Gut fürs Gemüt, schlecht für die Haut

Die künstlichen Sonnen verleihen eine attraktive Bräune und vertreiben schlechte Laune. Doch sie lassen die Haut schneller altern und können Hautkrebs verursachen.

Sonne tanken, entspannen, dem grauen Alltag entfliehen - das wollen viele gestresste Zeitgenossen wie die kürzlich veröffentlichte Hitliste der Suchbegriffe im Internet belegt. Wer bei "Last Minute" keinen Platz an der Sonne findet, der kann im Solarium seinen Sonnenhunger stillen. Die Deutschen sind europaweit Spitzenreiter im künstlichen Sonnenbaden, ermittelte die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Denn rund 16 Millionen Bundesbürger besuchen mehr oder weniger regelmäßig ein Solarium.

Die künstliche Wärme tut gut, das ultraviolette (UV) Licht vertreibt schlechte Laune. Der Grund: Die Solarium-Sonne regt die Bildung von Glückshormonen, den körpereigenen Opiaten (Endorphine) an. Diese Wirkung nutzen Mediziner, um die Winterdepression zu vertreiben. Außerdem stärken die kurzwelligen UV-Strahlen das Immunsystem, verbessern die Knochendichte. Aber es gibt gefährliche Nebenwirkungen.

"Gesunde Bräune ist im Solarium nicht zu haben!", warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) kategorisch. Das UV-Licht auf der Sonnenbank ist längst nicht so harmlos, wie oft behauptet. Zwar wurde die UV-B-Strahlung, die als Auslöser von Hautkrebs schon lange bekannt ist, weitgehend aus den Kunstsonnen herausgefiltert, doch auch die UV-A-Strahlung ist ein Gesundheitsrisiko.

Diese Strahlen dringen tief in die Haut ein und zerstören bei häufiger Bestrahlung deshalb die elastischen Fasern der Haut, sie fördern die Faltenbildung und die Entstehung von Cellulitis. Außerdem ist die Dosis des UV-A-Lichtes in Solarien teilweise um das Zehnfache höher als in der Natur. "Sie lassen die Haut in jedem Fall schneller altern und können ebenfalls Hautkrebs verursachen", warnt die ADP. Zudem schadet UV-Licht auch den Augen, wenn diese ungeschützt sind.

Doch um die Knochen zu stärken, die Bildung von Vitamin D anzuregen, sich wohler zu fühlen oder sein Aussehen zu verbessern, sollte das Solarium generell nicht genutzt werden, rät auch die ADP. Von diesen Empfehlungen ausgenommen ist ausdrücklich medizinisch begründete UV-Bestrahlung.

"Wir nutzen das UV-Licht beispielsweise, um Hautkrankheiten wie chronische Ekzeme oder Schuppenflechte, die Psoriasis zu behandeln", sagt Professor Wilhelm Meigel, Chefarzt der Hautklinik des Allgemeinen Krankenhauses St. Georg. Vor einer Eigentherapie warnt der Hautarzt gleichwohl entschieden: "Wer Hautprobleme hat, sollte immer erst mit einem Arzt reden, bevor er auf eine Sonnenbank geht. Und man sollte auch unbedingt einen Hautarzt aufsuchen, wenn nach einem Solarium-Besuch Probleme auftreten."

Wer sich trotz aller Warnungen auf die Sonnenbank legt, sollte zumindest die gesundheitlichen Risiken vermindern. "Prüfen Sie vor allem, ob Sie zu den Risikogruppen gehören, die das Solarium unbedingt meiden sollten", fordert Professor Dr. Eckard Breitbart von der ADP. Zur Risikogruppe zählen insbesondere Menschen, die sehr leicht einen Sonnenbrand bekommen und kaum eine Bräunung erreichen, viele oder besonders große Pigmentmale haben, zu Sommersprossen neigen, in ihrer Kindheit viele Sonnenbrände erlitten haben, bereits an Hautkrebs erkrankt sind oder mit einer Strahlentherapie behandelt wurden.

Außerdem sollten nur Solarien aufgesucht werden, die den Anforderungen der Strahlenschutzkommission entsprechen, rät das BfS und verweist auf den Solarium-Check.

Vor allem sollte sich jeder die Zahl 50 merken, denn mehr Sonnenbäder - künstliche oder natürliche - sollte man sich im Jahr nicht gönnen. Wer seine Haut jung und gesund halten will, sollte also auf eine ganzjährige Dauerbräune verzichten.

Zumal ein attraktiver Teint nicht automatisch vor Sonnenbrand schützt! Denn das Solariumlicht aktiviert den körpereigenen Sonnenschutz der Haut nicht. Deshalb gilt auch für attraktiv gebräunte Menschen: Wer jetzt in sonnige Gefilde aufbricht, braucht unbedingt Sonnenschutzmittel mit hohem Sonnenschutzfaktor!

Lexikon: Die Haut Die Haut ist mit 1,5 bis zwei Quadratmetern das größte und bei normalgewichtigen Menschen auch das schwerste Organ, da sie etwa 16 Prozent des Körpergewichts ausmacht. Die Haut schützt vor mechanischen Belastungen, lebensbedrohlichen Wasserverlusten, giftigen Stoffen, natürlichen Säuren und Laugen sowie Krankheitserregern. Sie leistet einen großen Beitrag zur Orientierung in der Umwelt, da sie Kälte, Wärme, Druck oder Schmerz registriert. Sie dient als Sonnenschirm, Kühlaggregat und Wärmedecke. Sie ist aus der Oberhaut (braun), der Lederhaut (rot) und Unterhaut (braun) aufgebaut. Durchzogen wird die Haut von venösen (blau) und arteriellen Gefäßen (rot). Eingelagert sind die Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haarbälge.