Archäologie: Fundstücke aus Ur- und Frühgeschichte in Thüringen

Gold und Bronze unter der ICE-Trasse

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Einen kostbaren Schwertgurtbeschlag aus der Karolingerzeit haben Archäologen auf der künftigen ICE-Trasse zwischen Erfurt und der Grenze zu...

Einen kostbaren Schwertgurtbeschlag aus der Karolingerzeit haben Archäologen auf der künftigen ICE-Trasse zwischen Erfurt und der Grenze zu Sachsen-Anhalt geborgen. Das Stück aus vergoldeter Bronze mit angedeuteten Tier- und Pflanzendarstellungen aus dem 8. oder beginnenden 9. Jahrhundert nach Christus gehörte zum Wehrgehänge eines hochgestellten Edlen in der Zeit Kaiser Karls des Großen, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Berlstedt (Kreis Weimarer Land) mit. Es sei der erste derartige Fund in Thüringen.

Der 35 Kilometer lange Abschnitt der ICE-Trasse liegt größtenteils auf alten Handelswegen wie der Via Regia und der Hohen Straße, Verkehrsadern, die nach bisheriger Kenntnis eine bedeutende Rolle im Ost-West-Handel gespielt haben. Seit Anfang April graben rund 60 Mitarbeiter in fünf Teams auf alten und neuen Fundstellen. Die Bahnarbeiten an der eigentlichen Trasse für die ICE-Strecke Erfurt-Halle/Leipzig sollen zwischen Erfurt und der Landesgrenze Sachsen-Anhalt im Sommer starten. Inzwischen konnten bereits zahlreiche archäologische Hinterlassenschaften von der Jungsteinzeit bis in die frühe Neuzeit vor Baggern geborgen oder dokumentiert werden. Nach Angaben der Deutschen Bahn soll im Sommer Baubeginn sein. Das Gesamtprojekt Nürnberg-Berlin soll 2017 fertig sein.

Nach der Winterpause bargen die Denkmalpfleger auch eine wertvolle Gewandschließe vom Ende des zweiten Jahrhunderts, die vermutlich im heutigen Belgien hergestellt wurde. Besonders ergiebig sei eine 6,5 Hektar große Fundstelle nördlich von Krautheim bei Apolda. Untersucht wird dort ein Grabhügelfeld aus der jüngeren Bronzezeit, das etwa 3000 Jahre alt ist. Die Experten und ihre Helfer fanden in den durch aufwendige Steinkonstruktionen geschützten Gräbern Teile von Trachten sowie Schmuck aus Bronze und Keramik. Nördlich von Linderbach wurde ein Grabensystem entdeckt. Es könnte zur mittelalterlichen Befestigungsanlage von Erfurt gehört haben. Dort stießen die Archäologen auch auf das etwa 4000 Jahre alte Grab eines Mannes aus der Jungsteinzeit mit Feuerstein-Dolch und einer Streitaxt. In Großmölsen kamen die Reste eines Grubenhauses zu Tage, vermutlich aus der frühen Eisenzeit (500 bis 600 Jahre vor Christus). Dort stieß das Grabungsteam auch auf ein Grab mit dem Skelett eines etwa siebenjährigen Mädchens, von dessen Tracht der bronzene Armreif erhalten war.

Zwischen Hügeln wurden Brandgräber aus der frühen Eisenzeit (8. bis 6. Jahrhundert vor Christi) und der Römischen Kaiserzeit kurz nach Christi Geburt sichergestellt. Neben den klassischen Methoden setzen die Archäologen auf neue physikalische Methoden. Beim Aufspüren von Fundorten helfen mit Kameras bestückte Drohnen.

( dpa/HA )