen sind die Bäume über Jahrzehnte hinweg intakt geblieben, gut abgeschirmt vor Borkenkäfern und Luftsauerstoff, ohne den Fäulnisbakterien das Holz nicht angreifen können.

"Unser Holz hat eine außergewöhnliche Qualität", wirbt Godsall. Denn auch wenn es schlagfrisch zum Sägewerk geliefert wird, ist es schon gut abgelagert. Im langjährigen Wasserbad werden viele störende Stoffe ausgeschwemmt. Möbelfirmen schätzen das Holz, weil es fester ist und Farben und Lacke besser annimmt als vergleichbare Hölzer.

Kritik am Unterwasser-Kahlschlag gibt es bislang nicht. Umweltschutzverbände wie die Rainforest Alliance sehen im Sawfish vielmehr eine Möglichkeit, die negativen Auswirkungen der herkömmlichen Holzwirtschaft zu mindern. Denn für jeden Baum, der aus seiner feuchten Versenkung geholt wird, muß an Land ein Baum weniger fallen. Zudem können durch das Abholzen die Lebensbedingungen für Fische und andere Wasserlebewesen in den Seen verbessert werden, sagt William Timpano von der Rainforest Alliance.

Nach dem Erfolg mit dem ersten Sawfish will Triton Logging in den nächsten Jahren expandieren. Sechs weitere Tauchroboter will das Unternehmen bauen. Anfragen kamen bereits aus Ländern wie Argentinien, Brasilien, Ghana und Malaysia, wo ebenfalls große Wälder in Stauseen versunken sind.

Informationen über das Sawfish-Projekt im Internet:

www.tritonlogging.com

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