Dürr - ein Querdenker wird 75

Der Physik-Professer ist auch Streiter für Frieden und Umwelt.

Er ist ein Querdenker. Das unterscheidet Prof. Hans-Peter Dürr von anderen Koryphäen seiner Disziplin. Heute wird der Quantenphysiker 75 Jahre alt. Bekannt wurde Dürr, der bei Edward Teller, dem Vater der Wasserstoffbombe, promovierte und fast 20 Jahre mit Werner Heisenberg am Max-Planck-Institut (MPI) für Physik in München zusammenarbeitete, aber auch durch sein gesellschaftliches Engagement. "Ich kann doch nicht seelenruhig an Elementarteilchen forschen, wenn es vielleicht eines Tages niemanden mehr gibt, den das interessiert", antwortete er stets auf die Frage, warum er sich so vehement in die politischen Diskussionen um Frieden und Umwelt einmische. Dafür wurde er 1987 mit dem Alternativen Nobelpreis und 2004 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Einen wichtigen Anstoß für sein Engagement gab die jüdische Philosophin Hannah Arendt, die er in Berkeley (USA) traf. "Sie verhalf mir aus meiner gesellschaftlichen ,Ohne mich'-Haltung - weit verbreitet bei vielen Jugendlichen nach dem Ende des mörderischen Krieges - innerhalb von wenigen Wochen herauszukommen", erinnert er sich. Seitdem ist sein Engagement ungebrochen. Denn es habe sich immer wieder gezeigt, "daß einzelne doch etwas bewirken können", sagt der Forscher, Gründer und Vorstand von Global Challanges Network. Die internationale Vereinigung, die 1987 ihre Arbeit aufnahm, will "Brücken zwischen engagierten Wissenschaftlern, Bürgerinitiativen und -verbänden sowie Behörden und Industrie bauen", um eben diesen Wandel zu befördern.

Zugleich wandelte sich das Weltbild des Physikers. Seit vielen Jahren setzt er sich verstärkt mit dem Zusammenhang von Naturwissenschaften und Mystik auseinander. "Die Wirklichkeit läßt sich im Grunde nicht begreifen", folgerte er daraus. "Nicht nur die Religionen, auch die Wissenschaften müssen das zur Kenntnis nehmen." Sein neues Buch "Auch die Wissenschaft spricht nur in Gleichnissen - Die neue Beziehung zwischen Religion und Naturwissenschaften" (Herder, 8,90 Euro) gibt einen faszinierenden, teilweise verwirrenden Einblick in seine Gedankenwelt.