Gentechnik

Risiko und Nutzen abwägen

Angelika Hillmer

Gentechnik kommt mir nicht auf den Tisch - diese Einstellung ist in Deutschland weit verbreitet. Nun kommt die Technik, zumindest großflächig im ...

Gentechnik kommt mir nicht auf den Tisch - diese Einstellung ist in Deutschland weit verbreitet. Nun kommt die Technik, zumindest großflächig im kommerziellen Anbau, auch nicht mehr auf den Acker. Das vorläufige Aus für die einzige in der EU zum Anbau zugelassene Gentech-Pflanze, den Mais MON 810, ist das Resultat einer zunächst schludrig und anschließend verbittert geführten Diskussion über die Risiken der sogenannten grünen Gentechnik.

Man kann die gentechnische Kombination von Erbgut über Artengrenzen hinweg, in diesem Fall das widernatürliche "Kreuzen" eines Bakteriums mit einer Maispflanze, als Eingriff in die Schöpfung generell verteufeln. Wer das tut, ist für die (nicht mehr ganz) neue Technologie verloren. Andere Kritiker, die auf wissenschaftlicher Basis mögliche Risiken für Mensch und Natur ansprechen, werden häufig als Spinner nicht ernst genommen oder als Gegner bekämpft. Mit diesem Verhalten verspielt die Gentechnikindustrie schon seit mehr als einem Jahrzehnt die Chance für eine sachlichen Auseinandersetzung und hat damit erst die Saat des Widerstandes gesät, die als politische Entscheidungen oder in Form von mehr oder weniger gewaltfreien Feldbesetzungen und -zerstörungen aufgeht.

Für Gentechnik in der Landwirtschaft müssen zwei Dinge gelten: Ihre potenziellen Risiken sollten gut erforscht sein, und die Genkonstrukte müssen einen gesellschaftlichen Nutzen haben. Denn Gentechnik ist und bleibt eine Risikotechnologie, bei der Nutzen und Risiko abzuwägen sind. Heute liegen die Vorteile vor allem bei den Gentechnik-Konzernen. Projekte zur Hungerbekämpfung beschränken sich auf einige wenige Vorzeige-Sorten, packen aber das Problem nicht an seiner Wurzel. Solange dies so bleibt, wird die Gesellschaft genmanipulierte Lebensmittel ablehnen. Und das ist auch gut so.

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