Algen made in Germany

Aquakultur: Als Lebensmittel und für die Kosmetikindustrie. Die nährstoffreichen Meerespflanzen werden in Asien längst massenhaft angebaut und verzehrt. Jetzt gibt es auch in Deutschland erste Zuchten, in denen diese vielseitigen Pflanzen künstlich produziert werden.

Algen - in Ostasien werden sie massenweise angebaut. In Deutschland steckt die Zucht noch in den Anfängen. In zwei Projekten in Nord- und Ostsee entstehen aber bereits Algen "made in Germany". Denn die Meerespflanzen, die reichlich Nährstoffe besitzen, sind Tausendsassas. Sie landen als Gemüse oder Salat auf dem Speiseteller; sie können verunreinigtes Wasser säubern; bilden sie die Grundlage für zahlreiche kosmetische Produkte und sind vielfältig in der Lebensmittelindustrie einsetzbar. Weltweit wurden 2004 rund 13 Millionen Tonnen Meerespflanzen in Aquakultur, also in kontrollierter Aufzucht im Wasser, produziert. Eindeutiger Marktführer ist China, wo im Jahr rund zehn Millionen Tonnen heranwachsen. Algen sind besonders in Asien beliebt und werden als wichtige Ergänzung zur täglichen Ernährung betrachtet.

Es gibt 40 000 Algenarten. 160 eignen sich zum Verzehr. Sie alle enthalten zum Beispiel Proteine, Mineralstoffe, Jod oder Vitamine - wenn auch in unterschiedlichen Mengen. Die Gruppen der Rot- und Braunalgen gehören zu den am meisten angebauten Algen weltweit.

Rotalgen zeichnen sich durch ihr Carrageen aus, das in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie verwendet werden kann. Die "Laminaria japonica" (vereinfacht und gängiger auch Kombu genannt) ist eine Braunalge und die am häufigsten kultivierte Alge der Welt. "Japonica wird besonders in China seit den 50er-Jahren angebaut, aus ihr lassen sich Alginate gewinnen", sagt Dr. Bela Buck, der im Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung arbeitet. Alginate finden auch als Verdickungs- und Geliermittel in Lebensmitteln Verwendung.

Das "Meeresgemüse" kann außerdem helfen, überdüngtes und verschmutztes Meerwasser zu säubern. "Genauso wie der Bauer die Gülle zum Düngen auf das Feld kippt und so weiterverwendet, läuft der Prozess auch unter Wasser ab", erklärt Buck. Algen können Überreste und Abfallstoffe der Fische verwerten. Hierbei handelt es sich um Substanzen wie Nitrat, Ammonium oder Phosphat, die in Fischzucht-Gebieten in erhöhten Konzentrationen vorkommen. Die kombinierte Aufzucht von Fischen und Algen ist eine ideale Lösung. Ihr Name: "integrierte Aquakultur". "Die Algen hierfür sollten zum einen eine gute Abbauleistung und zweitens ein Sekundärprodukt liefern, damit man die großen Mengen, die in diesem Zuge entstehen, auch nutzen kann", sagt Buck. Die Meerespflanzen wirken zudem als wichtiger Sauerstofflieferant durch ihre Photosynthese.

30 bis 50 Algenarten können auch Gifte bilden, dies sind jedoch nur Mikroalgen. Mikroalgen sind mikroskopisch kleine Algen. In der Aquakultur werden dagegen hauptsächlich die größeren "Makroalgen" angebaut, die bis zu 50 Meter groß werden. So beziehen sich Meldungen über giftige Algen nicht auf die kontrollierte Algenzucht.

"Die Algenzucht in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Buck. Algen lassen sich gut in Ost- und Nordsee züchten. Buck hat seine Aquakultur im offenen Meer erforscht. In der Nordsee sei im Moment eine größere wirtschaftliche Nutzung nicht möglich, da weite Teile der Küste Nationalparkgebiete sind. Zudem fehle eine größere Zielgruppe, die Algen abnimmt.

"Eine mögliche Zielgruppe könnte eine andere Eigenschaft einiger Algenarten nutzen, nämlich die Absorption von Schwermetallen", so Buck.

Bislang gibt es zwei größere Erfolge, beide im norddeutschen Raum: die Algenfarm in List auf Sylt, wo in Meerwassertanks die Alge "Laminaria saccharina" ("Zuckertang") wächst und als Gemüse an Restaurants verkauft wird. Zum anderen ein weiteres Erfolgsprojekt mit mehreren Standorten in der Ostsee, etwa Surendorf in der Eckernförder Bucht oder Kiel-Friedrichsort. Dort wird ebenfalls Zuckertang angebaut und meist zu Kosmetikprodukten weiterverarbeitet.