York

Der Mensch kennt 5000 Gesichter

Forscher haben sich an eine Schätzung gewagt. Die Spanne reicht noch weiter

York. Jeder Mensch kennt im Mittel etwa 5000 Gesichter anderer Menschen, berichtet ein Team von Wissenschaftlern um Rob Jenkins von der Universität York (Großbritannien) im Journal „Proceedings B“. Dabei gibt es große Unterschiede: Die Spanne reicht von etwa 1000 bis 10.000 Gesichtern. Bekannt sei schon länger, dass es Unterschiede in der Wahrnehmung vertrauter und unbekannter Gesichter gibt. Doch die Gesamtzahl an Gesichtern, die ein Mensch kennt, sei bisher unbekannt gewesen.

Für ihre Schätzungen ließen Jenkins und Kollegen zunächst 15 Frauen und zehn Männer im Alter von 18 bis 61 Jahren Bilder mit Gesichtern von Menschen aus deren Umgebung ansehen – Verwandte, Freunde oder Kollegen. Innerhalb einer Stunde identifizierten die Probanden im Durchschnitt 362 Gesichter. Die Versuchsteilnehmer mussten den Namen oder eine Beschreibung der Person nennen.

Den gleichen Versuch machten die Forscher mit Gesichtern von Personen des öffentlichen Lebens, etwa aus Film oder Politik. Hier war die Identifizierungsquote geringer: 290 Gesichter im Mittel. Bei beiden Versuchen nahm die Geschwindigkeit der Identifizierungen ab: Im ersten Versuch erkannten die Probanden in den ersten fünf Minuten durchschnittlich 40 Gesichter, in den letzten fünf Minuten nur noch 21.

Diese geradlinige Abnahme der Identifizierung führten die Forscher weiter bis auf null. Hätten die Teilnehmer mehr als 60 Minuten Zeit gehabt, hätten sie also durchschnittlich im ersten Versuch 549 Gesichter im zweiten Versuch 395 zusammengenommen also 944.

In einem weiteren Versuch ermittelten sie, wie viele Gesichter Menschen als „bekannt“ bezeichnen, ohne ihnen Namen oder Funktion zuordnen zu können. Die Gesichter stammten wieder von Personen des öffentlichen Lebens, doch diesmal gab es keine Zeitbegrenzung. Die Forscher verglichen nun bei den Teilnehmern die Anzahl der identifizierten Gesichter mit der als „bekannt“ bezeichneten Gesichter. Sie kamen auf ein Verhältnis von 1:4,62 (also mehr bekannte als identifizierte Gesichter).

Anhand des Faktors ermittelten sie aus der Summe der identifizierten Gesichter aus den ersten beiden Versuchen eine Gesamtzahl von 4240 Gesichtern, die ein Mensch kennt. Weil es kaum möglich sei, eine exakte Zahl zu nennen, schlagen sie vor, auf 5000 zu runden.